Grenzenlose Medien

Medien Die Region Basel und das angrenzende Ausland wachsen langsam zusammen. Neue Medienideen sind gefragt.

Medien Die Region Basel und das angrenzende Ausland wachsen langsam zusammen. Neue Medienideen sind gefragt.2001 beerdigte die Basler Zeitung nach zehn Jahren mit der Basler Agenda ein ambitioniertes Experiment. Unter dem Titel 3Land erschien zunächst immer freitags, später donnerstags ein Magazin, das vor allem kulturelle Themen aufgriff und die angrenzenden Regionen in Süddeutschland und im Elsass berücksichtigte. Seither fehlt ein Medienprodukt, das der trinationalen Region am Oberrhein Rechnung trägt.«Mit der Idee waren wir wohl zu früh», sagt heute BaZ-Redaktor Peter Schenk, der von Anfang an mit dabei war und 3Land rückblickend als anspruchsvolles Projekt wertet. Immerhin verfügte es über eine Redaktion von etwa sieben Journalisten mit je einer Aussenstelle in Freiburg im Breisgau und im elsässischen Mulhouse mit respektablem Budget. 3Land lag jeweils der BaZ bei, konnte aber auch separat abonniert werden und fand bei 3000 bis 3500 Leserinnen und Lesern im umliegenden Ausland Beachtung.
Was ging schief? Einerseits fand das Blatt nicht genügend Inserenten, andererseits drifteten die Interessen der Bevölkerung der drei Länder zu stark auseinander. Gesundheitswesen, Steuersystem oder Arbeitslosenversicherung werden hüben wie drüben anders wahrgenommen. Sprachliche Unterschiede, besonders mit dem französischen Nachbarn, scheinen ein echtes Hindernis, ungeachtet dessen, dass täglich gegen 30 000 Franzosen in die Metropole am Rheinknie pendeln. 
«Es gab schon zahlreiche Versuche», sagt auch BaZ-Verlagsleiter Otto K. Walter und spielt dabei auf die wieder eingestellte redaktionelle Zusammenarbeit zwischen der Badischen Zeitung und der BaZ an. Doch Walter ist überzeugt, dass die Grenzen eine immer weniger wichtige Rolle spielen und das Thema der grenzübergreifenden Medien auch kommerziell interessant werden könnte. Denn die Region entwickelt sich weiter. Was zum Beispiel im Kanton Zürich mit dem S-Bahnnetz schon viel früher eingesetzt hat, bekommt auch am Oberrhein mit Bahnanbindungen und der derzeit anlaufenden Verlängerung der Tramlinien nach Lörrach, Weil und ins Elsass ein Gesicht. Die Region wächst wirtschaftlich und gesellschaftlich mehr und mehr zusammen.
Trinationale MedienprojekteFederführend bei Kooperationsbemühungen am Oberrhein ist von Schweizer Seite der Verein Regio Basiliensis, der regelmässig Kongresse organisiert und jenen von 2004 den Medien und der Kommunikation am Oberrhein widmete. Erstmals wurde dabei eine stattliche Reihe von grenzüberschreitenden Medienprojekten, Zusammenarbeits- und Kooperationsmodellen aufgelistet. Unter anderem Journalistenkolloquien, trinationale Medienstammtische, regelmässige Journalistentreffen, die Dreilandzeitung, online Archivaustausch, regelmässige Verleger- und Chefredaktoren-Treffen, Gründung einer Presseagentur Oberrhein, gemeinsame Radio- und Fernsehsendungen bis hin zur Kabelnetz-Verknüpfung und Bereinigung im Bereich der Sendefrequenzen.
Was ist geblieben? Zunächst treffen sich Medienvertreter und Politiker regelmässig am runden Tisch, um medienspezifische Projekte zu diskutieren. Auf Anregung des Ministerpräsidenten von Rheinland Pfalz entstand auch eine Internetzeitung für den Oberrhein. «Die Idee der Zusammenarbeit existiert seit 1963. Es ist ein stetiger Prozess und die grenzüberschreitende Identität wächst», sagt Manuel Friesecke, stellvertretender Geschäftsleiter von Regio Basiliensis. Wo sich die Region entwickelt, wachsen auch die Chancen für die Medienhäuser, die ihre Projekte – so Frieseckes Überzeugung – vermehrt auf die Bevölkerung ausrichten müssen.
An Themen dürfte es nicht fehlen. So erinnert sich zum Beispiel Redaktorin Nicole Bertherin von Radio X an die grenzüberschreitende Lancierung des Themas Cannabisprävention in Zusammenarbeit mit dem Kanton Basel. Ein grösseres Projekt hat Radio X zusammen mit dem Elsässer Alternativsender Dreyeckland in petto. Für ein gemeinsames Sendegefäss unter dem Titel «Rheinkultur» sollen im kommenden Herbst die Weichen definitiv gestellt werden. Man kooperiert auch im Ausbildungsbereich mit den grenznahen Lokalsendern und bemüht sich um Medienpartnerschaften im Rahmen von grenzüberschreitenden Veranstaltungen.
Beim Lokalfernsehen sieht es ähnlich aus. So kooperiert Tele Basel mit Alsatic und TV-Südbaden und bestreitet in Zusammenarbeit das monatliche Magazin «Triregio», das auf Kultur und Lebensalltag am Oberrhein fokussiert. Themenaustausch ist zudem bei aktuellen Ereignissen die Regel, so zum Beispiel anlässlich der jüngsten Ausschreitungen beim Meisterschaftsspiel Zürich- Basel. Vorgesehen ist auch die Verknüpfung der bestehenden Kabelnetze und Einspeisung gemeinsamer Formate der drei Sender. Geplant ist weiter eine Beteiligung eines Schweizer Partners am monatlichen TV-Magazin «Vis à vis», welches FR 3 Alsace und der Südwestfunk (SWR) Freiburg produzieren und mit Alltagsthemen einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung leistet.
Die Fachleute sind sich einig, dass es im Dreieckland einen funktionierenden Werbemarkt gibt, wo neue Printprodukte durchaus denkbar wären. «Es ist ein hart umkämpfter Markt, wo nur eine breit abgestützte Publikation eine Chance hat», sagt Manuel Friesecke. Bei der Basler Zeitung gehen die Pläne in Richtung Crossmedia. «Es gibt dazu viele Überlegungen, die aber noch in der Entwicklungsphase sind», winkt Beat Meyer, CEO der BaZ, ab. Doch die Zeiten am Oberrhein werden besser und besser.
René Worni
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