Zwischen Preisdruck und steigenden Anforderungen

Modernste Technik, gut ausgebildete Fachkräfte und ein umfassendes Know-how: Das alles hat viele Schweizer Druckereien in den letzten Jahren nicht vor einer Betriebsschliessung bewahrt. Dazu kam der starke Franken, der den ausländischen Konkurrenten in die Hand gespielt hat. Immer mehr Kunden konnten den vergleichsweise tiefen Preisen nicht widerstehen und liessen ihre Printprodukte im Ausland drucken. […]

Modernste Technik, gut ausgebildete Fachkräfte und ein umfassendes Know-how: Das alles hat viele Schweizer Druckereien in den letzten Jahren nicht vor einer Betriebsschliessung bewahrt. Dazu kam der starke Franken, der den ausländischen Konkurrenten in die Hand gespielt hat. Immer mehr Kunden konnten den vergleichsweise tiefen Preisen nicht widerstehen und liessen ihre Printprodukte im Ausland drucken. Eine fatale Entwicklung in Zeiten eines rückläufigen Printmarktes.Wie sich bestehende Druckunternehmen positionieren sollen, um auch zukünftig wettbewerbsfähig bleiben zu können, ist deshalb keine einfache Frage. Braucht es noch den typischen Generalisten, der von der Firmenbroschüre bis zum Geschäftspapier eine möglichst grosse Leistungspalette anbietet, oder haben Spezialisten zukünftig die besseren Chancen?

Diversifikation in neue Bereiche

Klassische Generalisten für die Druckindustrie gibt es fast nicht mehr, stellt Maurice Wicky, Geschäftsführer Verband der Schweizer Druckindustrie (VSD) fest. Natürlich versuchen sich einige Druckereien über die Diversifikation in neuen Bereichen wie Marketing oder Eventmanagement zu positionieren. Dabei braucht es aber entsprechende Mitarbeiter und neue Prozesse. Wenn das gelingt, können aus dieser Diver-­­si­fikation neue Druckprodukte entstehen oder bestehende gehalten werden. Als Stichwort dazu nennt er Marketingautomation und Crossmedia.

Nischen nur für wenige

Bei einer Spezialisierung auf Produkte besteht die Möglichkeit, ein bestimmtes Marktsegment abzudecken, was von Vorteil sein kann. Diese Nischen sind aber nur einer kleinen Anzahl Druckereien vorbehalten, ist Wicky überzeugt. Als Risiko sieht er die Fokussierung auf einen begrenzten Markt, die Konkurrenz mit dem Ausland (Preise) und die Abhängigkeit von einigen wenigen Kunden (Klumpenrisiko). Es gibt in diesem Bereich interessante Beispiele, die aber meistens nur für ein paar wenige Druckereien funktionieren.

Digitalisierung kostet massiv Druckaufträge

Die grösste Herausforderung für die Druckbranche sieht er in der Frage, wie sich die Konsumentenbedürfnisse entwickeln werden. Die Digitalisierung aller Bereiche kostet massiv Druckaufträge. Beispiele sind elektronische Formulare oder der Wegfall von Einzahlungsscheinen durch das E-Banking. Die Substituierung durch das Internet und die mobilen Devices sind die wichtigsten Treiber.Eine weitere Herausforderung ergibt sich durch die Globalisierung, gut ersichtlich auch im Bereich der Zeitschriften und Zeitungen. Früher hatten Verleger auch eine Druckerei, heute ziehen sich die grossen Verlage immer mehr aus dem Druckbereich zurück. Ein wichtiges Thema ist die Verlagerung in Webdienstleistungen für die Kunden. Dieser Bereich ist vielfältig und bietet Chancen, liegt aber klar ausserhalb angestammter Druckdienstleistungen.

Kompetenz und Produkteffi­zienz durch Spezialisierung

«Die Leistungsbreite von Generalisten ist bei einer relevanten ­Anzahl an Kunden nach wie vor gefragt», betont Daniel Sinn, Geschäftsführer, Stämpfli AG. Selbstredend sei das natürlich nicht bei allen Kunden so. Das ist sehr stark vom jeweiligen Einkaufsverhalten und von den internen Prozessen der Unternehmen, Organisationen und Verbänden abhängig.Die Vorteile einer Spezialisierung sieht Sinn in der durch die Fokussierung erreichbare Kompetenz und Produktionseffizienz. Weiter bestehen mehr Möglichkeiten, durch eine Spezialisierung gezielt Nischen zu besetzen, die eine überdurchschnittliche Marge zulassen. Nachteile können die Austauschbarkeit und die Abhängigkeit innerhalb dieser Spezialisierung sein.

Kommunikationsbedürfnisse

Die Stämpfli AG positioniert sich nicht speziell im Druckmarkt, sondern fokussiert mit ihrem breit ausgebauten Leistungsangebot auf die gesamtheitlichen Kommuni­kationsbedürfnisse der Kunden. Gedruckte Kommunikationsmittel stellen einen von mehreren relevanten Kanälen dar. «Unsere Kernkompetenzen liegen in der Konzeption von Kommunikationsmassnahmen, der Beherrschung von crossmedialen, systemgestützten Prozessen und der wirtschaftlichen Umsetzung in der geforderten Qualität.Stämpfli hat erst vor wenigen Monaten mehrere zukunftsorientierte Investitionen getätigt. Neben der Steigerung der Leistungsfähigkeit im Rollenoffsetdruck setzt Stämpfli im Bogendruck neu auf eine Einmaschinenstrategie. Mit der Investition in eine 10-Farben-Druckmaschine der neuesten Generation von Heidelberg können Produktionsaufträge im Bogendruck künftig auf nur einer Anlage bewältigt werden.Im Stämpfli Digitaldruckzentrum in Wallisellen ZH wurden bestehende Anlagen mit modernsten Digitaldrucksystemen ersetzt, womit Aufträge dank erhöhter Produktivität noch flexib­ler und kurzfristiger ausgeführt werden können. Neben der Anschaffung neuer Produktionsmaschinen hat das Unternehmen in die Softwarelösung Woodwing Auro­ra investiert.Die neuartige Softwarelösung ermöglicht das zeitgleiche Bespielen sämtlicher Kommunikationskanäle: Auf einfachste Weise werden die Inhalte auf Websites, Apps, sozialen Netzwerken sowie in Printpublikationen veröffentlicht. Das Ergebnis ist ein effizienterer Publishingprozess und eine Entlastung der Verantwortlichen. «Die Hauptdifferenzierung gegenüber Wettbewerbern liegt in der Leistungsbreite und im Blick aufs Ganze, bei gleichzeitiger Stärke in der Umsetzung durch die einzelnen Leistungsgebiete», fasst Sinn zusammen. Die getätigten Investitionen leisten dazu einen entscheidenden Beitrag.

Margen werden enger

Für Sinn liegen die künftigen Herausforderungen im Spannungsfeld zwischen steigenden Anforderungen, zunehmender Geschwindigkeit und hohem Investitionsbedarf (insbesondere auch in Fachkräfte sowie in Aus- und Weiterbildung) bei gleichzeitig enger werdenden Margen. Die Stämpfli AG fokussiert sich künftig noch stärker auf die gesamtheitlichen Kommunikationsbedürfnisse der Kunden und bietet mit innovativen Lösungen die gewünschte Entlastung.Eine Entlastung, wie sie beispielsweise beim Einkauf von Einzelleistungen über Online-Shops kaum möglich ist. Im Produktionsumfeld wird weiter in sichere Prozesse, Automatisierung und Effizienz investiert. «Die Kombination dieser Aspekte zum Nutzen unserer Kunden bringt uns den notwendigen Erfolg in einem wettbewerbsstarken und zunehmend internationalen Markt.»

Starke Auslands-Konkurrenz

Für Monika Kemptner, Marketing und Vertrieb, Edubook AG sind Generalisten im Druckbereich regional zwar noch gefragt, jedoch hauptsächlich in der Zusammenarbeit mit Partnern. Gründe für diese Entwicklung sieht sie unter anderem in der Konkurrenz aus dem (benachbarten) Ausland, die mittlerweile übermächtig ist. Diese Konkurrenten bieten eine grosse Leistungspalette, attraktive Angebote bei konkurrenzlosen Preisen. Schweizer Anbieter haben hier kaum oder keine Chance, mitzuhalten.Zu den Vorteilen ­einer Spezialisierung befragt, nennt Kemptner einen bestehenden Nischenmarkt, wo der Wettbewerb geringer und eine grössere Kompetenz gefragt ist. Zudem sind hier zielgruppenspezifischere Kundenansprache und Marketing möglich. Nachteilig für Spezialisten ist die Tatsache, dass Spezialisten für manche Kunden als Anbieter gar nicht infrage kommen, wenn nicht die komplette Leistungspalette verfügbar ist.

Moderne Technologien zu wenig genutzt

Edubook ist auf den Bildungssektor fokussiert und bietet dementsprechende, umfassende und nicht nur druckspezifische, sondern auch ergänzende Dienstleistungen, an. Dazu gehören beispielsweise das Zusatzangebot einer E-Book-Lösung (Edubase), entsprechende Web-Shop-Lösungen wie z.B. ein spezialisierter Lehrmittel-Shop und anderes mehr. Der enorme Preisdruck, Investitionen in Automatisierung/Digitalisierung und Know-how sind grosse Herausforderungen, die sich für die Zukunft stellen.«Obwohl moderne Technologien schon länger verfügbar sind, werden diese von den Kunden noch zu wenig genutzt.» Kemptner nennt hier als Beispiel die kundenspezifische Ansprache mit Personalisierung oder den flexiblen Einsatz durch situativen (Nach-)Druck von Drucksachen. Leider wird in der Berufsbildung die entsprechende Gestaltung und Aufbereitung von individuellen, personifizierten Drucksachen noch zu wenig gewichtet, kritisiert sie. «Edubook setzt auf Automatisierung und Vernetzung. Kleinstproduktion ab «Auflage 1» sind bei uns möglich.»

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