Adi Kälin verlässt die NZZ

Nach insgesamt 14 Jahren wird der Lokal-Journalist Adi Kälin Ende September 2022 frühpensioniert. Das Ressort Zürich verliert eine Integrationsfigur. Kälin wird in Zukunft ein paar Projekte ausserhalb der Tageszeitung anpacken.

«Seine Politanalysen und historischen Texte waren stets auf höchstem Niveau», sagt Daniel Fritzsche. Der Leiter des Züri-Bunds der Neuen Zürcher Zeitung, bedauert den Abgang von Adi Kälin ausserordentlich. «Adi hat das Ressort Zürich mit seinem profunden Wissen über die Mechanik der Stadt Zürich – von historisch bis politisch – enorm bereichert.»

Kälin ist seit 2008 Redaktor bei der NZZ. In dieser Zeit habe er «den ganze Gemischtwarenladen des Lokalen, Politik, Kultur oder Gesellschaftliches» abgearbeitet. Immer wieder die Hochhäuser, die Kaserne, das Globus-Provisorium oder das Kongresshaus. Auch wenn es um die Wahlen, den Hafenkran, gemeinnützige Wohnungen oder um den Kampf für ein gerechteres Wahlsystem in der Limmat-Stadt ging, las man immer wieder Kälins Namen in der Autoren-Zeile. Dies seien oft nicht die «tollen Storys» gewesen, sondern schlichtes Handwerk, sagt der 63-Jährige: «5000-Zeilen-Geschichten oft täglich, dazu Tausende Kommentare zu allem, was die Stadt bewegte.» Dass Kälin deshalb keine Journalistenpreise einheimsen konnte, sei so auch logisch.

Der in Küssnacht am Rigi geborene Journalist hatte aber durchaus ein paar «Hobby-Themen», wie er sie nennt: Historisches, Fotogeschichtliches und auch über die Berge schrieb Kälin stets mit Leidenschaft. Da ging es beispielsweise um die Cholera 1867 oder die russische Grippe, die 1890 am Sechseläuten als Influenza-Figur verbrannt wurde.

Eine typische Fotografie-Story von Kälin, welche laut Daniel Fritzsche eingeschlagen und rekordmässig viele Leserinnen und Leser gefunden habe, sei der Artikel über einen Foto-Sensationsfund am Bürkliplatz-Flohmarkt.

Wer auf Adikaelin.ch surft, findet weitere Steckenpferde des bald abtretenden Lokaljournalisten. Dort und an anderer Stelle wird man in Zukunft weiter von Kälin lesen. «Ich bin offen für x-was, vermutlich wird es wieder auf etwas Publizistisches hinauslaufen.» Gut möglich, dass er ein weiteres Buch schreiben wird.

Noch vier Monate bei der NZZ

Den Einstieg in den Journalismus machte Kälin beim Luzerner Tagblatt. Nachher schrieb er für das Tagblatt der Stadt Zürich und danach war er von 1992 bis 2008 für den Tages-Anzeiger tätig. Beim Tagi war er in diesen 16 Jahren unteranderem Ressortleiter Stadt Zürich und später auch Leiter des Lokal-Splits Stadt Zürich.

Nun wird er noch weitere vier Monate für die NZZ schreiben, dann ist offiziell Schluss. Die Kolleginnen und Kollegen werde er vermissen, das politische Pflichtprogramm weniger, wie er gegenüber der Werbewoche verrät.

Neben seinen journalistischen Qualitäten schätzt sein Vorgesetzter Daniel Fritzsche vor allem die grosse Gelassenheit, die er ausgestrahlt habe: «Gerade für jüngere Kolleginnen und Kollegen war er eine Art Vaterfigur im Ressort, die stets mit Rat und Tat zur Seite stand und die Dinge auf den Boden der Realität geholt hat.»

Weil man Adi Kälin leider nicht klonen könne, sucht Fritzsche ab Oktober 2022 nun eine geeignete Nachfolge für den langjährigen NZZ-Mitarbeiter. «Es sollte einfach eine ausgezeichnete Journalistin, ein ausgezeichneter Journalist mit einem Herz für Zürich sein.»

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