Dieses Vakuum ist nicht leicht zu füllen

TV-Vermarkter Viel Aufmerksamkeit erntet Noch-Publisuisse-Chefin Ingrid Deltenre in ihrer Rolle als künftige TV-Direktorin. Doch kommt die Rede auf ihre Nachfolge bei der SRG-Vermarkterin, runzeln Branchenvertreter die Stirn.

TV-Vermarkter Viel Aufmerksamkeit erntet Noch-Publisuisse-Chefin Ingrid Deltenre in ihrer Rolle als künftige TV-Direktorin. Doch kommt die Rede auf ihre Nachfolge bei der SRG-Vermarkterin, runzeln Branchenvertreter die Stirn.Die Meinungen zur Tauglichkeit von Ingrid Deltenre als neue Fernsehchefin tönen in einer Einmütigkeit erwartungsfroh, wie man sie in der Branche sonst nur selten hört. Die designierte SF DRS-Direktorin habe frischen Wind in die verstaubte Publisuisse gebracht. Nun erwarte man von ihr eine ähnliche Wirkung auf SF DRS. «Dem Schweizer Fernsehen, das halt immer noch ein halber Staatsbetrieb ist, wird der Geist von Deltenre gut tun», ist Karin Steiner (Drei Media Team AG) überzeugt. Die neue Chefin am Leutschenbach sei ein Führungstalent und verstehe die Leute zu motivieren. «Und sie hat Ausdauer und kniet sich in die Aufgaben rein, bis sie Lösungen hat», doppelt Peter Döbeli (Konnex AG) nach. Hoch rechnet er ihr vor allem auch an, dass sie «das Monopol- und Machtgehabe» – Reste der vormaligen AG für das Werbefernsehen – definitiv ausgeräumt habe.
Vakuum bei Publisuisse?Doch neben der Vorfreude auf einen positiven Schub bei SF DRS lassen sich zugleich besorgte Stimmen zur Nachfolgeregelung bei Publisuisse vernehmen. «Deltenre hinterlässt ein Vakuum – ihre offene Art, an Fragestellungen und Bedürfnisse heranzugehen, wird uns fehlen», sagt Karin Steiner. Diese Offenheit gegenüber Marktpartnern sei etwas vom Wichtigsten, das auch von der neuen Leitung erwartet werde.
Nun muss die Nachfolge rasch geregelt werden. Zwar ist Peter Schellenberg noch bis zum 31. Dezember 2003 TV-Direktor. Doch Deltenre wird bereits im Herbst zu SF DRS wechseln – und ab dann für die Publisuisse nur noch mit halber Kraft verfügbar sein.
Stabsübergabe im November?Allerdings steht man bei der Nachfolgeregelung ganz am Anfang. Nicht mal Prognosen darüber, ob eine externe oder interne Lösung bevorzugt werde, sind bei Publisuisse erhältlich. In den nächsten Tagen oder Wochen werde der Verwaltungsrat zusammentreten und das Verfahren für die Wahl festlegen. «Bis ein Kandidat gefunden ist, dauert es in der Regel drei oder vier Monate», erklärt Deltenre. Rechnet man die Kündigungsfrist des oder der Auserwählten hinzu, könnte die Stabsübergabe somit frühestens im Oktober oder November erfolgen.
Eines ist aber schon jetzt gewiss: Ingrid Deltenre wird der Publisuisse erhalten bleiben. Denn gemäss Usanzen der SRG sind die drei TV-Direktoren von SF DRS, TSR und TSI alle auch Mitglieder des Publisuisse-Verwaltungsrats (VR). Peter Schellenberg ist seit Sommer 2001 sogar dessen Präsident. Zuständig für die Wahl des VR ist der Aktionär der Publisuisse, also die SRG SSR idée suisse.
Die Vorstellung, nun auch noch den Präsidentenjob von Schellenberg zu übernehmen, behagt Deltenre hingegen nicht besonders. Damit würde sie zur direkten Vorgesetzten der neuen Publisuisse-Geschäftsleitung aufrücken. Was eine seltsame Konstellation ergäbe, wie auch Deltenre selber einräumt. «Das wäre sicher nicht optimal. Denn der oder die Neue wird gewisse Dinge anders tun wollen als ich, und das muss ja auch möglich sein.» Überhaupt stelle sich die Frage, welche Rolle sie dereinst im VR der Publisuisse spielen werde, nicht dringend. Die Amtszeit von Schellenberg als VR-Präsident gehe erst im Juni 2004 zu Ende. Mit grösster Wahrscheinlichkeit werde er auch bis dahin im Amt bleiben.
Wird ab Herbst nur noch teilzeitlich die Geschicke von Publisuisse leiten können: die frisch gewählte TV-Direktorin Ingrid Deltenre.

Im Publisuisse-VR bis 2004: Peter Schellenberg.
Die Publisuisse-Crew wartet noch abWenn die Chefin geht, stellen sich in der Regel auch andere Mitarbeitende die Frage nach ihrer eigenen Zukunft unter den zu erwartenden neuen Bedingungen. Wie präsentiert sich die diesbezügliche Stimmung im
Publisuisse-Team, nachdem die Tage mit der beliebten Chefin gezählt sind? «Ich habe bisher keinerlei Verunsicherung unter den Mitarbeitenden
gespürt», sagt Publisuisse-Kommunikationschef Markus Hollenstein. «Man wartet ab, auf welcher Linie der oder die Neue sein wird, und welche Stimmung diese Person mitbringen wird. Erst dann wird man eventuelle Konsequenzen überlegen.» Und Hollenstein selber, der die Publisuisse-Kommunikation ausgebaut und auf neue Beine gestellt hat: Bleibt er oder macht er sich für den Sprung bereit? «Wenn die Chemie stimmt, dann wird die Arbeit auch mit der neuen Person Spass machen.» (dse)
Daniel Schifferle

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