Was bedeutet eigentlich… «EOB»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Was bedeutet eigentlich...?» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich. Dieses Mal teilt er seine Gedanken zum Begriff «EOB».

Jetzt, wo allenthalben die Aufträge wieder in den Agenturen aufschlagen und überall bis Ende Jahr noch hektisch alles Verpasste und Verschobene nachgeholt werden muss, haben Deadlines wieder Hochkonjunktur. Und mit ihnen die Antwort auf die derzeit beliebteste Frage der Branche: «Bis wann ist das möglich?» Der gleichgültige Umgang mit Deadlines, die der britische Schriftsteller Douglas Adams in seinem Buch «The Salmon of Doubt: Hitchhiking the Galaxy One Last Time» einmal so schön formulierte, gehört längst der Vergangenheit an: «I love deadlines. I love the whooshing noise they make as they go by.» Ach, waren das noch entspannte Zeiten.

Schluss mit lustig

Heute ist Pünktlichkeit gefragt und mit einhergehend muss die Frage nach dem «Bis wann» in unserem immer zeitkritischeren Geschäft präzis beantwortet werden. Früher genügte ein lockeres «asap» – Abkürzung des englischen «As soon as possible» oder zu Deutsch «so bald wie möglich». Bis vor kurzem war auch «bis Mittwoch» als Zeitangabe noch präzise genug. Aber heute heisst es hinter einem Datum stets «EOB», oder ausgeschrieben «End of business day».

Seinen Ursprung hat dieses Akronym – wie so vieles – in der Finanzbranche. Gemeint ist das Ende des Geschäftstages an einer Börse, wo mit der Verwendung einer lauten Schlussglocke sichergestellt wird, dass alle Händler gleichzeitig aufhören, Geschäfte zu tätigen. Dieser Glockenschlag ist in unserer Branche bekanntlich nicht immer allen Beteiligten eines Projektes klar. Die einen machen sich schon früh aus dem Staub, während die anderen noch bis tief in die Nacht arbeiten müssen, damit Deadlines eingehalten werden können. EOB ist schliesslich erst um 23:59 Uhr und wer’s noch bluffiger will, hängt hinten zusätzlich ein «MEZ» an für «Mitteleuropäische Zeit», statt das Ganze etwas sachlicher anzugehen und die Prozesse so zu gestalten, dass keine (unbezahlten) Überstunden und Nachtschichten nötig werden.


Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er lauscht seit über 30 Jahren in der Branche und entdeckt dabei für uns Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach so verwendet werden können.

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