Neuenburger Gemeinde boykottiert zwei Lokaljournalistinnen

Weil sich die Exekutive der Neuenburger Gemeinde Val-de-Ruz in Artikeln der Zeitung L'Express/L'Impartial ungerecht behandelt fühlt, boykottiert sie zwei Lokaljournalistinnen. Die Zeitung protestiert und will sich nicht daran halten.

Hintergrund des Streits ist die Einführung von Alkoholtests für die Angestellten der Gemeindeverwaltung. Die Ende Mai angekündigte Massnahme kam bei den Personalverbänden nicht gut an. Derzeit sind die Tests ausgesetzt, weil beide Parteien auf einen Bericht des Neuenburger Datenschützers warten. In den Artikeln und Kommentaren vom 23. und 26. Mai hatte die Zeitung den für das Personal verantwortlichen Gemeinderat Claude-Henri Schaller (FDP) als Urheber der Alkoholtests bezeichnet. Der Beschluss dieser Tests sei jedoch Sache des gesamten Gremiums, wehrt sich die Gemeindeexekutive. Ihr ist es ein Dorn im Auge, dass auf eine Person gespielt wurde. Der Gemeinderat will deshalb Anfragen der beiden Journalistinnen nicht mehr beantworten.

Zeitung gibt nicht nach

Es handelt sich um eine für die Region zuständige Journalistin sowie die stellvertretende Chefredaktorin des Blattes. Sie dürfen auch nicht mehr den Medienanlässen der Gemeinde beiwohnen. Der Gemeinderat wolle damit Medienschaffende wegen einer «Majestätsbeleidigung» zum Schweigen bringen, schrieb Nicolas Willemin, Chefredaktor von L'Express/
L'Impartial, am Mittwoch in einem Kommentar. Die Zeitung werde sich aber nicht an den Boykott halten. Der Gemeinderat könne sich nicht nach eigenem Gutdünken Journalisten aussuchen, mit denen er zusammenarbeiten wolle.

Der Berufsverband Impressum bezeichnete den Boykott als absurd und verurteilte ihn in aller Härte. Die Journalistinnen als «persona non grata» zu betrachten verletze die Pressefreiheit, hielt Impressum in einer Mitteilung vom Mittwoch fest. (SDA)

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