Mediapulse will mit der TV-Messung an die Weltspitze

Die Mediapulse Gruppe, die für die Radio- und TV-Forschung zuständig ist, konnte ihr viertes Geschäftsjahr mit einem Gewinn abschliessen. Das neue TV-Messpanel ist auf gutem Weg. Die Messung der Webradionutzung hingegen verzögert sich.

Die Mediapulse Gruppe hat ihr viertes Geschäftsjahr (2011) mit einem Umsatz von 19,4 Millionen Franken abgeschlossen, 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies geht aus den Zahlen hervor, die am Dienstag in Bern präsentiert wurden. Der Mehrertrag war möglich dank Neukunden im TV-Bereich, so etwa Ringier, der seit 2011 das TV-Werbefenster des französischen Senders TF1 vermarktet. Auch der Gewinn konnte um 4 Prozent auf 644'000 Franken gesteigert werden, dies unter anderem dank eines Gewinnanteils von 125'000 Franken aus der 45-Prozent-Beteiligung an der Internetforschung NET-Metrix.  

Fast 10 Millionen Franken für Panelinvestitionen

Der Mediapulse-Gruppe, die per 1. Januar 2013 mit der britischen Firma Kantar Media ein neues TV-Messpanel aufbaut, stehen für Panel-Investitionen (auch in jenes der Radiomessung) gegen 10 Millionen Franken zur Verfügung – dies dank Bundesbeiträgen, die in den ersten drei Betriebsjahren zurück gestellt werden konnten (1,7 Millionen Franken) und solchen, die für 2011 – 2013 zugesichert sind und gemäss Mediapulse-CEO Manuel Dähler teils vorbezogen werden können. Dank diesem Geld kann Mediapulse die Investitionen ins neue Panel ohne Fremdfinanzierung tätigen. Die bisherigen TV-Messgeräte von Telecontrol werden im Gegenzug auf Ende 2012 abgeschrieben.  

Abschreiber wegen PIN-Daten?

Aus dem Geschäftsbericht geht ebenfalls hervor, dass die Kosten für die mehrjährige Evaluation einer neuen Planungs- und Buchungssoftware namens EvoAd mit rund 700'000 Franken zu Buche schlug. In diesem Betrag nicht enthalten ist allerdings der Personalaufwand, der dafür notwendig war. EvoAd hätte ursprünglich die bisherigen Planungs- und Buchungstools ablösen und das Planen mit PIN-Daten ermöglichen sollen, es wurde dann aber – in einer abgespeckten Version – von den Marktteilnehmern (Vermarkter und Mediaagenturen) abgelehnt. Deshalb machten sich die beiden TV-Vermarkter Publisuisse und Goldbach Group an eine Neuevaluation, bei der EvoAd wieder im Rennen ist. Von dessen Ausgang hängt es unter anderem ab, ob und wie viel Mediapulse vom erwähnten Betrag abschreiben muss.  

Webradio: Messung verschoben

Dähler gab ferner eine «schlechte Nachricht» bekannt: Die Messung der Webradionutzung kann nicht wie angekündigt in diesem Sommer starten, sondern muss auf nächstes Jahr verschoben werden. Die Vorbereitungsarbeiten und Tests dauerten länger als vorgesehen, sagte er.  Das neue TV-Panel dagegen scheint auf gutem Weg zu sein. Bereits hat die Kantar Media in der Schweiz eine Niederlassung gegründet und an der Bahnhofstr. 4 in Gümligen Büroräume bezogen. Der Däne Keld Nielsen, Global Business Development Director von Kantar Media, und der Israeli Eitan Kassif, als Regional Director vorläufig auch Chef in der Schweiz (Teaserbild), waren denn auch an der Mediapulse-Pressekonferenz dabei und stellten das Unternehmen kurz vor: Kantar Media ist Teil der WPP Group, eines der weltweit größten Medien- und Kommunikationsunternehmen mit Sitz in London. Kantar ist in rund 40 Ländern in der Medien- und Konsumforschung tätig. Das Schweizer Büro wird rund 30 Personen umfassen, der Geschäftsführer soll demnächst bekannt gegeben werden.  

Mit neuem TV-Panel bei der Weltspitze dabei

Das neue TV-Panel wird derzeit aufgebaut und soll Ende 2012 1870 Haushalte mit dem Messgerät Kantar 500 Series ausrüsten, fast gleich viel wie heute (1918 Haushalte). Die Messung basiert – ähnlich wie bei der Radiomessung – auf dem Prinzip des Audiomatching. Auf diese Art kann nicht nur wie heute die Live-Nutzung gemessen werden, sondern neu auch die zeitversetzte Nutzung – sei es am Fernsehgerät, am PC oder auf einem mobilen Gerät – und zwar bis zu sieben Tage nach der Erstaussstrahlung, wie Isabel Wenger, Leiterin Forschung bei Mediapulse, hervorhob. Das neue Mediapulse-Panel werde damit als eines der ersten Länderpanel weltweit die Web-TV-Nutzung ebenfalls einbeziehen und deshalb «in der Fernsehforschung zur Weltspitze aufrücken». Bei der TV-Messung finde damit ein Paradigmenwechsel statt: «Die Fokussierung auf das TV-Gerät weicht der Fokussierung auf den Inhalt», sagte Wenger.

Markus Knöpfli

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