Die umstrittene CVP-Kampagne geht in die zweite Runde

CVP-Präsident Gerhard Pfister zeigt sich überrascht über die heftigen Reaktionen, welche die Google-Kampagne hervorgerufen hat. Dennoch wird «Phase 2» gezündet.

cvp-kampagne

Stein des Anstosses: Wer via Google nach Kandidaten sucht, landet bei der CVP – mit Argumenten gegen die jeweiligen Namen (Screenshots Google, via Bluewin.ch, Nau.ch und CH Media).

 

Negative Campaigning ist in anderen Ländern – etwa den USA – seit jeher Standard. Dabei geht es darum, den politischen Gegner in ein schlechtes Licht zu rücken, beziehungsweise aufzuzeigen, wieso man ihn nicht wählen sollte. Auch wenn die SVP schon Anfang der 90er Jahre mit dem sogenannten «Messerstecher-Inserat» gegen die «Linken und Netten» mobilisierte – die aktuelle, von der Agentur Enigma orchestrierte Onlinekampagne der CVP hat der Schweiz eine hierzulande bisher unbekannte Form von Campaigning aufgezeigt.

Konkret wurden Google Adwords so gebucht, dass bei der Suche nach National- und Ständeratskandidaten eine vermeintliche Infoseite zu den jeweiligen Personen unter der Domain Kandidaten2019.ch erscheint. Das Design ist auf den ersten Blick den entsprechenden Parteien angepasst. Der Text macht sich aber nicht etwa für die Kandidaten stark, sondern erläutert, wieso man sie aus CVP-Sicht nicht wählen sollte.

Heftige Reaktionen

Die Kampagne hat in der vergangenen Woche heftige Reaktionen ausgelöst. FDP-Präsidentin Petra Gössi beispielsweise bezeichnete sie gegenüber SRF als «unterste Schublade». Die Onlinezeitung Republik stellte die Frage, wieso Google die Kampagne akzeptiert, obwohl man sie als missbräuchliche, irreführende Werbung interpretieren könnte und laut Richtlinien untersagt werden müsste. Die Antwort: Solange etwas nicht strafrechtlich relevant ist, schreitet Google nicht ein.

Die Suchabfragen sind bisher gering

Die Republik deckte aber auch auf, dass die Empörung vielleicht auch ein Sturm im Wasserglas sein könnte: Das Suchvolumen nach den Kandidaten sei «ernüchternd». Die meisten Abfragen bewegen sich – zumindest im August – im niedrigen vierstelligen Bereich. Das lässt die Vermutung zu, dass – von der grossen Aufmerksamkeit, die der Kampagne durch die mediale Empörungswelle entgegenkam, einmal abgesehen – nicht allzu viele Menschen mit der technisch klug aufgegleisten Kampagne «in Berührung» kommen dürften. Denn in der Realität googlen offenbar nicht viele Menschen, um sich über konkrete Kandidaten zu informieren. Die noch nicht vorliegenden September- und Oktoberzahlen des Suchmaschinenanbieters könnten diese Theorie natürlich widerlegen.

Phase 2 wurde lanciert, Phase 3 steht bevor

Wie die Schweiz am Wochenende schreibt, seien verschiedene prominente CVP-Köpfe – darunter Präsident Gerhard Pfister – von den heftigen Reaktionen überrascht und überrumpelt worden.

Nichtsdestotrotz wird die Kampagne weitergeführt. Am Wochenende wurde die zweite Phase eingeleitet. Dabei werden die Suchbegriffe ausgeweitet. Nebst den Kandidatennamen kommen neu auch Sachbegriffe wie «Gesundheitskosten», «eidgenössische Wahlen» oder Parteinamen hinzu.

In einer dritten Phase – kurz vor den Wahlen – wird die Partei über Facebook ihre Inhalte potentiellen Wählern zeigen.

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