«Too Good To Go»-Marketingleiter Yann Gurtner: «Lebensmittel retten soll zum Alltag werden»

Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wird verschwendet. «Too Good To Go» will alle Menschen für den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung gewinnen. Aktuell ist das Unternehmen in 16 Ländern aktiv, seit 2018 auch in der Schweiz – wo vor wenigen Wochen eine neue Kampagne gestartet ist, kreiert von Pam Advertising. Ein Gespräch mit Marketingleiter Yann Gurtner.

Yann Gurtner ist seit März 2021 Head of Marketing bei To Good To Go. (Bild: zVg.)

Yann Gurtner, welche Leitidee steckt hinter der aktuellen Kampagne?

Lebensmittelverschwendung wirkt sich stark negativ auf unsere Umwelt aus. Sie macht rund 8 Prozent der globalen Treibhausgase aus – und trägt damit zur Klimakrise bei. Wir von Too Good To Go wollen das ändern. Unsere Mission ist es, alle Menschen dazu zu befähigen und zu inspirieren, gegen Lebensmittelverschwendung zu kämpfen. Mit unserer neuen Werbekampagne wollen wir der Schweizer Bevölkerung erneut ins Bewusstsein rufen, dass wir alle Teil der Lösung sind und fordern dazu auf, aktiv zu werden und die  Too Good To Go App zu nutzen.

Welche Hürden muss Werbung überwinden, um Leute zur Nutzung von Too Good To Go zu bewegen?

In der Schweiz verzeichnen wir bald 1,5 Millionen registrierte Nutzer*innen. Mit unserer neuesten Werbekampagne wollen wir nicht nur weitere Personen zum Herunterladen der App überzeugen, sondern auch dafür sorgen, dass bestehende und neue Nutzer*innen die App aktiv brauchen. Wir wollen in den Köpfen der Menschen bleiben und unsere Botschaften so verankern, dass Lebensmittel retten mit Too Good To Go Alltag wird. Gemeinsam können wir so dafür sorgen, dass weniger Essen verschwendet wird und die Ressourcen unserer Umwelt geschont werden. Wir betreiben nicht nur die App, sondern investieren auch stark in die Sensibilisierung für Lebensmittelverschwendung. Das wissen viele Menschen in der Schweiz – noch – nicht! Wir schaffen täglich Aufmerksamkeit fürs Thema, fahren Marketingkampagnen oder lancieren Initiativen wie die Waste Warrior Brands (WAW Brands) Initiative oder die Initiative «Oft länger gut». Wir arbeiten mit Unternehmen, Verbänden und anderen Institutionen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft und vereinen die Kräfte im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung. Nur gemeinsam können wir wirklich etwas bewirken.

Das Konsumieren von «Resten» ist in der wohlhabenden Schweiz vielleicht verpönt – gibt es Vorurteile oder Bedenken bezüglich der Qualität und Frische der Waren?

Unsere Partnerbetriebe stellen sicher, dass die Qualität der Produkte in den so genannten Überraschungspäckli gewährleistet ist. Diese enthalten frische Lebensmittel, die übrig sind und bald gegessen werden sollten, oder abgepackte Produkte, die vielleicht bald das Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen, aber immer noch gut und lecker sind.

Purpose- versus Performance-Marketing: Wenn man so einen starken Purpose wie Too Good To Go hat, richtet man seine Kampagnen dann automatisch eher danach aus – kommuniziert also den Sinn und hofft, dass die Leute diesen teilen – oder geht man eher auch auf Performance-KPIs? OOH als Leitmedium spricht ja eher für ersteres…

Wir verfolgen einen Unternehmenssinn, der das Gemeinwohl berücksichtigt – so positionieren wir uns auch in der Öffentlichkeit. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Leistung nicht in Zahlen messen. So haben wir für unsere aktuelle Werbekampagne klare Ziele gesetzt, die wir auch an KPIs messen. Purpose- und Performance-Marketing schliessen sich nicht aus – im Falle von Too Good To Go ergänzen sich die Ansätze.

Wie haben sich die Userzahlen in den vergangenen Jahren entwickelt?

Too Good To Go ist seit rund drei Jahren in der Schweiz vertreten. Täglich gewinnen wir neue Unternehmen und Konsument*innen im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung. Auch die Nutzerzahlen sprechen für sich: Während unsere App zum Ende des Geschäftsjahres 2019 total 650’000 registrierte Nutzer*innen verzeichnete, waren es zu Ende des Geschäftsjahres 2020 mit 1,1 Millionen bereits 70 Prozent mehr. Heute stehen wir schon bei 1,4 Millionen registrierten Nutzer*innen. Wir sind sehr zufrieden mit dieser Entwicklung.

Wieviele Betriebe nehmen teil?

Mit unserer App bieten wir Bäckereien, Restaurants, Supermärkten und anderen Betrieben eine einfache Lösung zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung. Es entsteht eine «Win-Win-Win-Situation»: Die Nutzer*innen erhalten leckeres Essen zu reduziertem Preis, die Partnerbetriebe sprechen neue Kundschaft an und generieren zusätzliche Einnahmen – und die Ressourcen der Umwelt werden geschont. Mittlerweile zählen wir mehr als 4’800 Partnerbetriebe auf der App, unter ihnen Bäckereien, Restaurants, Supermärkte, Hotels, Hersteller und andere Unternehmen.

Wo will man hin? Entspricht dies Ihren Erwartungen?

In der Schweiz fokussieren wir uns aktuell vor allem auf den Ausbau des Angebots in allen Regionen, um die landesweite Abdeckung zu gewährleisten und gemeinsam noch mehr Essen vor der Verschwendung zu retten! Um unserer Vision eines Planeten ohne Lebensmittelverschwendung näherzukommen, bauen wir unsere Präsenz auch global laufend aus. Letztes Jahr wagte Too Good To Go den Sprung über den grossen Teich und expandierte in die USA und erst kürzlich nach Kanada. Auch in Europa sind wir in immer mehr Länder aktiv.

Die aktuelle Kampagne richtet sich an Konsumenten, App-User – ist auch eine Kampagne zur Dazugewinnung weiterer Food Supplier, Restaurants und Läden geplant?

Wir gewinnen täglich Unternehmen im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung. Was uns sehr freut: Ein Drittel davon kommt proaktiv auf uns zu. Die restlichen zwei Drittel sprechen wir an, sowohl mit B2B-Marketing als auch über Sales-Massnahmen. Eine grosse Kampagne für Partnerbetriebe ist aktuell nicht geplant.


Mehr Informationen unter Toogoodtogo.ch.

 

 

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