Was bedeutet eigentlich… «toxisch»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Was bedeutet eigentlich...?» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich. Dieses Mal teilt er seine Gedanken zum Begriff «toxisch».

Wie hatten wir es doch vermisst, nach all den Monaten Homeoffice: den Austausch mit den anderen im Büro, die Breakfast-, Lunch-, Apero- und After-Hour-Sessions mit realen Personen an realen Orten. Und kaum ist all dies wieder in vollem Masse erlaubt, beginnen sich menschliche Beziehungen zu entwickeln und mit ihnen deren negativen Auswirkungen. Es wird gestänkert über alles und jeden. Die schlechte Mischung von Charakteren, Fähigkeiten, Arbeitsweisen und Teamzusammensetzungen werden wieder zum Thema und haben seit neustem auch einen Namen: toxisch.

Toxisch kann alles sein: die Unternehmenskultur, der Führungsstil, Mitarbeitende, Teamplayer, Kunden oder alles zusammen. Das kleine Wort meint entweder «giftig» oder «durch Gift verursacht», auf der Beziehungsebene «sehr bösartig», «gefährlich», «schädlich» oder «zermürbend im Verhalten und Handeln».

Gegenseitige Gifteleien statt Motivation

Einverstanden, menschliche Beziehungen sind komplex: im Business-Kontext fast so wie in der Familie. Allgemein ist von fünf toxischen Typen die Rede, die wir alle kennen: Pessimist*in, Klatschreporter*in, Aufschieber*in, Besserwisser*in, Alleinkämpfer*in. Leider sind solche Typen nicht so offensichtlich erkennbar wie der Berater namens Tullius Destructivus im Comicband «Streit um Asterix» von René Goscinny und Albert Uderzo seelig. Destructivus wurde auf die unbeugsamen Gallier angesetzt, weil er die Begabung besass, durch seine Kommunikation alles zu vergiften. Als Lesehilfe färbten die Autoren seine Sprechblasen in einem üblen Grün ein, was unmissverständlich für alle war.

Leider wird derzeit vielerorts wieder vermehrt – nicht so offensichtlich wie im Comic – das Taktieren, Manipulieren und Intrigieren gelebt und gefördert, statt eine Kommunikation gepflegt, die von Respekt, Offenheit, Hilfsbereitschaft, Loyalität und Solidarität geprägt ist.

Wie einfach war es doch in der Isolation, als die Körpersprache der anderen nicht decodiert werden konnte und Gifteleien nur in parallelen Chats möglich waren. Durch Drücken des Verlassen- beziehungsweise Abbrechen-Buttons konnten zudem Zusammenkünfte mit anderen beendet werden. So musste man nicht den endlos langen Gang zur Tür oder zum Lift antreten oder an der Kaffeemaschine mit den Sitzungsteilnehmenden Smalltalk betreiben. So lief man nicht Gefahr, das Klima im Team oder die Beziehung zum Kunden nachträglich zu vergiften.


Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er lauscht seit über 30 Jahren in der Branche und entdeckt dabei für uns Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach so verwendet werden können.

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