Gemeinsame Lösung gesucht: Schweizer Finanzdienstleister mobilisieren gegen Apple

Credit Suisse, Postfinance, Raiffeisen, UBS, ZKB, SIX, Coop, Migros und Swisscom haben Gespräche bezüglich einer gemeinsamen Schweizer Lösung für Mobile Payment aufgenommen. Bisher konkurrieren sich zwei Systeme, aber bald könnte Apple in den Markt eintreten.

Die Gespräche sind laut Mitteilung «ergebnisoffen». Sie sollen klären, ob und inwiefern ein gemeinsames, starkes sowie kundenfreundliches mobiles Zahlungssystem «kanalübergreifend, flächendeckend und rasch» in der Schweiz verbreitet werden kann. Die kürzlich lancierten Mobile-Payment-Lösungen von Postfinance (Twint) und SIX (Paymit) sind zwar auf Interesse bei den Konsumenten, dem Handel sowie den Banken gestossen, unterscheiden sich aber bezüglich Nutzungsmöglichkeiten sowie ihrer technologischen Hintergründe. Die verschiedenen Finanzdienstleister prüfen nun die Möglichkeit einer Zusammenarbeit, um den Schweizer Konsumenten und dem Detailhandel eine integrierte und standardisierte Lösung zum digitalen Zahlungsverkehr anbieten zu können.

Die Schweizerische Post respektive Postfinance hat den bundesrätlichen Auftrag, für die Schweiz eine Zahlungsverkehrs-Infrastruktur bereitzustellen. SIX und die Banken wiederum wollen ihren Kundinnen und Kunden eine direkte und sichere Schnittstelle anbieten können. Unter den Parteien bestehe deshalb Einigkeit, dass Gespräche zur Evaluation einer an die schweizerischen Anforderungen angepassten Lösung sinnvoll und notwendig seien, so die Mitteilung.

Gemeinsame Lösung für alle Marktteilnehmer

Die gemeinsame Lösung könnte von allen Kundinnen und Kunden verwendet werden und stünde sämtlichen Händlern, Banken, Herausgebern von Zahlkarten sowie weiteren Marktteilnehmern offen. Bestehende Kundenverträge sollen lösungsabhängig überführt werden. Der Investitionsschutz für die Geschäftskunden hinsichtlich Infrastruktur und Systemanpassungen bliebe sichergestellt, schreiben die teilnehmenden Parteien.

Über erste Ergebnisse der Gespräche werden die beteiligten Parteien die Öffentlichkeit spätestens Anfang Mai informieren. In der Zwischenzeit gehen die Entwicklungen der beiden Lösungen unverändert weiter. Angekündigte neue Funktionen von Twint (digitale Stempelkarten, Couponing, Direktanbindung Konto) und Paymit (Bezahlen am Verkaufspunkt, In-App-Payment, Bezahlen im E-Commerce) werden unabhängig vom Fortgang der Gespräche wie geplant eingeführt.

Zittern vor Apple

Mit dem möglichen Schulterschluss wollen sich die grössten Schweizer Finanzinstitute gegen den baldigen Markteintritt von Apple Pay rüsten – statt wie bis anhin sich gegenseitig zu bekämpfen. Bisher versuchten Six und Postfinance nämlich, die Banken für ihre Lösungen zu gewinnen. Die Furcht vor Apple scheint nicht unbegründet. Nicht nur, weil das Schweizer Zielpublikum für Mobile Payment äusserst iPhone-affin zu sein scheint, sondern auch, weil Apple in den USA bereits durchschlagende Erfolge mit Apple Pay feiern und sich gegen die Mitbewerber durchsetzen konnte.

Der Markteintritt von Apple könnte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der US-Konzern hat sich laut Finews.ch im März die Marke Apple Pay beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum schützen lassen. Und in den USA längst Patente angemeldet, welche auch die hiesige Finanzbranche aufhorchen lassen: Beispielsweise der Abruf von Kontoinformationen, um gezielte Werbung auf Mobilgeräten schalten zu können. Ein Hinweis darauf, dass Apple nicht nur ins Personal Finance Management einsteigen will, sondern auch in den Verkauf von Finanzprodukten. Und auch auf Peer-to-Peer-Zahlungen hat Apple ein Patent eingereicht – also genau auf die Dienstleitung, die Paymit und Twint anbieten. (hae)

 

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