SF schreitet in die digitale Zukunft

Auf die Frage, wie die Fernsehzukunft aussieht, gibt es eine Antwort: Digital. An einer Medienkonferenz am Mittwoch in Zürich informierte Ingrid Deltenre über die nächsten Schritte des Schweizer Fernsehens (SF).

Auf die Frage, wie die Fernsehzukunft aussieht, gibt es eine Antwort: Digital. An einer Medienkonferenz am Mittwoch in Zürich, informierte Ingrid Deltenre über die nächsten Schritte des Schweizer Fernsehens (SF) und begründete diese mit dem sich verändernden Nutzungsverhalten. Eine „zweite digitale Revolution“ zeichne sich ab, und diesen Zug in der Veränderung des Mediennutzungsverhaltens will SF auf keinen Fall verpassen. Deshalb springt man gleich auf drei Züge auf, die man als Trends ausgemacht hat.
Erstens geht es um die Entwicklungen in Richtung „digitales Heimkino“, um das Spektakel in den Wohnzimmern. Dann um die Frage, ob die Zuschauer zu Hause oder unterwegs fernsehen, also um Mobile-TV. Und als dritten Trend bezeichnet SF die Individualisierung des Angebots, bzw. das Anbieten von Inhalten auf Anfrage mit dem Zauberwort „on demand“.
Wie die Werbewoche bereits berichtete, zügelt SF von der analogen auf die digitale Verbreitung (Technologie: DVB-T) und stellt die analogen Sender bis 2009 kurzerhand ab. Das bedeutet für Haushalte, die ihre Programme nicht über Satellit oder Kabel – also terrestrisch – empfangen, dass sie ab Herbst 2007 eine Set-Top Box kaufen müssen, wenn sie das Progrmam überhaupt empfangen wollen. Das Empfangsgerät kostet zwischen 100 und 150 Franken, betroffen sind derzeit rund 150’000 Haushaltungen. Bereits haben mehrere Sender den DVB-T-Betrieb aufgenommen, darunter auch Üetliberg und Säntis. Die neue Technologie hat den Vorteil der besseren Empfangsqualität, der Empfangbarkeit auf mobilen Geräten und der Reduktion von Elektrosmog. Daneben sendet SF zwei seit dem 22. Mai neu über Satellit in DVD-Qualität, ab 2007 wird SF 1 folgen. In den nächsten Jahren soll zudem schrittweise digitaler dreidimensionaler Dolby Digital Sound 5.1 eingeführt werden. So soll dem echten Kinoerlebnis zuhause nichts mehr in Wege stehen. Dazu kommt die Umstellung des Formats auf das Breitbildformat 16:9, die 2008 abgeschlossen sein wird. Ungeachtet der Tatsache, dass erst etwas über 40 Prozent der Deutschschweizer Haushalte entsprechende Geräte in ihren Stuben haben, setzt SF auf 16:9 als eine der wichtigen Voraussetzungen für die „Qualitätsrevolution“ HDTV. Ab 2008 sind denn auch erste Testausstrahlungen in HDTV geplant, 2010 sollen erste Programme in den Regelbetrieb gehen. HDTV bringt ein schärferes Bild, brillantere Farben, Detailreichtum und mehr Plastizität. Ungeniert gibt SF zu, dass eben auch die Zuschauer Neuanschaffungen tätigen müssten, um die bessere Bild- und Tonqualität empfangen zu können.
Für die Zuschauer, die Inhalte unterwegs empfangen wollen, plant SF als Pilotprojekt eine handyfähige „Tagesschau“ für UMTS-fähige Handys. Das Publikum wünsche zunehmend auch mobile Inhalte, heisst es im Communiqué. Die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer für Mobile-TV betrage zwischen 10 und 20 Minuten, in Tests hat SF zudem erhoben, dass News als Inhalte besonders interessant sind. Das Schweizer Fernsehen sieht sich laut Deltenre für die mobile TV-Zukunft gerüstet.
Obwohl nur eine Minderheit der Zuschauer die Programme bereits „on demand“ sehen wollen, sieht SF hier den dritten Trend, den der orts- und zeitunabhängigen Nutzung von Inhalten. Deshalb werde das Internetangebot konsequent ausgebaut und eine konsequente „Added Value“-Strategie verfolgt. Ab 2006 nimmt SF mit der Multimedia Homeplattform (MHP) und einem neu gestalteten Teletext weitere Zusatzdienste in Betrieb. Auch sie verfolgen mit zusätzlichen Hintergrundinformationen zum Programm, einen elektronischen Programmguide und der Möglichkeit der interaktiven Programmnutzung klar die Mehrwertstrategie. Und – last but not least – soll trotz der Kritik von Verlegerseite auch das Internet-Angebot ausgebait werden. Sendungen, die von rechtswegen nicht kritisch sind, sollen möglichst rasch nach der Erstausstrahlung in publikumsgerechter Übertragungsqualität zum Abruf bereit gestellt werden.
Vor dem Hintergrund der „zweiten digitalen Revolution“ müsse auch der gesellschaftliche Auftrag des SF neu interpretiert werden. Bis im Herbst soll in der Diskussion mit 40 Meinungsführern aus unterschiedlichen Bereichen ein neues Manifest und Unternehmensleitbild entstehen und publiziert werden.Kathrin Fischer
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