Wegen dem «Buddy-System» gibt es wenige Frauen in der Filmbranche

Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat untersuchen lassen, warum es im Schweizer Filmschaffen einen grossen Gender-Gap gibt. Die Studie zeigt, dass Frauen aus dem sogenannten «Buddy-System» fallen.

(Quelle: Bak.admin.ch)

Frappant ist der Unterschied zwischen Studium und Beruf: Ungefähr gleich viele Frauen wie Männer absolvieren eine Schweizer Filmhochschule, danach öffnet sich eine Lücke. «Frauen sind im professionellen Filmschaffen untervertreten», schreibt das Forschungsbüro Interface. Es führte 2020 eine Studie zur Gleichstellung von Filmschaffenden in der Schweiz im Auftrag des BAK durch. Am diesjährigen Filmfestival Locarno wurden die Resultate vorgestellt.

So zählen öffentlich finanzierte Schweizer Langfilme immerhin 35 Prozent Drehbuchautorinnen und Produzentinnen, gerade mal 29 Prozent Regisseurinnen und marginale 13 Prozent Kamerafrauen. Eine Ausnahme sind Montage und Schnitt mit etwas über die Hälfte Frauenanteil.

Generationeneffekt ist vorhanden

Beobachtet wird jedoch ein Generationeneffekt: «Bei den jüngeren Filmschaffenden (ab Jahrgang 1980) zeigt sich – mit Ausnahme der Kameraposition – ein ausgewogeneres Bild mit 37 Prozent Regisseurinnen und gar 50 Prozent Produzentinnen.» Steigende Frauenanteile werden auch unter den jüngeren Mitgliedern der Berufsverbände und den angenommenen Fördergesuchen verzeichnet.

Um die Einflussfaktoren auf die ungleichen Verhältnisse zu ergründen, wurden 139 Film-Hochschulabsolventinnen und -absolventen schriftlich befragt und mit 16 Filmschaffenden und 10 Fachleuten – zum Beispiel von Verbänden oder Förderstellen – Interviews geführt.

Herauskristallisiert haben sich folgende Karrierehindernisse für Filmemacherinnen: kaum familiengerechte Arbeitsbedingungen, ein schwer zugängliches «Buddy-System» von Männern und ein verbreitetes stereotypisches Rollendenken. Insbesondere die jüngeren Filmschaffenden seien weniger gewillt, sich männlich konnotierten Umgangsformen, Hierarchien und unregelmässigen Arbeitsbedingungen unterzuordnen, um Erfolg zu haben.

Welche Massnahmen wirken?

Im Schussbericht werden auch Gleichstellungsmassnahmen diskutiert, die es bereits gibt oder die empfehlenswert seien. Sie reichen von Online-Kampagnen über Coaching-Programme bis zu Anreizen in der Kulturförderung. Bei Bundesgeldern beispielsweise sind seit 2020 die Kosten für die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen anrechenbar. Welche Massnahmen die Vielfalt tatsächlich erhöhen, müssten weitere Untersuchungen zeigen. (SDA)

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