Sorglose Jahre ade! Sicherheit bei Ernährung am wichtigsten

Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine beeinflussen die Meinungen zu Ernährung und Bewegung. Ein stärkeres Bewusstsein für grundlegende Bedürfnisse scheint die Selbstverwirklichung zu verdrängen.

Bei den jüngsten befragten Stimmberechtigten ist ein fundamentales Desinteresse an Ernährungsfragen zu beobachten. Zu diesen Erkenntnissen gelangt der repräsentative Monitor Ernährung und Bewegung 2022 von gfs.bern.

Bis zum Ende der 2010er-Jahre gingen Ernährung und Bewegung oft mit Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung einher. Eventuell war dies eine Wohlstandserscheinung. Nun scheinen die sorglosen Jahre in dieser Hinsicht vorbei zu sein. Der Fokus verschiebt sich zurück auf grundlegende Bedürfnisse. Mit der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine rücken Überlegungen zu Sicherheit und Kosten in den Vordergrund. Der Notvorrat gewinnt neue Bedeutung. 54 Prozent der Stimmberechtigten in der Schweiz geben an, über einen solchen zu verfügen. Vornehmlich ältere Generationen bereiten sich damit auf den Ernstfall vor.

Je älter die Generation, desto grösser das Sicherheitsbedürfnis

78 Prozent der Stimmberechtigten wünschen sich eine von Lebensmittelimporten unabhängige Schweiz. 70 Prozent sind bereit, Mehrkosten für in der Schweiz hergestellte Produkte zu tragen. Was fehlt, ist ein generationsübergreifender Konsens. Je älter die Generation, desto grösser das Sicherheitsbedürfnis, desto niedriger die Preissensitivität und desto stärker das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Ernährung. Ältere Generationen haben auch eine klare Vorstellung davon, wie sie den zunehmenden Unsicherheiten begegnen wollen. Der Generation Z (Jahrgänge 1995 – 2009) fehlt hier eine klare Strategie. Den Notvorrat findet man unnötig, für lokal produzierte Güter möchte man nicht mehr bezahlen. Gleichzeitig wünscht man sich aber Unabhängigkeit vom Ausland.

Krieg und Pandemie verleihen dem Thema Notvorrat eine neue Bedeutung. Rund die Hälfte der Stimmberechtigten in der Schweiz geben an, über einen Notvorrat zu verfügen. Dabei sind es jedoch insbesondere ältere Generationen, die für den Ernstfall gerüstet sind. Bei jenen Personen, die ihren Notvorrat erst vor Kurzem angelegt haben, war die Corona Pandemie der grössere Treiber als der Krieg in der Ukraine. Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich bei Fragen der Ernährungssicherheit eine unabhängige Schweiz und ist in der Tendenz auch bereit, gewisse Mehrkosten dafür zu bezahlen.

Generation Z hat geringes Bewusstsein für Ernährungsfragen

Mehr als drei Viertel der Stimmberechtigten interessieren sich für Ernährung und Bewegung. Während sich 77 Prozent der Frauen gut über das Thema Ernährung informiert fühlen, sind es  bei den Männern 61 Prozent. Interesse und Informiertheit in Sachen Ernährung und Bewegung nehmen jedoch ab. Der Trend geht eindeutig in Richtung weniger breit verankerter Ernährungskompetenzen. Beispielsweise nimmt der Anteil jener, die mehrmals täglich Gemüse, Salat oder Früchte essen, deutlich ab. 2022 gaben 32 Prozent der Befragten an, drei oder mehr Portionen Gemüse, Salat oder Früchte pro Tag zu essen. 2014 waren es noch 60 Prozent.

Nur vier Prozent der Stimmberechtigten fahren regelmässig ins Ausland zum Einkaufen

Obwohl eine starke Präferenz für Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit besteht, wird jährlich für rund 10 Milliarden Franken im Ausland eingekauft. Das ist mehr Geld, als die Eidgenossenschaft für die Landesverteidigung oder die Landwirtschaft ausgibt. Solche Vergleiche vermögen anscheinend nicht zu beeindrucken. Offenbar fehlt dazu ein direkter Bezug oder die Dringlichkeit.

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