Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «sounden»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich. Dieses Mal teilt er seine Gedanken zum Begriff «sounden».

Clubhouse-Hype, unzählige Podcasts, die man gehört haben müsste, sowie Alexa und Friends: Alles Auditive ist im Moment hoch im Kurs, auch im Marketing. Damit ist ein Wort, das schon länger in der Corporate World rumgeistert, in der Hitparade der Buzzwords rasant aufgestiegen: Sounden. Wir tun es längst nicht mehr in einem Übungskeller, sondern in Sitzungszimmern in Sounding-Boards. Hier nehmen meist leitende Mitarbeitende verschiedener Abteilungen oder Unternehmensbereiche an moderierten Diskussionen teil. Ihre Stimmen zu einem festgelegten Thema werden dabei ungefiltert aufgenommen und anschliessend gemixt. Das Problem dabei: Wenn alle (mit-)reden, versteht am Ende niemand was. 

Wer richtig soundet, findet den Groove

Die inflationäre Installation von Sounding-Boards als Gremien, die Kreations-, Veränderungs- oder Innovationsprozesse beratend begleiten ohne Weisungsbefugnis zu besitzen, gibt es schon länger. «Konsultativgremium» nannte sich das einst, aber das klang dann für die meisten zu sehr nach Politik, Sozialarbeit oder Gewerkschaft und weniger nach Organisationsentwicklung oder gar Change Management.

Sounden will also gelernt sein. Darin liegt genau die Krux: Die wenigsten sind bereit zu lernen. Statt Stimmungsbarometer und Inspiration in Kreativ- oder Change-Prozessen zu sein, verschleppt das Sounden dann entweder Entscheide («Da müssen wir nochmals ins Sounding-Board damit») oder verkommt zur Alibi-Übung («Ja, wir haben euch gehört, aber es interessiert uns nicht»). Beides ist falsch. Der Vorteil läge nämlich darin, dass das Management, Projektteam oder Kreative beim Sounden ihre Echokammern verlassen und sich ehrlich den wichtigsten Fragen stellen: Macht das, was wir hier vorhaben, Sinn? Wird das auch von den Leuten, die es betrifft, verstanden? Oder, um in der Sprache der Musik zu bleiben: Groovt es oder klingt es eher nach Marschmusik oder Muzak?


Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er lauscht seit über 30 Jahren in der Branche und entdeckt dabei für uns Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach so verwendet werden können.

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