«Media Forti» lanciert einen Aufruf für eine neue Medienpolitik

Media Forti ist eine Koalition für Journalismus der Zukunft. In einem öffentlichen Aufruf wird eine neue Medienpoltik gefordert.

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Die Schweizer Medienlandschaft befindet sich im Umbruch. Die Finanzierungskrise der Medien schwächt den unabhängigen Journalismus. Doch die Schweizer Demokratie braucht starke Medien. Es sei höchste Zeit, dass die rückwärtsgewandte medienpolitische Auseinandersetzung durch konstruktive Lösungen ersetzt werde, so Media Forti. Es gehe um nichts weniger, als die Medienschweiz neu zu denken.

Media Forti, die Koalition für Journalismus der Zukunft, lanciert deshalb einen öffentlichen Aufruf für eine neue Medienpolitik und stellte diesen am Montag in Zürich vor. Neun bekannte Namen aus der Journalismusszene und der Medienwissenschaft sowie eine Liste von über 70 prominenten Erstunterzeichnern fordern für die Schweiz dabei:

  • eine neue Infrastruktur für modernen Journalismus, auf der private Anbieter untereinander im Wettbewerb stehen und
  • eine starke SRG, die einen Service-public-Auftrag erfüllt und der durch die genügende öffentliche Finanzierung ein «sorgfältig gesteuerter Abbau kommerzieller Einnahmen erlaubt» werden soll.
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Media Forti schlägt einen neuen Ansatz zur Finanzierung von Journalismus vor. Mit der fortschreitenden Digitalisierung werde diese im freien Markt immer schwieriger. Nutzer und Werbung seien ins Internet abgewandert – aber nicht zu den Onlineangeboten von Medienhäusern, sondern zu Suchmaschinen, sozialen Netzwerken und Kleinanzeigenportalen, die selbst keine publizistischen Inhalte produzieren. Während die klassischen Medien heute schon vom Staat unterstützt und gefördert würden, gehe Journalismus im Internet leer aus.

Open-Source-Infrastruktur und Onlinemedienförderung

Media Forti schlägt einerseits eine Open-Source-Infrastruktur für private Anbieter von Journalismus vor. So soll verhindert werden, dass jedes Medienunternehmen selbst Geld für die Infrastruktur investieren muss, statt dieses dem Journalismus zukommen zu lassen. Alle Anbieter – von etablierten Zeitungen bis hin zu Bloggern – erhielten Zugang, sofern sie sich zur Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten bekennen. Betrieben würde diese Infrastruktur von einer Non-Profit-Organisation. Kosten pro Jahr: ca. fünf bis sechs Millionen Franken – finanziert durch Stiftungen und die öffentliche Hand.

Andererseits sollen den Anbietern auf dieser Plattform eine Produktionsförderung zur Verfügung stehen. Diese funktioniere unabhängig vom Staat und werde ohne jeden Eingriff in die redaktionelle Freiheit umgesetzt, schreibt Media Forti. Als Vorbilder werden Dänemark, Schweden und Norwegen genannt – Länder, in denen diese Modell seit Jahrzehnten funktioniere.

Der Verein Media Forti ist unabhängig von Parteien und Interessenverbänden. Um die Unabhängigkeit zu wahren, wurde bewusst darauf verzichtet, aktive Politiker und Vertreter von Medienunternehmen als Erstunterzeichner/innen anzufragen. Hinter Media Forti stehen mit Manuel Puppis (Präsident des Vereins), Anne-Laure Daboczi, Frédéric Gonseth, Olaf Kunz, Matthias Künzler, Robert Ruoff, Alexandra Stark, Chantal Tauxe und Hansi Voigt Vertreterinnen und Vertreter aus Journalismus, Medienausbildung, Kultur und Wissenschaft.

Der Aufruf von Media Forti kann ab sofort auf Mediaforti.ch unterschrieben werden.

Syndicom und Impressum begrüssen den Aufruf

Impressum betont in einer Stellungnahme, dass man Media Forti als «Weckruf» verstehe: Die Details des Aufrufs mögen zu Diskussionen Anlass geben, so zum Beispiel die Idee, dass die «starke SRG» ohne Einnahme aus Werbung auskommen soll. Man habe sich bei Impressum sich zwar grundsätzlich für die Beibehaltung des Service Public im bisherigen Umfang ausgesprochen, aber nicht zur Frage, ob und in welchem Umfang ein Abbau der kommerziellen Einnahmen der SRG zu begrüssen wäre, schreibt der Journalistenverband.

Syndicom ruft die eigenen Mitglieder auf, den Afuruf zu unterzeichnen. Demokratie brauche unabhängige Medien und Qualitätsjournalismus. Die Abhängigkeit von den Inserenten gefährde die Freiheit der Medien. Ebenso fatal sei, dass Google, Facebook & Co. Werbegelder im Informationsumfeld absaugten, ohne diese in die Publizistik zu investieren. Weiter verurteile man die Profitmaximierung von Tamedia, wo Einnahmenrückgänge bei den Printmedien beim Personal eingespart würden, während jährlich 50 Millionen Franken «in die Taschen der Besitzer und der Teppichetage fliessen» würden.

Jetzt brauche es den Druck der Zivilgesellschaft, fordert Syndicom: Öffentliche Journalismusförderung sei nötig, die Verteilung der Fördergelder müsse an einen Informationsauftrag und einen GAV geknüpft sein. Plattformprojekte wie «Fijou» und «WePublish» seien zu unterstützen, damit unabhängige Medien ihre Ressourcen in die journalistische Arbeit investieren könnten. (hae/pd)

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