Radios haben sich fast erholt

Radiocontrol Die Schweizer hörten im zweiten Halbjahr 2002 wieder mehr Radio, vor allem SRG-Sender. Diese gewannen fast überall Marktanteile, primär auf Kosten der Privaten. Aber auch ausländische Radios verloren Hörer.

Radiocontrol Die Schweizer hörten im zweiten Halbjahr 2002 wieder mehr Radio, vor allem SRG-Sender. Diese gewannen fast überall Marktanteile, primär auf Kosten der Privaten. Aber auch ausländische Radios verloren Hörer.Das Bild sieht in allen Sprachregionen ähnlich aus: Die SRG-Radiosender konnten ihre Marktanteile im zweiten Semester 2002 halten oder sogar zulegen, während die Privaten stagnierten oder verloren. Auch die Marktanteile der ausländischen Sender gingen überall weiter zurück, am kräftigsten im Tessin (–1 Prozent).Erstmals ist es möglich, zwei ganze Radiocontrol-Jahre zu vergleichen. Zwei Dinge gilt es dabei in den Vordergrund zu rücken: Es gibt Sender, die in der Hörergunst saisonalen Schwankungen ausgesetzt sind, also jeweils im ersten Halbjahr besser abschneiden als im zweiten – oder umgekehrt. Doch es sind nur wenige. Eindeutig ist hingegen, dass 2001 das bessere Radiojahr war. So ging im vergangenen Jahr die gesamte Radionutzung zurück, allerdings nicht ganz so stark, wie dies noch das erste Semester 2002 vermuten liess.
Über das ganze 2002 hinweg gesehen lag die Hördauer in der Deutschschweiz bei 121, in der Romandie bei 115 und im Tessin bei 120 Minuten pro Tag. Im Jahr 2001 hatten die Deutschschweizer noch vier Minuten länger Radio gehört, bei den Romands waren es noch drei Minuten mehr – die Tessiner hingegen blieben ihren Gewohnheiten treu. Das bekamen auch die meisten Sender zu spüren. Nur wenige schnitten bezüglich Reichweite 2002 besser ab als im Vorjahr – es sind dies Central, BE1, Fribourg, RSR3, NRJ, One FM, RTN 2001, RSI1, Fiume Ticino und Studio Star.
Vorsprung für Radio DRS In der Deutschschweiz ging im ganzen abgelaufenen Jahr die Schere zwischen Privaten und DRS-Sendern weiter auf. Für die Privaten fällt vor allem der Reichweitenverlust von –7,5 Prozent über das ganze Jahr ins Gewicht. Demgegenüber halten sich die Verluste aller DRS-Sender insgesamt im Rahmen, obwohl natürlich die Taucher von DRS 2 und MW 531 in der ersten Hälfte 2002 nach wie vor zu denken geben (–37,9 Prozent und –28,6 Prozent). Beide haben sich im zweiten Semester nicht wirklich erholt. Auch Virus macht keine gute Figur, der kränkelnde Jugendsender hat weiter an Terrain verloren.
Unter den privaten Radioveranstaltern der Deutschschweiz haben sich die Verluste vom ersten Halbjahr 2002 im zweiten Semester vielerorts akzentuiert. Besonders deutlich sichtbar ist dies in Zürich. Sowohl Radio 24 als auch Hitradio Z hatten ihren Zenit im zweiten Halbjahr 2001 erreicht, das von der Nachrichtenlage her besonders «gut» ausgefallen war. Dann aber setzten beide einen Relaunch durch, und seither gehören sie zu den grössten Verlierern. Heute weist Hitradio Z 43200 Hörer weniger aus als noch vor einem Jahr (–17,2 Prozent). Auch Radio 24 erging es mit einem Minus von insgesamt 41700 Hörern (–14,1 Prozent) nicht viel besser. Der Vorsprung von Radio 24 auf den Konkurrenten Z beträgt nun 45400 Hörer, der Marktanteil von 24 ist jedoch um 0,8 Prozent höher.
Schmerzliche Verluste gab es im zweiten Semester 2002 auch bei Eviva (–9800 Hörer oder –10,2 Prozent), bei Radio 7 (–10,3 Prozent), beim Kabelsender 32 Goldies (–14,3 Prozent) und bei Tropic (–11,8 Prozent). Der absolute Reichweitengewinner heisst hingegen Central: Ganze 12800 Hörer (+11,9 Prozent) konnte der Innerschweizer Sender im zweiten Halbjahr 2002 zulegen und weist nun mit 120700 Hörern seinen bisherigen Radiocontrol-Spitzenwert aus. Der gleichzeitige Verlust bei der Hördauer (–13 Minuten) muss allerdings als Wermutstropfen hingenommen werden.
Prozentual am besten schnitt der Newcomer Toxic.fm (St.Gallen) ab, der auf viel tieferem Niveau ein Plus von 18,1 Prozent verzeichnete und auch sechs Minuten länger gehört wird. Gut abgeschnitten haben auch Beo (+11,3 Prozent) und die Ostschweizer Radios: Bei Aktuell hat wohl der Relaunch einen Zuwachs von 12,1 Prozent bewirkt, doch auch Konkurrent Top legte auf höherem Niveau wieder um 6,5 Prozent zu, und selbst das kleine Radio L fand 1700 weitere Hörer – wohl im Gebiet von Ri, das wiederum 2100 Hörer verlor.
City-Pool mit SchlagseiteBetrachtet man die Verluste aus dem Blickwinkel der verschiedenen Radiopools, so steht vor allem das Modul Bern des Pool 2000 gestärkt da, der City-Pool dagegen hat das Nachsehen, während der One-Pool mit einem blauen Auge davonkommt. Bei Letzterem gelingt es Central und Top, die Reichweitenverluste von Hitradio Z, Argovia, Radio 32, Ri und Grischa/Piz zu kompensieren.
Im City-Pool dagegen gibt es niemanden, der das Zürcher Loch stopfen kann, der Gewinn von Basilisk vermag nur gerade die Verluste von Pilatus und Zürisee wettzumachen. Zudem erhält der City-Pool in Bern immer mehr Schlagseite. Zwar hat dort ExtraBern zugelegt, aber weniger als BE1, zudem ist das Modul Bern des Pool 2000 im Oberland deutlich erstarkt. In Basel dagegen tritt das Modul Basel des Pool 2000 an Ort: Regenbogen verliert Hörer, Edelweiss gewinnt bloss die Hälfte davon. So kommt es, dass beide zusammen den Konkurrenten Basilisk nur knapp zu übertrumpfen vermögen.
Der Kabelsender Radio 105 kommt seit Einführung von Radiocontrol nicht auf Touren. Im Gegenteil, bezüglich Reichweite und Marktanteil hat er einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Das noch schlechtere Abschneiden von Konkurrent Virus vermag nicht über die eigenen Probleme hinwegzutäuschen.
Trotz Verlusten unverzichtbarIn der Westschweiz zeigt sich die Situation wesentlich ausgeglichener. So bleibt dort die Rangliste der Privatradios praktisch intakt, dennoch gibt es drei grosse Reichweitenverlierer: Nostalgie musste 4,9 Prozent abgeben, wodurch er erstmals unter die 100000er-Grenze fällt und erstmals schwächer dasteht als RSR 2. Auch One FM und Lausanne FM verlieren 5,8 Prozent beziehungsweise 3,7 Prozent ihrer Hörerinnen und Hörer. Für die beiden Fontana-Radios (One FM und Lausanne FM) ist dieser Verlust besonders ärgerlich, sind sie doch erst gerade aus allen Westschweizer Pools geflogen. In dieser Situation hätten sie gegenüber den Werbeauftraggebern wohl gerne gute Zahlen präsentiert. Schaden dürften die Verluste ihnen aber dennoch nicht zufügen, denn in den wichtigsten Agglomerationen der Romandie bleiben sie für die Mediaplaner weiterhin unverzichtbar.
Zu den Gewinnern gehören in der Westschweiz Sender mit eher kleinen Reichweiten, so zum Beispiel WRG (+23,6 Prozent), Thollon (+17,3 Prozent) und RTN 2001 (+7,1 Prozent). Und Fribourg, das im letzten Jahr finanziell zu kämpfen hatte, scheint sich einigermassen erholt zu haben.
Die Westschweizer SRG-Sender hingegen haben alle im zweiten Semester an Reichweite eingebüsst, allen voran RSR 3, aber auch RSR 1. Das führt auch zu einem leichten Marktanteilsverlust des Westschweizer Radios.
Anders im Tessin: Mit Ausnahme von RSI 2 konnten alle RSI-Sender an Reichweite und Marktanteilen zulegen. Bei den Privaten setzte sich zudem der ausländische Sender RTO, der zum ersten Mal gemessen wurde, mit einer Reichweite von 23400 Hörern gleich an die Spitze. Das sind nur 4400 Hörer weniger als RSI 2, doch wird das SRG-Radio immerhin doppelt so lange gehört wie RTO.
RadiocontrolSie sieht aus wie eine normale Uhr. Im Innern von Radiocontrol – einer digitalen Messuhr für die Analyse des Radiomarktes Schweiz – verbirgt sich aber eine geballte Ladung Hightech: Ein Mikrofon nimmt Umgebungsgeräusche wahr, ein Chip speichert die Daten digital. Und dank eines Bewegungsmelders und Temperaturfühlers sind Manipulationen fast unmöglich.
Die Radiocontrol-Uhr ist seit 2001 im Einsatz. 2002 wurden
804 Uhren pro Tag getragen. (mk)
Radios deutsche Schweiz (1. Semester + 2. Semester 2002), Nettoreichweite in 1000 Hörerinnen und Hörern und Marktanteil in % in der Deutschschweiz, Mo–So, 24 h, Personen 15+
Total Radio 3883.8 100 3896.0 100

Radiogruppen
Total SRG 2879.4 62.8 2912.3 64.5
Private CH 2296.8 27.9 2313.6 26.4
Ausland 1765.2 9.3 1803.2 9.1
SRG
Total DRS 2669.6 59.0 2714.1 60.8
DRS 1 1951.2 40.9 1982.3 42.1
DRS 2 379.7 4.2 396.8 4.3
DRS 3 876.3 10.6 914.0 11.2
MW 531 292.2 3.2 293.1 3.1
Virus 28.1 0.1 27.9 0.1
1 Radio 24 261.0 3.1 253.1 3.0

2 Hitradio Z 221.4 2.6 207.7 2.2
3 Top 178.2 1.5 189.8 1.5
4 Argovia 172.9 1.9 169.1 2.0
5 Zürisee 158.2 1.6 157.7 1.6
6 Grischa/Piz 156.1 1.4 153.4 1.2
7 Pilatus 140.7 1.8 138.1 1.5
8 (9) Basilisk 128.8 1.5 132.6 1.5
9 (8) Radio 32 133.0 1.6 131.9 1.6
10 (11) Central 107.9 1.3 120.7 1.1
11 (10) Sunshine 116.2 1.2 117.2 1.2
12 Eviva 96.2 1.1 86.4 1.0
13 BE1 81.0 0.9 86.3 0.9
14 Extra BE 80.5 0.7 85.0 0.6
15 (16) BeO 72.3 0.8 80.5 0.9
16 (15) Regenbogen (D) 78.4 0.6 74.8 0.5
17 (20) Edelweiss 69.4 0.5 71.2 0.6
18 (19) Aktuell 63.4 0.6 71.1 0.7
19 (18) Rottu 68.6 0.7 71.1 0.6
20 (21) Canal 3 (netto) 66.1 0.4 71.1 0.3
21 (17) Radio 7 (D) 70.8 0.5 63.5 0.4
22 Freiburg (netto) 59.7 0.2 61.0 0.2
23 Radio 105 58.5 0.5 57.1 0.4
24 Ri 54.1 0.4 52.0 0.3
25 Emme 48.1 0.3 49.4 0.3
26 Radio L (FL) 34.9 0.2 38.2 0.1
27 (28) Antenne Vorarlberg 28.9 0.1 33.5 0.1
29 Toxic.FM 27.0 0.1 31.9 0.1
30 3fach* 28.2 0.1
31 (27) Tropic 30.5 0.1 26.9 0.1
32 (30) 32 Goldies 26.6 0.1 22.8 0.1
In Klammern: Position im 2. Semester 01. Radio Munot fehlt. Weil der Sender Programmteile von SR DRS übernimmt, können aus methodischen Gründen ausserhalb des Empfangsgebietes Munot noch keine Zahlen dieses Radios publiziert werden. * erstmals erhoben Quelle Publica Data
Radios Romandie (1. Semester + 2. Semester 2002)
Nettoreichweite in 1000 Hörerinnen und Hörern und Marktanteil in % in der Romandie, Mo–So, 24 h, Personen 15+
Total Radio 1245.1 100 1241.9 100

Radiogruppen
Total RSR 889.1 61.7 884.8 61.7
Private CH 706.6 23.0 717.2 23.1
Ausland 649.8 15.3 636.2 15.2
SRG SSR
Total RSR 771.7 54.9 760.8 54.3
RSR 1 543.0 36.9 536.6 37.5
RSR 2 99.9 4.0 99.1 3.7
RSR 3 149.6 5.3 142.6 4.6
Option Musique 196.9 8.6 194.7 8.6
1 Nostalgie (F) 103.7 3.1 98.6 3.0

2 Lausanne FM 90.2 2.9 86.9 2.8
3 Framboise 79.9 2.5 80.6 2.4
4 NRJ (F) 73.9 1.8 75.3 2.0
5 One FM 72.2 2.4 68.0 2.4
6 RTN 2001*** 63.4 2.1 67.9 2.2
7 Rhône 63.2 2.4 62.8 2.3
8 Lac 56.9 1.5 59.4 1.6
9 (10) Fribourg (netto) 56.0 1.6 57.0 1.6
10 (9) Fréquence Jura 56.3 2.2 56.3 2.1
11 Jura Bernois 52.4 1.8 51.6 1.6
12 Chablais 47.0 1.8 48.4 1.8
13 Europe 2 (F) 44.6 0.9 43.9 0.9
14 Thollon 28.3 0.4 33.2 0.6
15 Canal 3 (netto) 23.7 0.4 23.5 0.5
16 WRG FM 16.5 0.3 20.4 0.4
In Klammern: Position im 2. Semester 01, ***Messung nur vom 21.3. – 30.6.02 (wegen Störsender) Quelle: Publica Data
Radios Tessin (1. Semester + 2. Semester 2002)
Nettoreichweite in 1000 Hörerinnen und Hörern und Marktanteil in % im Tessin,
Mo–So, 24 h, Personen 15+
Total Radio 244.2 100 245.3 100

Radiogruppen
Total SSR 202.5 79.4 206.5 81.3
Private CH 82.1 6.2 82.3 5.3
Ausland 129.8 14.4 129.7 13.4
SRG SSR
Total RSI 180.7 67.6 183.4 69.9
RSI 1 148.6 51.0 153.2 53.9
RSI 2 28.7 7.3 27.8 7.2
RSI 3 49.2 9.3 50.8 8.8
1 RTO* 23.4 3.0

2 (1) Fiume Ticino 17.3 2.5 17.7 2.2
3 (2) 3iii 14.5 2.1 14.3 1.8
4 (3) Studio Star 5.5 0.6 5.8 0.6
*erstmals erhoben Quelle: Publica Data
>> Was hört der Schweizer?

Radiocontrol Schweizer hörten im zweiten Halbjahr 2002 wieder mehr Radio, vor allem SRG-Sender. Diese gewannen durchs Band Marktanteile – primär auf Kosten der Privaten.
Markus Knöpfli

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