«Brand Wall Street ist fast wie ein Orden»

HandelsZeitung-Verleger Ralph Büchi über seine Hoffnungen für das Label WSJ – und wo sich das Blatt künftig positioniert.

Was sich HandelsZeitung-Verleger Ralph Büchi vom Label WSJ erhofft – und wo sich das Blatt künftig positioniert.
WW: Der
HandelsZeitung geht es recht gut, und der letzte Relaunch liegt keine
drei Jahre zurück – weshalb machen Sie nun ein Neukonzept?

Ralph Büchi: Es stimmt:
Unsere Reichweite ist stabil, und im Werbemarkt gehören wir zu den
Marktanteilsgewinnern. Gerade deshalb ist der Zeitpunkt für ein
Neukonzept, das wir schon lange planten, jetzt günstig. Denn derart
umfassende Änderungen lassen sich besser aus einer Position der Stärke
umsetzen.

WW: Ein zentraler Punkt beim Neukonzept spielt die Kooperation mit dem Wall Street Journal (WSJ). Wie funktioniert diese?

Ralph Büchi:Das
WSJ ging mit uns und andern europäischen Zeitungen Partnerschaften ein
– pro Land je exklusive Partnerschaften. Wir liefern täglich bis zu
drei Artikel in englischer Sprache an wsj.com. Umgekehrt publizieren
wir WSJ-Artikel auf unserer Website. Seit dem 3. Mai übersetzen wir nun
zusätzliche WSJ-Artikel, passen sie an und drucken sie wöchentlich auf
zwei klar gekennzeichneten Seiten ab.

WW: Was kostet diese Zusammenarbeit?

Ralph Büchi: Was die gegenseitigen Abgeltungsmodalitäten anbelangt, wurde Stillschweigen vereinbart.

WW: Es ist sehr ungewöhnlich, dass eine Zeitung dem Logo eines publizistischen Partners Platz im Zeitungskopf einräumt.

Ralph Büchi: Das
WSJ spielt für uns eben eine sehr wichtige Rolle – imagemässig und
inhaltlich. Wir kommen so zu erstklassigen internationalen News, die es
uns ermöglichen, globale Trends früher zu erkennen. Der Brand WSJ hat
aber auch eine wichtige Symbolkraft, er steht für Finanzkompetenz.
Davon können wir nun etwas auf die 145-jährige HandelsZeitung
übertragen. Dass wir zudem im Hause Dow Jones ein wichtiger Schweizer
Korrespondent sind, nützt unserem Ruf ebenfalls. Wir tragen deshalb den
Brand Wall Street Journal beinahe wie einen Orden.

WW: Die HandelsZeitung nennt sich nun «Schweizer Wochenzeitung für Unternehmen und Finanz». Ist das der Abschied von den KMU?

Ralph Büchi: Wir
sahen uns nie als KMU-Blatt, sondern immer als Zeitung für Entscheider
– egal, ob diese bei KMU oder bei Grossunternehmen tätig sind. Die
Struktur unserer Leserschaft beweist dies, sie spiegelt die Struktur
der Schweizer Wirtschaft recht genau wider. Den Finanzbereich bauen wir
aus, weil wir bei
unsern Lesern ein starkes Bedürfnis nach vertieften Informationen im Bereich Geldanlage und Finanzmärkte feststellten.

WW: Die HZ rückt nun aber näher zur Finanz und Wirtschaft (FuW).

Ralph Büchi: Nein.
Ich würde sagen, dass die HZ ihrer Linie absolut treu bleibt. Wir
machen einen qualitativen Schritt, um mit der zunehmenden Komplexität
Schritt halten zu können. Das wirtschaftliche Geschehen werden wir aber
weiterhin in der ganzen Breite behandeln, also immer auch die Strategie
oder das Marketing eines Unternehmens beleuchten und nie
ausschliesslich die Aktionärsoptik einnehmen.

Markus Knöpfli

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