Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «NFT»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich. Dieses Mal erklärt er den Begriff «NFT» – non-fungible tokens.

Non-fungible token – um das kryptografische dieses Akronyms gleich vorneweg zu nehmen – heisst auf Deutsch einmaliger, nicht austauschbarer Schlüssel. Aber wieso reden grad alle davon? Ein NFT ist der Antipode des Bitcoins, denn dieser ist eben fungible, sprich austauschbar. Die Eigenschaft, nicht repliziert werden zu können, verhilft diesen Token zu einer grossen Beliebtheit, weil sie einem – sofern man digitalaffin ist – das Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Sie machen aus Kopierbarem Einmaliges und lassen Interessierte teilhaben an Dingen, die bislang unerreicht blieben. Während Bitcoins als digitale Antwort auf Währungen gepriesen werden, sind NFTs nun jene auf das Handeln und Sammeln von Gütern. Wechselt nämlich die besitzhabende Person eines Tokens, sind diese Informationen für immer und fälschungssicher in der Blockchain gespeichert.

Wie Pilze aus dem Boden

Fungibilität benennt die Eigenschaft von Gütern, innerhalb derselben Gattung durch andere Stücke gleicher Art austauschbar oder – im Falle von non-fungible – eben nicht austauschbar zu sein. Auf den ersten Blick verleitet das Wort jedoch zu ganz anderen Assoziationen: dem Fungus oder eben dem Pilz. Keine Sorge: Diese ähneln in ihrer feinmaschig vernetzten Wuchsform durchaus aktuellen Entwicklungen im Netz oder Ihren neuronalen Gedankengängen. Sorgen machen müssten sich eher die Skeptiker, die glauben, dass das alles eine Blase ist, wie damals das Internet, denn diese platzte ja bekanntlich im März 2000 mit lautem Krachen und grossen Verlusten. Es hilft natürlich auch nicht, dass erst kürzlich ein rein digitales Kunstwerk des Künstlers Beeple (bürgerlicher Name: Mike Winkelmann) beim Auktionshaus Christie’s für atemberaubende 69 Millionen Dollar versteigert wurde und dieser den Preis auf Twitter nur mit einem «Holy Fuck» kommentiert hatte. Sowas kann ja nicht seriös sein. Aber das waren die Rollkragenpullover oder Hoodies bei den CEOs sogenannter Internetfirmen auch nicht, und trotzdem stieg deren Ansehen über die letzten 20 Jahre in ungeahnte Höhen.

Diese Auktion mag deshalb der vorläufige Höhepunkt eines Hypes sein, der jedoch dem Kürzel NFT eine Aura verleiht wie sie damals das WWW ausstrahlte. Es findet nämlich dank NFT und anderen Elementen der Blockchain – zum Beispiel smart contractsschon bald eine Demokratisierung der Investments statt, ähnlich wie dazumal die Demokratisierung des Wissens durch das WWW. Und was damit geschah, ist längst Geschichte.


Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er lauscht seit über 30 Jahren in der Branche und entdeckt dabei für uns Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach so verwendet werden können.

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