Fünfer und Weggli für Schweizer Privat-TVs

Gebührensplitting Urs Rohner, Chef von ProSieben/Sat 1 Media, legte sich an den Bieler Kommunikationstagen für die Schweizer Privat-TVs ins Zeug. Um zu überleben, benötigen diese Gebührengelder und eine SRG, die wie die BBC ohne Werbung auskommt, sagte er.

Gebührensplitting Urs Rohner, Chef von ProSieben/Sat 1 Media, legte sich an den Bieler Kommunikationstagen für die Schweizer Privat-TVs ins Zeug. Um zu überleben, benötigen diese Gebührengelder und eine SRG, die wie die BBC ohne Werbung auskommt, sagte er.Wenn sich der Chef eines deutschen TV-Konzerns mit den Schweizer Privat-TVs befasst, ist dies schon speziell. Wenn er darüber hinaus für sie eine Lanze bricht, dann ist es gerade- zu aussergewöhnlich. So geschehen letzte Woche in Biel, an den vom Bundesamt für Kommunikation zum zweiten Mal durchgeführten Bieler Kommunikationstagen. In seinem Referat zum Thema «Wie wird der Service public interpretiert» kritisierte Rohner, Vorstandsvorsitzender der ProSieben/ Sat 1 Media, zunächst die SRG und ihr Verständnis von Service public. Indem etwa SF-DRS-Direktor Peter Schellenberg den Service public sehr offen als «Grundversorgung für alle in ganzer Breite» interpretiere, habe sich die SRG nicht nur vom früheren «Bildungsfernsehen» verabschiedet, sondern auch vom ursprünglichen geografischen Verständnis. Dieses habe lediglich ein für alle Sprachregionen gleichwertiges Programmangebot gefordert.
«Der weite Service-public-Begriff der SRG verhindert heute in der Schweiz eine grössere Medienvielfalt im audiovisuellen Bereich», kritisierte Rohner. Seine Folgerung: «Die SRG sollte sich auf Information, Beratung, Bildung und Kultur und – wie die britische BBC – auf eine reine Gebührenfinanzierung beschränken.»
Kein Wort davon, dass die Privaten im Umkehrschluss auf Gebührenanteile verzichten sollten. Im Gegenteil: Information, so der Medienjurist, sei eine Service-public-Aufgabe par excellence. Dem habe – so gesehen – auch die Übertragung der Fussball-WM 2002 auf Sat 1 Schweiz entsprochen. «Wer Informationsleistungen erbringt, sollte Gebühren erhalten.»
Die Fünfer-und-das-Weggli-Forderung begründete Rohner mit der Kleinräumigkeit der Schweiz – und mit den Erfahrungen der deutschen Regionalsender, dort Ballungsraum-TV genannt. «Es gibt in Deutschland kein wirtschaftlich erfolgreiches Ballungsraum-TV», sagte er. Die Gründe: Trotz Reichweiten von bis zu zehn Prozent oder einer Million Zuschauern würden nationale Werbekunden auf die Sender verzichten, weil sie dieselbe Leistung bei einem der 32 landesweit ausstrahlenden deutschen Sender garantiert günstiger erhalten. Umgekehrt seien die Tarife für lokale Gewerbetreibende zu hoch. Rohner: «Die Kosten für regionales TV sind allein durch Werbeeinnahmen nicht zu decken.» Dass Tele Züri immerhin ein Jahr lang schwarze Zahlen schrieb, mochte Rohner im Gespräch mit der Werbewoche nicht als Gegenbeispiel für andere Dimensionen im Schweizer Markt gelten lassen. Tele Züri unter Schawinski sei nicht repräsentativ, es sei damals – durchaus zu Recht – massiv von der Industrie gepusht worden, sagte er.
Trotz der geringen Chance auf wirtschaftlichen Erfolg sollte die Schweiz aber gemäss Rohner nicht auf Regional-TVs verzichten. Zwar sagte er nicht, wie viele lokale Sender in der Schweiz Platz hätten, seiner Meinung nach aber bestehe hier zu Lande ein klares Bedürfnis nach Lokalinformationen, umso mehr, als die SRG kaum solche biete. Eine erstaunliche Schlussfolgerung, hatte doch Rohner zuvor recht eindrück- lich aufgezeigt, wie wenig gefragt seinerzeit die eigens für die Schweiz produzierten News des RTL/Pro-7-Programmfensters waren. Selbst die deutschen Nachrichten auf demselben Sender hätten mehr Schweizer Zuschauer ausgewiesen. «Als ich damals diese Zahlen sah, war mir sofort klar, dass wir das Programmfenster einstellen müssen», sagte er.
Soll nicht allein ein SRG-Monopol bleiben: Service Public im TV-Bereich.

Markus Knöpfli

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