Die Tessiner SRG-Radios zeigen wenig Interesse an der Wirtschaft

Eine Publicom-Programmanalyse zeigt: Die Tessiner SRG-Radios haben eine hohe Informationskompetenz, sind aber thematisch wenig komplementär aufgestellt. Viel Kultur, wenig Politik und fast keine Wirtschaft. Rete Uno und Rete Tre grenzen sich musikalisch kaum ab. Viel Lob gibt es für Radio Rumantsch.

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Die vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom) in Auftrag gegebene Publicom-Studie untersuchte die vier Vollprogramme der italienischen und rätoromanischen Schweiz während einer künstlichen Woche zwischen Januar und Dezember 2016 jeweils von 05:00 Uhr bis 24:00 Uhr. Die Stichprobe umfasst insgesamt 704 Programmstunden.

In der italienischen Schweiz decken die drei RSI-Radios demnach ein breites Spektrum von Programmleistungen ab, die aber nur teilweise komplementär sind: So favorisieren alle RSI-Programme Kulturthemen und messen der eigenen Sprachregion sowie der Auslandberichterstattung einen hohen Stellenwert bei. Politische Themen haben ein geringeres Gewicht als Kultur und Gesellschaft und sind überwiegend an Aktivitäten von Regierung und Behörden orientiert. Auffallend ist die vergleichsweise schwache Beachtung von Wirtschaftsthemen. Im Vergleich zu den SRG-Radios der Deutschschweiz und der Romandie sticht eine überdurchschnittliche Berücksichtigung von Ereignissen in den anderen Sprachregionen heraus.

Rete Uno hat den höchsten Informationsanteil der Tessiner SRG-Radiosender. Von den Schwesterprogrammen unterscheidet es sich vor allem durch eine stärkere Thematisierung von Sport. Rete Due weist als Kulturprogramm ein ähnliches Sendekonzept auf wie die zweiten SRG-Radioprogramme in der Deutschschweiz und der Romandie. Charakteristisch ist vor allem das Musikformat. Rete Tre hat den geringsten Informationsanteil der RSI-Radios. Die Information ist thematisch aber ähnlich strukturiert wie im Programm von Rete Uno, mit dem Unterschied, dass Sport praktisch nicht vorkommt.

Insbesondere Rete Uno und Rete Due beweisen ihre Informationskompetenz nicht nur im Umfang der ausgestrahlten Informationen, sondern vor allem auch im Aufwand, der für die formale Aufbereitung der Inhalte betrieben wird. Sie sind bestrebt, Fakten einzuordnen und Hintergründe auszuleuchten und greifen dabei auf ein breites Inventar an journalistischen Darstellungsformen zurück.

RSI-Radios: Wenig Schweizer Musik

Das profilierteste Musikformat der RSI-Radios hat Rete Due. Klassische Musik spielt darin zwar eine wichtige Rolle, darüber hinaus weist das Programm aber ein breites Spektrum von weiteren Stilformen ausserhalb des Mainstreams auf. Die Musikformate von Rete Uno und Rete Tre orientieren sich dagegen am Mehrheitsgeschmack und sind sich über weite Strecken sehr ähnlich. Beide Programme spielen überwiegend zeitgenössische Popmusik, wobei die gespielten Titel auf Rete Tre im Durchschnitt etwas jünger sind als auf Rete Uno. Der Anteil an Schweizer Musik ist in den RSI-Programmen tiefer als in den SRG-Radios der Romandie und der Deutschschweiz und kaum höher als in den Programmen der Tessiner Privatradios.

Einzigartiges Programmkonzept von Radio Rumantsch

Radio Rumantsch bietet als musikdominiertes Full-Service-Format eine breite Palette von Inhalten, um möglichst vielen Interessen gerecht zur werden. Es findet in der schweizerischen Radiolandschaft keine Parallele. Das Programm strahlt mehr Informationen aus als die meisten SRG-Radios. Punkto Aufbereitungsqualität erreicht das Programm fast das Niveau der ersten SRG-Radioprogramme. Thematisch dominieren Politik und Gesellschaft. Zudem strahlt Radio Rumatsch als eines der letzten Schweizer Radios eine sonntägliche Kirchensendung aus. Besonders eigenständig ist sein Musikformat, das eine beachtliche Anzahl von rätoromanischen Stücken aufweist. Der Stilmix ist so breit wie bei kaum einem anderen Schweizer Radio, der Anteil an Schweizer Musik höher als in jedem anderen SRG-Programm.

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