Ringier Axel Springer plant die Einstellung von Style und baut 35 Stellen ab

Seit Jahren sinkende Werbeerlöse und zusätzliche Verluste durch Corona lassen Ringier Axel Springer Schweiz auf die Sparbremse treten – dabei kommt es voraussichtlich zu einem Abbau von 35 Stellen. Das Medienhaus fokussiert in Zukunft auf eine neue, konvergente und verkleinerte Redaktion der Schweizer Illustrierte.

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Besonders das Mode- und Lifestyle-Magazin Style sei stark vom Werbemarkt abhängig und leide seit der Corona-Krise an einem zusätzlichen Rückgang, schreibt Ringier Axel Springer Schweiz in einer Mitteilung. Die Werbeerlöse des Titels hätten sich in den letzten vier Jahren halbiert. Um weitere Verluste zu vermeiden, soll das Magazin eingestellt und dessen Redaktion aufgelöst werden. «Der Entschluss ist uns äusserst schwer gefallen», so Alexander Theobald, CEO von Ringier Axel Springer Schweiz, in einer Mitteilung. «Aufgrund der sich stetig verschlechternden Marktsituation, zugespitzt durch die Auswirkungen der Corona-Krise, können wir eine Weiterführung der Zeitschrift nicht mehr verantworten.» Die gedruckte Ausgabe von Style wird am 20. August 2020 voraussichtlich zum letzten Mal erscheinen.

Style, 2006 als Side Extension der Schweizer Illustrierte unter dem Namen SI Style lanciert, wurde 2008 zum eigenständigen Lifestyle-Magazin und 2016 auch namentlich von der Schweizer Illustrierten abgekoppelt. 2013 wurden die Web-Auftritte von Schweizer Illustrierte und Style zusammengelegt. Im Februar 2020 wurde Style einem letzten Relaunch unterzogen (Werbewoche.ch berichtete).

 

Bolero: Weiterführung durch externe Produktion

Die Einstellung von Style hätte auch Konsequenzen für das Mode- und Kultur-Magazin Bolero, welches aktuell von derselben Redaktion erstellt wird und in Zukunft extern produziert werden soll. «Bolero konnte mit der Anpassung des Vertriebskonzepts im letzten Jahr wirtschaftlich auf ein solides Fundament gestellt werden. Die Produktion liesse sich aufgrund der Umstrukturierung künftig aber nicht mehr intern realisieren», so Alexander Theobald. «Mit einer Auslagerung können wir den Fortbestand des Magazins flexibler gestalten und sicherstellen.» Bolero erscheint seit 2019 als Beilage der Wirtschaftspublikationen Handelszeitung und Bilanz (Werbewoche.ch berichtete).

 

Sabina Hanselmann-Diethelm verlässt das Unternehmen

Hinsichtlich der geplanten Massnahmen bei Style und Bolero würde auch die bisherige Chefredaktorin Sabina Hanselmann-Diethelm Ringier Axel Springer Schweiz verlassen. «Ich bedauere das sehr und danke ihr für ihre bisherige, überzeugende Arbeit als Chefredaktorin. Sabina Hanselmann-Diethelm hat die beiden Titel mit viel Leidenschaft, Kreativität und Know-how geführt und sich stets intensiv für die Mitarbeitenden eingesetzt und um Kunden gekümmert», so Alexander Theobald.

 

Schweizer Illustrierte: Zusammenlegung von Print und Online

Zudem sollen die Redaktionen der Schweizer Illustrierte und SI online verkleinert und organisatorisch zusammengeführt werden, um in Zukunft konsequent kanalübergreifend zu arbeiten. Nina Siegrist, Co-Chefredaktorin der Schweizer Illustrierte: «Dass wir uns von geschätzten Kolleginnen und Kollegen trennen müssen, bedauere ich zutiefst.» Die enge Verzahnung von Print und Online soll der Traditionsmarke ermöglichen, im aktuellen Marktumfeld ein positives Ergebnis zu erzielen und ihren Leserinnen und Lesern weiterhin qualitativ hochwertigen Journalismus zu bieten.

 

Konsultationsverfahren ab sofort eröffnet

Die nötig gewordenen Einsparungen sehen insgesamt einen Abbau von 35 Stellen vor. Für die entsprechenden Mitarbeitenden soll ein Sozialplan zum Tragen kommen – mit Massnahmen, welche über die gesetzlichen Vorgaben hinausgingen, wie das Medienhaus betont. Das Konsultationsverfahren ist per sofort eröffnet. Mitarbeitende können bis zum 21. August 2020 alternative Vorschläge einreichen, wie die geplanten Massnahmen gemildert werden könnten.

 

Syndicom bedauert Massenentlassung

Die Gewerkschaft Syndicom bedauert, dass die entsprechenden Massnahmen trotz Kurzarbeit getroffen werden müssen. In einer Mitteilung fordert die Gewerkschaft, dass für die Betroffenen ein anständiger Sozialplan ausgearbeitet wird und erwartet, dass das Unternehmen die Folgen des Stellenverlusts abfedert.

Die von Ringier Axel Springer getroffenen Massnahmen würden zeigen, dass öffentliche Unterstützung ohne Leitplanken keine Arbeitsplätze retten würde. Das Beispiel Axel Springer zeige, dass auch erfolgreiche Unternehmen bei wirtschaftlichen Turbulenzen trotz Kurzarbeit umgehend Stellen abbauen, was der Bundesrat und das Parlament berücksichtigen müssen, wenn sie die Medienförderung überarbeiten: «Wenn der Bund Medienkonzerne, wie geplant, ohne Leitplanken mit öffentlichen Geldern unterstützt, fliesst dieses Geld vor allem in Unternehmensgewinne und Dividenden», so die Gewerkschaft.

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