Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «XR»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich. Dieses Mal erklärt er den Begriff «XR».

fachchinesisch

Wer die aktuelle Situation auf der Welt vor ein, zwei Jahren vorausgesagt hätte, würde wohl heute von Extended Reality oder auf Deutsch von erweiterter Realität sprechen. Oder eben von XR. 

Unvorstellbar, was da gerade in Bezug auf Politik, Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft geschieht. Aber darum geht es bei XR nicht. Das Ding soll helfen, unsere Wahrnehmung zu verstärken, indem es Impulse liefert in einer mehrdimensionalen Umgebung, die reale und virtuelle Elemente kombiniert. Das hatten wir schon, denken sich vielleicht einige, und das hat doch (noch) nicht richtig funktioniert. 

Ja, Virtual Reality war die erste erweiterte Realität dieser Art, die in unserer Branche genutzt wurde. Vornehmlich im Immobilienbereich, wo potenzielle Käufer mit VR-Brille durch Eigentumswohnungen laufen konnten, die es noch gar nicht gab. Die Begeisterung war anfangs riesig, die Rechenleistungen leider viel zu winzig und so haben sich viele müde abgewendet und doch lieber anhand klassischer Pläne oder Modelle aus Holz versucht sich vorzustellen, wie ihre Traumwohnung denn aussehen könnte. 

 

Die grosse Schwester von Augmented Reality

Dann kam Augmented Reality, diese Zungenbrecherin, die schon namenshalber die Euphorie in der deutschsprachigen Welt in Grenzen hielt. Denn was nicht benennt werden kann, wird auch nicht richtig verstanden, geschweige denn angewendet. Trotzdem galt sie in einigen Branchen – insbesondere in den Medien – eine Zeitlang als Hoffnungsträgerin, um fehlende Attraktivität von Inseraten in eine neue Dimension zu führen. Gleichzeitig wurde die Google-Brille von den Journis in denselben Medien hämisch als untauglich beschrieben und der Durchbruch hat bis heute nicht stattgefunden. 

Und jetzt also ist Extended Reality The Next Big Thing, indem nebst virtuellen und realen Bildern zusätzlich auch real erfahrbare, sensorische Reize digital überhöht und damit intensiver wahrnehmbar werden. Quasi als Erweiterung des Disney-World- oder Verkehrshaus-Erlebnisses mit seinen wackelnden Sitzen und ekelerregenden Wasserzerstäubern. Digitale Stimuli sollen einem zum Kauf verführen und beispielsweise das imposante Gewicht der Rolex-Uhr am Arm schon spürbar machen, bevor man diese überhaupt besitzt. Kurz: «The Latest Shit», der vorletzte Woche an der CES 21 – Corona sei Dank – zum ersten Mal all digital präsentiert wurde. Klingt vielversprechend und umfasst einfach alles, was unsere Wahrnehmung zusätzlich anreichern könnte: Mixed Reality (MR), Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) oder gar Augmented Virtuality (AV), um es noch komplizierter zu machen. Doch die aktuell gelebte Realität ist schon kompliziert genug, und so werden sich wohl viele noch etwas zurückhalten mit der Anwendung. 

Benno Maggi ist Mitgründer und CEO von Partner & Partner. Er lauscht seit über 30 Jahren in der Branche und entdeckt dabei für uns Worte und Begriffe, die entweder zum Smalltalken, Wichtigtun, Aufregen, Scrabble spielen oder einfach so verwendet werden können.

(Visited 99 times, 1 visits today)

Weitere Artikel zum Thema