Beim Übersetzen von Agenturmeldungen wird oft verallgemeinert

Wenn Nachrichtenagenturen Meldungen übersetzen, haben sie die Tendenz, Informationen zu verallgemeinern. Dadurch gehen Nuancen verloren. Dies hat die Studie einer Forscherin der Universität Genf ergeben.

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Lucile Davier von der Fakultät für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Genf (UNIGE) hat sich mehr als 1100 auf Französisch geschriebene Agenturmeldungen der Nachrichtenagentur SDA und der Agence France-Presse (AFP) angesehen und untersucht, wie diese ins Deutsche oder Englische übersetzt wurden. Dabei hat die Forscherin festgestellt, dass die meisten Journalistinnen und Journalisten wörtliche Übersetzungen zu vermeiden versuchten. Stattdessen zogen sie es vor, die Meldungen mit Blick auf das anderssprachige Lesepublikum und dessen kulturelles Umfeld neu zu schreiben. Dies beeinflusse die Wahrnehmung der gelesenen Informationen unwiederbringlich, schreibt die UNIGE. Als Beispiel wird eine Agenturmeldung der AFP in französischer Sprache angeführt, die sich an ein internationales, frankophones Publikum richtete. In dieser wurde die SVP als eine Partei der extremen Rechten dargestellt, während eine solche Bezeichnung von Journalisten in der Romandie niemals verwendet würde, unterstrich die Forscherin. Die AFP als internationale Agentur habe die Tendenz, die Informationen maximal zu verallgemeinern, um von den Lesern verstanden zu werden, die mit den politischen Verhältnissen in der Schweiz nicht vertraut seien. Bei diesem Vorgang der Verallgemeinerung gingen häufig Nuancen verloren.

Kulturelle Blase

Davier stellte weiter fest, dass die Journalistinnen und Journalisten für politische Standpunkte meist Persönlichkeiten zitierten, die aus dem benachbarten Ausland stammten – im allgemeinen also Franzosen für die Romands und Deutsche für die Deutschschweizer. Dieses Vorgehen wiederum birgt laut der Studie das Risiko, dass die Ansichten und der Blick auf andere Standpunkte limitiert bleiben. «Wir bleiben ständig eingeschlossen in der kulturellen Blase unserer Sprache, obwohl die Übersetzung von Vorschlägen einer Person einer anderen Sprachgemeinschaft uns neue Perspektiven eröffnen könnte», wird die Forscherin zitiert. In ihren Augen sollte versucht werden, die Übersetzung nicht als eine Aufgabe zu verstehen, bei der es nur um Wörter geht, sondern vielmehr um kulturelles Verständnis. (SDA)

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