Zürcher Journalistenpreis für vier Arbeiten und Schawinskis Lebenswerk

Die Jury des Zürcher Journalistenpreises hat den Preis für das Gesamtwerk an Roger Schawinski vergeben. Weitere Preisträger sind Yves Demuth, Angelika Hardegger, Rebecca Wyss und Finn Schlichenmaier.

Zürcher JournalistenpreisAm 28. Juni 2022 ist zum 42. Mal der Zürcher Journalistenpreis verliehen worden. Dies in einer Zeit, in der dem Journalismus selbst in der Schweiz immer mehr Misstrauen entgegenschlägt, wie Andrea Masüger, Präsident Stiftung Zürcher Journalistenpreis, in seiner Grussadresse ausführt. Umso erfreulicher seien das hohe Niveau des Journalismus in der Schweiz und der Umstand, dass immer mehr Arbeiten hiesiger Journalisten und Journalistinnen mit renommierten in- und ausländischen Preisen ausgezeichnet würden.

Die Auszeichnung für das Lebenswerk verlieh die Jury des Zürcher Journalistenpreises in diesem Jahr an Roger Schawinski. Einen Journalisten, Autor und Medienunternehmer, der seit Jahrzehnten sowohl mit Mut und Intelligenz als auch mit Provokation und dem Drang zum Scheinwerferlicht insbesondere den Schweizer Radio- und Fernsehsektor mitprägt. Dies mit einem Temperament, einer Berufsfreude und einem Tatendrang, die ihn zu einem journalistischen Vorbild machen würden, hiess es in der Laudatio für den 77-jährigen Roger Schawinski.

Für den Journalistenpreis 2022 wurden 174 Arbeiten aus der ganzen Deutschschweiz eingereicht. Daraus hat die siebenköpfige Jury aus Journalisten und Publizisten neun Geschichten für den Zürcher Journalistenpreis und drei für den Newcomer-Preis nominiert und nun vier Arbeiten ausgezeichnet.

Yves Demuth vom «Beobachter» erhielt einen Preis für seine Recherche «Akte Bührle: Zwangsarbeit in der Spinnerei», in der er aufzeigt, wie nach dem Zweiten Weltkrieg Hunderte von Mädchen gegen ihren Willen in einer Textilfabrik des Unternehmers Emil Bührle arbeiten mussten. Der Autor machte nicht nur eine der letzten Zeitzeuginnen ausfindig, sichtete Akten aus diversen Archiven, sondern förderte auch zutage, dass diese Praxis nicht nur durch staatliche Behörden gebilligt, sondern von diesen gar gefördert wurde.

Angelika Hardegger von der «Neuen Zürcher Zeitung» wurde mit einem Preis für ihre Geschichte «Liebe Bauern, lasst uns reden» ausgezeichnet. Den oftmals akademisch wirkenden Agraranalysen stellt sie einen Text in der Ich-Form mit kleinen Porträts entgegen und zeichnet nach, wie die Schweizer Bauern und die Gesellschaft einander fremd geworden sind. Den Gründen dafür spürt die Autorin in einer «überraschenden Montage» nach, in der sie Kritik anspricht, ohne aber zu moralisieren, sondern vielmehr ihre Protagonisten zum Dialog animiere, hiess es in der Laudatio.

Rebecca Wyss vom «Sonntags-Blick» gewann einen Preis für die Reportage «Ich bin glücklich, wenn jemand nur Schwuchtel sagt». Die Autorin begleitete Jugendliche, die in ihrem Alltag in der Schweiz als Homosexuelle und Transmenschen zur Zielscheibe von Hass.

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