«Diese Schwierigkeiten haben wir unterschätzt, da gibt es nichts schönzureden»

Ringier-Chef Marc Walder erklärt im Interview mit der NZZ am Sonntag, wieso die Vermarktungsallianz Admeira gescheitert ist und räumt Fehler ein.

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Das gemeinsame Werbe-Joint-Venture ist Geschichte. Nach dem Ausstieg der SRG wurde letzte Woche nun auch der Austritt von Swisscom aus Admeira verkündet. Ringier übernimmt das Unternehmen ganz und macht es – statt wie geplant zu einer crossmedialen Vermarktungsplattform – zu einem reinen TV-Vermarkter. Die Werbung der Print- und Online-Produkte verkauft man nun wieder an der Dufourstrasse selbst (Werbewoche.ch berichtete).

 

«Da gibt es nichts schönzureden»

Der urspüngliche Plan, den US-Tech-Giganten Google und Facebook die Stirn zu bieten, sei misslungen, räumt Ringier-CEO Walder ein: «Das hat nicht funktioniert wie erwartet». Als Gründe nennt er einerseits das Verbot für die SRG, zielgruppenspezifische Werbung zu machen: «Das war ein schwerer Schlag.» Andererseits habe die Zusammenführung der Teams von Swisscom, Ringier und SRG sich als «enorme Herausforderung» herausgestellt. «Diese Schwierigkeiten haben wir unterschätzt, da gibt es nichts schönzureden», gesteht Walder ein.

 

Unter dem Druck von Tamedia kehrte der Wind im VSM

Ebenfalls nicht plangemäss lief die Zusammenarbeit mit dem Verlegerverband (VSM). «Die Idee war, dass sich weitere Unternehmen an der Vermarktungsallianz beteiligten würden», so Walder. «Die politisch getriebene Ablehnung des Verbandes Schweizer Medien war dann beispiellos.» Der damalige Präsident Hanspeter Lebrument habe die Lösung zwar noch begrüsst, «doch unter dem Druck der Tamedia kehrte der Wind blitzschnell».

Er werfe sich vor, die Mitglieder des Verbandes Schweizer Medien nicht frühzeitig ins Boot geholt zu haben, so Walder selbstkritisch. «Die delikate Lage der SRG vor der No-Billag-Abstimmung sorgte für eine Eigendynamik, gegen die nicht anzukommen war. Die Idee dieser crossmedialen Allianz war trotzdem richtig.»

 

Walder hofft auf die Login-Allianz

Ganz verloren glaubt der Ringier-CEO den Kampf gegen die übermächtigen US-Tech-Giganten dennoch nicht – er schöpft Hoffnung durch die Login-Allianz der grossen Medienhäuser. «Wir wissen dadurch, welcher Nutzer auf welcher Plattform aktiv ist – egal auf welchem Gerät. Das ergibt bessere Daten für den Schweizer Werbemarkt.» Facebook, Google und Amazon täten genau das. Und zwar seit Jahren.

 

Der Mobiliar den Vorzug gegeben – dank langfristigem Interesse

Walder kommt im Gespräch auch auf das Investment der Mobiliar bei Ringier zu sprechen. Die Versicherung übernimmt 25 Prozent der Aktien des Medienkonzerns – der Kaufpreis wird auf rund 400 Millionen Franken geschätzt. Vom Kaufbetrag fliessen laut Walder rund 70 Prozent direkt ins Unternehmen, der Rest an die Aktionäre. «Wir wollen investieren, nicht abschöpfen», sagt er und nimmt dabei Bezug auf Medienberichte, welche behauptet haben, die Aktionäre würden 70 Prozent erhalten.

Um die digitale Transformation fortzusetzen, brauche man neue Mittel, sagt Walder. Obwohl man «viele Anfragen von weltweit führenden Finanzinvestoren» gehabt habe, sei die Entscheidung auf die Mobiliar gefallen. Denn: Im Gegensatz zu den kurzfristig denkenden Investoren denke das Unternehmen, das seit vier Jahren bereits an der Scout-24-Gruppe beteiligt ist, langfristig.

 

Smartphone weist bei Spazierung auf freie Wohnungen hin

Mit den neuen Geldern sollen unter anderem Technologieunternehmen akquiriert werden, um auf dem neusten Stand zu bleiben. In ein paar Jahren werde es möglich sein, Konzerttickets direkt über Spracheingabe in die Ticketcorner-App zu buchen – ohne weitere Schritte. Oder beim Spaziergang durch Zürich würden, so die Vision Walders, künftig Pop-Up-Meldungen erscheinen, wenn irgendwo eine zum User-Profil passende Wohnung frei sei.

 

Die Sonntagspresse überlebt die Tagespresse

Und noch etwas prophezeit der Ringier-Chef: Eine bessere Zukunft für die Sonntagstitel der gedruckten Presse. «Den SonntagsBlick wird es länger geben als den Blick. Und die NZZ am Sonntag länger als die NZZ.» Wie lange jedoch die Zeitungen generell auf Papier erscheinen werden, sei ihm egal. «Unsere 140 Medienmarken müssen die Menschen dort erreichen, wo sie sind – und wo die Menschen sie haben wollen.»

 

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