Als die Zürcher frech geworden…

Regional-TV TeleBasel trennt sich Ende Jahr von der Tamedia-eigenen Werbezeitenverkäuferin Medag.

Regional-TV TeleBasel trennt sich Ende Jahr von der Tamedia-eigenen Werbezeitenverkäuferin Medag.Letzte Woche sickerte es durch: TeleBasel löst den dreijährigen Exklusivvertrag mit der zur Tamedia gehörenden Werbezeitenverkäuferin Medag vorzeitig auf und will ab 1. Januar 2004 eine eigene Akquisitionsabteilung mit zwei Mitarbeitern starten. Begründet wird der Entscheid primär mit dem Wunsch nach mehr Nähe zum Markt und grösserer Unabhängigkeit. Zu oft sei das eigenständige TeleBasel imagemässig mit Medienkonzernen in Verbindung gebracht worden – früher mit der Basler Zeitung Medien, heute mit der Tamedia, sagt TeleBasel-Geschäftsführerin Pia Bossert.Doch es gibt weitere Gründe. Weil es bei der Medag zu personellen Wechseln komme und Medag-Chef Hans-Ruedi Ledermann «Mitte nächsten Jahres vielleicht schon nicht mehr dort ist», habe man die Gelegenheit zur Selbstständigkeit ergriffen, fügt Bossert an. Sie bestätigt ferner Gerüchte, wonach Tamedia über Ledermann Druck auf TeleBasel ausgeübt habe. Etwa im Rahmen des TeleNewsCombi (TNC), das ab Januar neu den Trendpool anbieten will. Dazu sollten alle TNC-Mitglieder die TeleZüri-Sendungen «Swissdate» und «Lifestyle» ausstrahlen, um eine sprachregionale Werbeplattform mit identischer Zielgruppe schaffen zu können. «Wir wollen aber kein Zürcher Programm. Unser Konzept sieht Sendungen mit regionalem Bezug vor», sagt Bossert.
Deshalb werde TeleBasel statt Lifestyle die eigene Sendung «Pur» mit
ähnlicher Zielgruppe ausstrahlen. Und Swissdate werde man nicht in der Primetime platzieren.
50 Prozent unter Budget
Der wichtigste Grund für die Trennung aber ist finanzieller Art: «Seit mehr als einem halben Jahr erbringt die Medag den gemeinsam geplanten Umsatz nicht mehr. Sie liegt 50 Prozent unter Budget», spricht Uni-Professor Heinrich Löffler Klartext. Löffler ist Präsident des Ausschusses der Stiftung Kabelnetz, der Trägerin von TeleBasel (siehe Kasten). Damit ist Löffler so etwas wie der Verwaltungsratspräsident des Senders. Bei TeleBasel sei man überzeugt, ohne Medag mehr Werbeeinnahmen generieren zu können, sagt er. Daraus spricht der uralte Argwohn, die Medag, die auch Radio Basilisk vermarktet, setze sich nur halbherzig für TeleBasel ein.
Bei der Medag wollte man zu all dem keine Stellung nehmen. Andreas Meili, bei Tamedia Leiter elektronische Medien, gibt jedoch zu, dass der vereinbarte Umsatz nicht erbracht wurde. «Wir hatten klare Vorstellungen, wie die Ziele zu erreichen wären», sagt er. So habe man TeleBasel vorgeschlagen, in seinem Programm mit zielgruppenspezifischen Sendungen ein werbeattraktiveres Umfeld zu schaffen. Weil Tele Basel dies aber abgelehnt habe, sei man seitens Medag zum Schluss gekommen, dass sich der Werbeverkauf für den Sender so nicht lohne. Meili: «Die Medag will sich künftig auf den wirtschaftlich viel interessanteren Verkauf der Werbung für Radio Basilisk konzentrieren.» Den Vorwurf, Tamedia habe über Ledermann Druck auf den Sender ausgeübt, wollte Meili nicht kommentieren. Und auf die Frage, ob Ledermann tatsächlich die Medag verlassen werde, antwortete er kurz und bündig: «Das ist falsch.»
Spezialfall TeleBaselTeleBasel hat als einziges Regional-TV den Status eines
öffentlich-rechtlichen Senders: Trägerin ist die staatlich initiierte Stiftung Kabelnetz, Besitzerin des lokalen Kabelnetzes. Diese verpflichtete die Kabelnetzbetreiberin Balcab (heute Teil der Cablecom) 1998 dazu, TeleBasel während 30 Jahren jährlich einen indexierten Betrag von
1,5 Millionen Franken zu bezahlen. Zusätzlich muss die Balcab bis 2010 ratenweise 5,8 Millionen Franken abstottern, davon vier Millionen Franken als Abzahlung einer früheren Schuld.Dieses Jahr kommt TeleBasel
gemäss Pia Bossert auf einen Gesamtumsatz von 3,7 bis vier Millionen Franken, die Werbeeinnahmen dürften etwa 700000 Franken erreichen (2002: 770000 Franken). Dazu kommen selbst akquirierte Sponsoringerträge von gut 300000 Franken. Das Sendegebiet von TeleBasel umfasst 450000 Personen in über 200000 Haushaltungen.
Die durchschnittliche Tagesreichweite beträgt etwa 100000 Zuschauer. (mk)
Heinrich Löffler,Präsident Balcab
Markus Knöpfli

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