Clio: Ruf Lanz, TBWA\Zürich und CRK dürfen auf Metall hoffen

Der Clio zählt zu den Big Five der internationalen Awardshows. Am 21. April wird in New York über Bronze, Silber und Gold entschieden – drei Schweizer Agenturen sind ebenfalls im Rennen. TBWA-ECD und Jury-Mitglied Manuel Wenzel im Gespräch mit Werbewoche.ch.

Ruf Lanz ist mit der bereits mehrfach ausgezeichneten Kampagne «The art of transporting art» für Welti Furrer in drei Kategorien auf der Shortlist: Poster, Print und Print & OOH Craft.

Ebenfalls drei Shortlist-Plätze ergatterte TBWA\Zürich. Einmal für Coop mit «Nevi» in der Kategorie Film Craft und zweimal mit der Arbeit «Field» für McDonald’s in den Kategorien Illustration und Print.

Auch nominiert ist CR Kommunikation mit drei Kampagnen. Mit dem Video «Four friends» für das Bundesamt für Energie konnte sich die Agentur einen Shortlist-Platz in der Kategorie «Film Craft – Animation» ergattern. In der Kategorie «Out of Home – Billboard». erhielt «Take Over» für Pro Infirmis eine Nomination, und der Film «The eventful life of Rosemarie» für Curaviva, Spitex und OdASanté ist in der Kategorie «Design Craft – Animation» nominiert.


Manuel Wenzel von TBWA\Zürich war dieses Jahr sowohl beim Clio (Film), als auch bei der One Show (Radio & Audio) in der Jury. Werbewoche.ch hat mit ihm über den Award und den Jurierungsprozess gesprochen.

Werbewoche.ch: Manuel Wenzel, die Clio Awards in New York gehören zu den renommiertesten internationalen Kreativwettbewerben. Sie sitzen in der Jury.  Langjährige strategische Arbeit oder ein Glücksfall?

Manuel Wenzel: Eher ein «Lücksfall».

 

Meinen Sie mit «Lücksfall» Dennis Lück?

Ja, genau. Dennis hat mich dort beim Clio ins Spiel gebracht und die Leute dort hatten offensichtlich nichts dagegen. Es war sehr cool und lehrreich und letztlich, auch wenn ich solche Worte im Werbefuzzi-Kontext ein bisschen drüber finde, eine Ehre.

 

Wie verlief die Jurierung in Pandemiezeiten?

Die Jurierung lief über mehrere Wochen, es gab beinahe 1000 Minuten Film, die es anzuschauen und zu bewerten galt. Das lief bis zur Statuen-Runde individuell und über ein sehr angenehm zu benutzendes Online-Tool. Über die finalen Entscheide von SL bis Gold wurde dann per Videocall diskutiert und entschieden.

 

Sie sind selber mit TBWA\Zürich nominiert, mussten Sie in den Ausstand treten?

Klar musste ich auch mal in den Ausstand treten, aber leider nicht so oft.

 

Wie unterschiedlich sind die Jurierungsprozesse zwischen Clio und One Show? Denn auch da sind Sie Mitglied der Jury.

Die Prozesse sind Plusminus dieselben, das Online-Tool funktioniert ein bisschen anders und bei der One Show tröpfeln noch mehr Einreichungen nach und nach rein, so dass es fast ein bisschen Sisyphus-Arbeit ist und man sehr viel Zeit mit beziehungsweise in der ersten Runde verbringt. Und die One Show Jurierung läuft aktuell ja noch, deshalb kann ich es bis zum Abschluss gar nicht wirklich bewerten. Angesetzt sind hier aber mehr Videocalls für die Diskussionen. Was ich hier gern sagen würde: Macht wieder mehr Radio, Leute. Da geht was!

 

Als Kreativchef von TBWA sind Sie gewöhnt, selbst für Ihr Schaffen bewertet zu werden. Wie ist das, andere Arbeiten zu durchleuchten?

Es ist ja auch so mein Alltag, Arbeiten zu bewerten und ja, auch bewertet zu werden. Aber das eher von Kunden und das dann in der Regel basierend auf mehr Parametern als der reinen Kreativität. Und natürlich als Teilnehmer an den Award-Shows. Generell habe ich ein gespaltenes Verhältnis zum Award-Zirkus. Eine Hassliebe sozusagen. Ich gehöre zu den Leuten, die sich furchtbar über verschiedene Urteile aufregen können und dann den Zirkus hinterfragen, aber auch zu jenen, die sich sehr über eine Auszeichnung freuen. Bisschen bigott, ich weiss. Mittlerweile freue ich mich auch einfach, wenn es egal welche Schweizer Agentur schafft international für ein bisschen Aufmerksamkeit zu sorgen. So wie letztes Jahr zum Beispiel Thjnk mit dem coolen «Catch a flight»-Ding, oder eben Ruf Lanz mit einigen Arbeiten. Ich hab einfach Freude an guter Kreation und bin da höchstens im Positiven Sinne neidisch, wenn die von wem anders ist.

 

Was sind die Hauptkriterien bei der Bewertung kreativer Arbeiten?

Hm, die sind ja eigentlich in sehr bedeutungsschwangeren Manifesten definiert. Und Kreativität steht da immer an oberster Stelle. Und das heisst für mich in anderen Worten schlicht: ist es wirklich neu? Wurde etwas neues kreiert, ein neuer Blickwinkel auf ein Thema gefunden? Und natürlich das reine Handwerk für die ganzen Craft-Kategorien. Für mich persönlich zählt etwas anderes aber fast noch mehr, nämlich ob es mich berührt, ob es irgendetwas emotionales auslöst, oder ich das einfach so wegkonsumiere. Vor allem bei Film. Es bringt halt der schlauste Gedanke nichts, wenn es die Menschen, die Konsumenten nicht berührt. Und wenn es nur ein Lacher ist. Es ist genauso eine Kunst, wirklich witzig zu sein, wie es eine ist, wirklich berührend zu sein, wie es aber auch eine ist, wirklich clever zu sein, strategisch und konzeptionell, aber zum Beispiel auch im Umgang mit Technologie. Und das alles (und viele mehr) können berechtigte Gründe für eine Auszeichnung sein.

(Visited 459 times, 1 visits today)

Weitere Artikel zum Thema