Sind die Tage der Printausgabe von Le Matin bereits gezählt?

Der traditionsreichen gedruckten Westschweizer Tageszeitung Le Matin könnte schon bald der Stecker gezogen werden – früher als erwartet. In der Romandie herrscht Resignation.

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Die AZ Nordwestschweiz beruft sich bei ihrer Recherche auf eine «gut unterrichtete Quelle». Demnach soll über Pfingsten bei Tamedia der Entscheid gefällt worden sein, die seit 20 Jahren defizitäre Printausgabe von Le Matin noch diesen Sommer einzustellen.

Gegenüber AZ Nordwestschweiz dementierte Tamedia den definitiven Entscheid am Dienstag zwar – die Einstellung der Printausgabe sei nur ein mögliches Szenario. Sprecher Patrick Matthey betonte, dass man an der starken Marke ohnehin festhalten wolle, unabhängig davon, ob man eine Printausgabe herausgebe.

Eine Stossrichtung, die Verleger Pietro Supino bereits im Dezember angekündigt hat: Le Matin ja, aber nur noch digital. Allerdings kündigte er das Ende der Printausgabe erst zwei Jahre später an.

Hinweise darauf, dass die Tage der Le-Matin-Printausgabe gezählt sein dürften, lieferte Tamedia bereits mit der Tatsache, dass Le Matin bei der Mantel-Zusammenlegung nicht ins Kompetenzzentrum der Einheitsredaktion, welche die Tamedia-Tageszeitungen beliefert, aufgenommen wurde. Stattdessen wurde die Le-Matin-Redaktion mit derjenigen von 20 Minutes fusioniert.

Peter Rothenbühler, Westschweiz-Kenner und Ex-Le-Matin-Chefredaktor, zeigt sich gegenüber der AZ Nordwestschweiz wenig überrascht über die Nachricht. Die Frage sei nicht, ob die Printausgabe eingestellt werde, sondern wann Tamedia dies kommuniziere. Einen Aufstand von Politik und Bevölkerung dürfe man in der Westschweiz deswegen nicht erwarten – die Romandie habe sich längst damit abgefunden, dass sie von Tamedia nichts Gutes erwarten könne und nehme nur noch «resigniert zur Kenntnis, dass sich Pietro Supino nicht für das Welschland interessiert, sondern bloss für seine Gewinnmargen». (hae)

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