Blockbuster und Leidenschaft

TV-MARKT Zwei neue TV-Sender sollen 2014 in der Deutschschweiz starten, zwei sind schon im letzten Jahr neu auf den Markt gekommen – die TV-Szene ist also höchst lebendig. Was bieten die neuen Programme? Music, Entertainment, Urban Culture, und Society sind die Hauptthemen von CHTV. VON BETTINA BÜSSEREs boomt in der Deutschschweizer TV-Szene: Seit 2012 sind […]

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Music, Entertainment, Urban Culture, und Society sind die Hauptthemen von CHTV. VON BETTINA BÜSSEREs boomt in der Deutschschweizer TV-Szene: Seit 2012 sind drei Sender neu auf dem Markt, 2014 werden noch zwei weitere dazukommen. So soll im zweiten Quartal dieses Jahres TV24 starten, der neue Sender der AZ Medien: «Er spricht sowohl das weibliche als auch das männliche Publikum im Alterssegment 35 bis 59 Jahre an. Das Programmkonzept umfasst News, Eigenproduktionen, Sport und Lizenzprogramme. TV24 ist komplementär zu TeleZüri, Tele M1 und TeleBärn aufgestellt und ergänzt das vorhandene Portfolio optimal», definiert Roger Elsener, Geschäftsführer TV-Senderfamilie AZ Medien, den Sender. TV24 werde in den Bereichen Vermarktung, Programm, Technik und Distribution von Synergien innerhalb der TV-Senderfamilie der AZ Medien profitieren.TV24 soll für Newskompetenz stehen, Schweizer Eigenproduktionen, Dokumentationen sowie Serien und Spielfilme zeigen und lokale und überregionale News aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport bieten, wie Elsener weiter ausführt. Der Sender ist nicht konzessioniert und, so Elsener, «grösstenteils werbefinanziert»: «TV24 bietet sämtliche im TV gebräuchlichen Werbeformen wie Spot, Sponsoring und Sonderwerbeformen an.»5+ mit «spannenden und emotionalen» DokumentationenVor dem Start steht auch 5+, der dritte Sender von Dominik Kaiser, CEO der 3 Plus TV Network AG. 5+ soll laut Kaiser «im ersten Halbjahr» dieses Jahres erstmals sein Programm ausstrahlen und sich dabei «im ersten Schritt auf spannende und emotionale Dokumentationen und Serien fokussieren». Angesprochene Zielgruppen sind, so Kaiser «die klassischen Werbezielgruppen, 15-49, die Haushaltsführenden und die 15-39». Zu Finanzierung des Senders sagt Kaiser: «3+ ist seit mehreren Jahren profitabel, der Sender ist kerngesund, wir können den Sendestart von 5+ aus Eigenmitteln finanzieren. Einnahmen werden vor allem über Werbung generiert.» Dabei sind die Angebote für Werbe- und Sponsoring-Kunden bei allen Sendern der Gruppe gleich: «Es gibt neben den klassischen Spots eine Vielzahl von Sonderwerbeformen, wie zum Beispiel den Station Tipp für unsere Kunden.»4+ hat sich etabliertSeit Oktober 2012 auf Sendung ist Kaisers Sender 4+. Die Reaktionen auf das Angebot sind laut Kaiser «sehr positiv»: «4+ gelang seit dem Sendestart eine Verbesserung um 3 Positionen gegenüber den kommerziellen Konkurrenzprogrammen. Am 24. Dezember 2013 erreichte der Sender in verschiedenen Zielgruppen seine bisher besten Marktanteile und lag nach SRF1 an zweiter Stelle, noch vor SRF2, RTL Schweiz und Pro7 Schweiz.» Programmlich setze man vor allem in der Primetime auf Blockbuster: «Der Umfang und die Zusammenstellung der Filme ist besonders. Kein anderer Sender zeigt so viele Blockbuster-Filme wie 4+. Immer mehr auch grosse Erstausstrahlungen von Filmen, welche gerade erst noch im Kino liefen.»Wie bei 5+ ist der Start von 4+ laut Kaiser aus Eigenmitteln der Gruppe finanziert worden – und der Betrieb soll auch aus Werbegeldern bestritten werden: «Den absolut grössten Anteil unserer Einnahmen generieren wir mit Werbung, Gebühren erhalten wir keine. Deshalb sind auch bei 4+ vor allem die werberelevanten 15 bis 49-Jährigen unsere Hauptzielgruppe. Wichtig werden auch die sogenannten haushaltsführenden Zuschauer und die jungen Zuschauer zwischen 15 und 34 Jahren.»S1 mit Politarena und Zielgruppe 35+Neu im Programm seit Oktober 2013 ist auch S1, der Sender der S1TV AG. Laut Geschäftsführer Hardy Lussi sind die Reaktionen auf das Angebot «durchwegs positiv, vor allem diejenigen aus dem Werbemarkt». Es sei, so Lussi, noch zu früh, um über Zuschauerzahlen zu sprechen, S1 verzeichne aber seit der offiziellen Messung ein kontinuierliches Quotenwachstum. «S1 setzt auf hochwertige Programme aus dem deutschsprachigen Raum. Zusätzliche Akzente setzen wir mit Schweizer Produktionen, Dokumentationen und Spielfilmen, dazu kommen Krimis, Kochsendungen und Zeichentrickfilme. Der Schweizer Spielfilm und der Schweizer Dokumentarfilm des Monats sind bereits etablierte Programmpunkte auf S1. Mit der Politarena mit Filippo Leutenegger und dem wöchentlichen Filmmagazin Kinowetter wurden bereits zwei Schweizer Produktionen umgesetzt. Weitere Schweizer Produktionen aus dem Bereich Lifestyle, Kochen und Entertainment sind geplant», definiert Lussi das Angebot von S1.Der Sender setze «im Kern» auf die Zielgruppe 35+ und spreche somit hauptsächlich die Menschen an, «die in den 70er- und 80er-Jahren aufgewachsen sind. Menschen, die am Abend aus der Hektik des Alltags aussteigen und entschleunigen möchten.» S1 ist laut Lussi durch die Gründer – ausser ihm noch Mike Gut und Andreas Auerbach – und durch weitere Investoren zu 100 Prozent privat finanziert: «Wir haben einen seriösen Businessplan.» Im Bereich Werbung seien Werbekunden und Agenturen «mit uns und unserem Vermarkter Publicitas AG nahe am Sender», es würden schnell und unkompliziert attraktive Sonderwerbeformen und Sponsoringangebote wie umfeldspezifische Singlespots, Trailer-Sponsorings, redaktionell begleitete Productplacements oder Branded-Entertainment-Konzepte angeboten.Sender mit «Leidenschaft»Seit Juni 2013 auf Sendung ist schliesslich CHTV – ein etwas besonderer Sender. «CHTV ist eine Plattform, die die Leidenschaft der Schweiz zeigt. Music, Entertainment, Urban Culture & Society sind unsere Hauptachsen, und wir scouten ständig nach neuem und interessanten Inhalt um den Umfang des Inhaltes auszubauen», so Philippe Aenishaenslin, Managing Director der CH Television GmbH zu seinem Sender. Und: «Ein neu geschaffenes Unternehmen in einem bestehenden Markt aufzubauen brauchet neben Ambitionen vor allem Leidenschaft. Die positive Energie, die wir aus der Leidenschaft ziehen, wollen wir allen zurückgeben und gemeinsam mit dem Interesse unserer Zuschauer wachsen.» CHTV, fügt Aenishaenslin hinzu, sei kein esoterischer Sender und habe den klaren Grundsatz, nicht noch ein Sender sein zu wollen, der sich aus Gründen der Einnahmen dazu verpflichte, «zwielichtige Erotikformate oder gar ShivaTV im Programm aufzunehmen».Vertrauen ist wichtigLaut Aenishaenslin besteht ein Finanzierungskonzept, an dem man sich orientiere, doch: «Viel wichtiger ist das Vertrauen, die wir von unseren Mitarbeitern, Werbepartnern, Content-Partnern und von unseren Zuschauern erhalten. Sie alle helfen uns das Konzept umzusetzen und hängen in einem System zusammen.» Punkto Werbung könne CHTV das Rad zwar nicht neu erfinden, doch die Preise seien sehr tief, CHTV sei sehr flexibel und spreche die Zuschauer an, die «nicht die anderen TV Sender schauen». Das seien drei wichtige Faktoren, die aus Sicht des Marketings essenziell sind: «CHTV ist ein perfekter Partner für die ergänzenden Massnahmen in der Werbeindustrie.» Auf die Zielgruppen von CHTV angesprochen, betont Aenishaenslin, CHTV spreche nicht Gruppen, sondern die «Leidenschaft der Menschen» an: «Meiner Meinung nach schränken Segmentierungen auf einer Ebene von Zielgruppen die Menschen ein und definieren lediglich eine momentane Zughörigkeit. Wir erreichen mit einer übergreifenden Interessensphäre – Leidenschaft – Horizonte, die uns in der Zeit der Überreizung durch den Informationsfluss verborgen bleiben.»Die Reaktionen auf den neuen Sender ist laut Aenishaenslin «wirklich sehr gut» und motivierten das Team, seinen Weg weiterzugehen: «Neben unseren erfolgreichen Eigenformaten wie KultSchweiz, Atelier, XtremSports, Animation Power, CHTV Music erweitern wir unser Programm um vier weitere Formate. Dazu kann ich aber noch nichts Genaueres sagen.»
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