Genfer Justiz pfeift Medien zurück

Die Genfer Justiz hat den Medien im Fall Adeline Einschränkungen auferlegt. Sie ergriff eine superprovisorische Verfügung bezüglich der Publikation von Details über den Tod der jungen Sozialtherapeutin.

Die 34-jährige Frau war Mitte September während eines begleiteten Freigangs mit einem vorbestraften Vergewaltiger getötet worden. Der mutmassliche Täter flüchtete darauf nach Polen, wo er festgenommen wurde. Vergangene Woche wurde der 39-jährige Mann an die Schweiz ausgeliefert. Seither wird er von der Genfer Justiz einvernommen.

Die Familie des Opfers zeigt sich schockiert über die Veröffentlichung von Details zum Tod der jungen Frau. «Diese sehr schmerzhaften Details sind Teil der Privatsphäre des Opfer und folglich auch der Angehörigen», sagte am Donnerstag die Anwältin der Familie, Vesna Stanimirovic, der Nachrichtenagentur SDA.

Bereits in Kraft ist eine superprovisorische Verfügung gegen Ringier, welche die Veröffentlichung von Informationen des mutmasslichen Täters bezüglich des Hergangs des Tötungsdeliktes verbietet, wie Henri Della Casa, Mediensprecher der Justiz, auf Anfrage der SDA sagte. Am Sonntag hatte der Sonntagsblick einen Brief veröffentlicht, wonach der mutmassliche Täter Geld für Informationen zur Tat forderte. Die Zeitung hatte zuvor einen Brief nach Polen geschickt und nach Haftbedingungen und Reuegefühlen gefragt.

Die Anwälte der Opferfamilie richteten auch ein Schreiben an die Mediengruppe Tamedia und forderten diese zur gleichen Zurückhaltung auf. Weiter sollen keine Photos und persönlich Angaben zum Opfer und den Angehörigen publiziert werden. Es gehe darum, die Persönlichkeitsrechte zu wahren, betonte Vesna Stanimirovic. Am Mittwochnachmittag hatte die Internetseite der Zeitung Le Temps in einem Artikel Details zum Tod der jungen Frau veröffentlicht. Die Informationen wurden von der Gratiszeitung 20 Minutes übernommen.

Es gehe nicht darum, den Medien zu verbieten, über die Affäre zu berichten, sondern eine Zurückhaltung bezüglich schmerzhafter und intimen Elemente einzuhalten, so die Anwältin. Sie betont, dass ein grosser Teil der Medien eine Interessenabwägung vorgenommen habe, was die Familie des Opfers anerkenne. (SDA)

(Teaserbild: Keystone)
 

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