Der No-Billag-Abstimmungskampf auf Twitter findet in Filterblasen statt

Die SonntagsZeitung hat den Abstimmungskampf zur No-Billag-Initiative auf Twitter analysiert. Dabei zeigt sich: Die Lager bleiben mehrheitlich unter sich – die Befürworter sind jedoch interessierter an der Meinung der Gegenseite.

twitter-no-billag

Der in den Sozialen Medien geführte Abstimmungskampf zur No-Billag-Initiative wird so erbittert geführt wie nie zuvor. Die SonntagsZeitung hat 60’000 Tweets zum Thema, welche zwischen September 2017 und Janaur 2018 veröffentlicht wurden, analysiert.

Dabei zeigt sich: Von einer echten Debatte ist mehrheitlich weniger zu spüren. Das bedeutet: Die Gegner und Befürworter befinden sich in für Social Media typischen Informations-Filterblasen – bleiben also mehrheitlich unter sich und lesen nur das, was ihrer Meinung entspricht.

Die 46 beliebtesten Accounts beider Lager

Für die Analyse wurden in Zusammenarbeit mit dem Statistik-Blog Politan die je 46 beliebtesten Twitter-Konten der No-Billag-Befürworter und -Gegner ermittelt.

Der Top-Account, dem am meisten No-Billag-Gegner folgen, ist der offizielle Kanal des Nein-Komitees @NoSendeschluss, gefolgt vom Twitter-Account der SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, dem Kanal von Operation Libero und demjenigen von Viktor Giacobbo. Danach folgen mit den Accounts von Jonas Projer, Arthur Honegger und Sandro Brotz drei «direktbetroffene» SRF-Vertreter. Die Plätze sieben bis zehn belegen Medienexperte Vinzenz Wyss, Politologe Claude Longchamp und Politikberater Mark Balsiger.

Die meisten Befürworter folgen dem Konto des Ja-Komitees @No-Billag, gefolgt vom anonymen Account @person_tw und dem Konto Medienfreiheit @srgwatch. Der Zürcher Kantonsrat René Truninger belegt Platz 4, der SVP-Nationalrat Claudio Zanetti Platz 5. Es folgen die Accounts @iostatus, @LahorJarklin, BaZ-Journalist Dominik Feusi @feusl, @S3ifenblase und @FlorianSchwab.

Pro-Lager folgt mehr Gegnern als umgekehrt

Die Übersicht zeigt: Es folgen mehr Befürworter den beliebtesten Accounts der Gegner, als umgekehrt. Einzig der offizielle No-Billag-Account scheint unter der Beobachtung der No-Billag-Gegner zu stehen – ihm folgen halb so viele Gegner wie Befürworter. Über alle Konten gerechnet verfolgen die Befürworter viermal mehr Konten der Gegner, als umgekehrt.

Für SVP-Nationalrat Claudio Zanetti keine Überraschung, wie dieser gegenüber der SonntagsZeitung erläutert. Das Nein-Lager sei mit dem «linken Mainstream» verbunden und in diesem «Biotop» sei es wichtig, dass alle dem gleichen Narrativ folgten. Als Beispiel fügt er an, wie die Musiker und Künstler sich zuerst zurückgehalten hätten und dann «durch Gruppendruck auf Kurs getrimmt» worden seien.

David gegen Goliath

Das sieht Online-Kampagnen-Experte Daniel Graf anders. Die Offenheit der Befürworter sei aus den Not heraus geboren – ein Zwang, um neue Zielgruppen beackern zu können. Dem gegenüber die Gegnerschaft, die sich nicht auf eine Debatte einlassen wolle, um der Befürworterseite keine zusätzliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Und Graf verweist auf einen weiteres Indiz dieses David-gegen-Goliath-Machtverhältnisses: Während auf der Gegnerseite die einflussreichsten Konten Prominenten und Meinungsmachern gehörten, bestehe die andere Seite fast nur aus Underdogs, deren gemeinsames Markenzeichen die Provokation sei und im sonstigen Schweizer Social-Media-Universum kaum eine Rolle spielten.

Gemeinsame Nenner beider Lager

Bei den vielen Unterschieden gibt es auch eine gemeinsame Schnittmenge der Befürworter und Gegner. Die Follower der 46 beliebtesten Pro- und Contra-Konten folgen in ähnlicher Anzahl verschiedenen «neutralen» Accounts. Am beliebsten in beiden Lagern ist @politnetzCH, gefolgt vom Account der SonntagsZeitung, und SP-Politiker Felix Hoesch. Ebenfalls hoch im Kurs: Das Konto der Schweiz am Sonntag und deren Chefredaktor Patrik Müller. Auch CVP-Nationalrat Gerhard Pfister, AZ-Medien-TV-Chefredaktor Markus Gilli und der Wirtschaftsverband Economiesuisse werden von ungefähr gleich vielen Befürwortern und Gegnern verfolgt. (hae)

(Visited 20 times, 1 visits today)

Weitere Artikel zum Thema