Wie gut schmeckt der vierte Sieg?

Jung von Matt Limmat im Höhenflug. Vier Siege in Folge beim Kreativranking, das die Werbewoche und der ADC jedes Jahr veröffentlichen. Ein Siegerinterview mit den Kreativen Annette Häcki, Luitgard Hagl und Carsten Jamrow.

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Ausgelassene Stimmung beim Agenturmeeting via Zoom: Jung von Matt Limmat freut sich über den vierten Kreativranking-Sieg. Die Kreativen Anette Häcki, Luitgard Hagl und Carsten Jamrow (gross, v.l.n.r.) im Interview mit Werbewoche.

Werbewoche: Glückwunsch zum Erfolg! Was macht Sie besonders stolz?

Carsten Jamrow: Es ist weniger der vierte Sieg in Folge, der stolz macht, sondern die Kontinuität, die dahintersteht. Der Sieg im Jahr 2020 ist da natürlich besonders denkwürdig. Was uns stolz macht, ist unsere gemeinsame Kultur, unser Umgang miteinander und der entsprechende Output. Und der Mut unserer Kundinnen und Kunden, Arbeiten zu realisieren, die für Gesprächsstoff sorgen und nachhaltig wirken.

 

Wie setzt sich der Erfolg zusammen? Was ist das Rezept?

Annette Häcki: Kein Fokus (lacht). Nein, im Ernst: Wir haben uns in diesem Jahr mit sehr vielem beschäftigt – aber wohl am wenigsten mit dem Kreativranking. Corona hat uns, wie auch alle anderen Agenturen, vor grosse Herausforderungen gestellt. Wie arbeiten wir in Zukunft kreativ im Team und mit unseren Kundinnen und Kunden? Wo holen wir uns Inspiration? Und wie erhalten wir unsere Unternehmenskultur?

Carsten Jamrow: Stichwort Unternehmenskultur: Ob man’s glaubt oder nicht: Wir leben unsere Leitsätze tatsächlich täglich. Von «Wir lieben das Neue», über «Wir bleiben unzufrieden» oder «Wir feiern die Vielfalt» erinnern sie uns daran, nie stehen zu bleiben, den Sinn im vermeintlich Sinnlosen zu entdecken und den Blick dabei immer nach vorne zu richten. Darum: Rankings bilden die Vergangenheit ab. Und die interessiert uns viel weniger als das, was in Zukunft kommt.

Annette Häcki: Genau. Entsprechend freuen wir uns, auch weiterhin mit unseren Kundinnen und Kunden auf Augenhöhe Ideen und Kampagnen zu konzipieren und konkrete Massnahmen umzusetzen. Enge Kollaboration ist aus unserer Sicht der Grundstein für erfolgreiche Marketingkommunikation. Unser Erfolg im Kreativranking und ganz allgemein das Jahr 2020 scheinen diese Ausrichtung zu bestätigen.

Carsten Jamrow: … Leitsätze und Kollaboration hin oder her: Wir freuen uns natürlich jetzt schon, irgendwann alle zusammen auf diesen Sieg anzustossen!

 

Luitgard Hagl, Sie starten ja erst neu bei Jung von Matt Limmat. Hat der Sieg für Sie eine besondere Signalwirkung?

Luitgard Hagl: Absolut. Es ist für mich natürlich grossartig zu wissen, dass ich in einer so tollen Agentur starten werde. Mit schlauen Menschen, die die kreativsten Arbeiten des Landes hervorbringen. Aber auch in unserer neuen Konstellation und für die Zukunft gilt: wenig Fokus auf Kreativpunkte und dafür in der Breite des Tagesgeschäfts immer noch besser werden.

 

Mit Dennis Lück haben Sie den Abgang eines massgeblich an den Siegen Beteiligten zu verkraften, wie stellen Sie sich in Zukunft auf?

Annette Häcki: Das ist so. Dennis und das Ranking, das ist natürlich eine Institution. Wir ändern aber auch in Zukunft nichts an unserer Ausrichtung und glauben weiterhin an «the Power of Many». Im neu lancierten Excellence Board, das aus Luitgard, Carsten, Stefan Naef und mir besteht, setzen wir das konsequent um. Wir kümmern uns gemeinsam um den kreativen Output der Agentur.

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Neu im Excellence Board von Jung von Matt Limmat: Annette Häcki, Luitgard Hagl und Carsten Jamrow (v.l.n.r).

Schauen wir weiter in die Zukunft. Die Philosophie des Einreissens von Silodenken verankern Sie im neuen Kreativ-Ökosystem. Was kann man sich darunter vorstellen?

Carsten Jamrow: Das Einreissen von Silos ist nicht neu: Wir arbeiten bereits seit zwei Jahren in interdisziplinären Teams. Was wir aber mit dem Kreativ-Ökosystem noch weiter festigen, ist die Entkopplung von fachlicher Führung und persönlichem Coaching und die Interdisziplinarität in der Führung. Heisst konkret: Das Excellence Board coacht die Teams in ihrer täglichen Arbeit und ihrem kreativen Output. Wir sind sozusagen für die Handschrift der Agentur verantwortlich. Das Empowerment Board wiederum ist für die Entwicklung der Mitarbeitenden auf individueller Ebene zuständig. Und hier führen wir interdisziplinär: Als Kreativer kann mein Coach aus dem Empowerment Board auch jemand aus der Strategie oder der Beratung sein.

Luitgard Hagl: Mit diesem Setting realisieren wir wirkungsvolle Kommunikation. Die gelingt spätestens 2021 nur noch gemeinsam. Es braucht weniger Ego und mehr Vertrauen. Die Regeln der glorifizierten 90er-Jahre, in denen Hierarchien nur noch den Wert eines Mitarbeitenden repräsentierten, sind definitiv vorbei.

 

Apropos Hierarchien: Im Zusammenhang mit dem Kreativ-Ökosystem sprechen Sie auch immer wieder davon, dass Hierarchie Kreativität killt. Gleichzeitig führen Sie diverse Boards ein. Wie verträgt sich das?

Luitgard Hagl: Das verträgt sich bestens (lacht). Die Boards sind keine zusätzliche Hierarchieebene, sondern eine Dienstleistung für die Kreation und – im Fall des Empowerment Boards – eine Dienstleistung für alle Mitarbeitenden. Wir bieten einen erfahrenen Blick, der hilft, die Herausforderungen auf Projekten noch kreativer, besser und am Ende messbar effektiver zu lösen. Bildlich gesprochen: Die PS, die uns das Ranking bescheinigt, auch konsequent auf die Alltagsstrasse zu bringen. Und alle Kundinnen und Kunden davon profitieren zu lassen.

Annette Häcki: Unsere Teams arbeiten kollaborationsorientiert und selbstorganisiert. Eine kreative Instanz, die aus dem Elfenbeinturm heraus Entscheide fällt, ist da fehl am Platz. Das Kreativ-Ökosystem soll den Mitarbeitenden auch unterschiedliche Karrieremöglichkeiten bieten.

 

Wie sieht das konkret aus?

Carsten Jamrow: Wo ich bei Jung von Matt starte, hat nicht zwingend Einfluss darauf, wohin ich mich in der Agentur entwickle. Ich kann einerseits meinen Schwerpunkt verlagern, andererseits muss ein nächster Karriereschritt nicht zwingend Personalverantwortung bedeuten. Eine Senior-Texterin kann auf gleicher Lohnstufe wie jemand sein, der drei Personen interdisziplinär führt. Was ebenfalls möglich ist: Unsere Mitarbeitenden können sich in die Richtung «Client Relation» entwickeln oder sich selbstständig machen innerhalb des Jung-von-Matt-Netzwerks. Wir denken das Konzept Karriere so offen und flexibel wie möglich.

Luitgard Hagl: … und bieten darum unser Traineeprogramm «Future Creative Leaders» an. Unsere Trainees starten nicht in einem bestimmten Bereich, sondern lernen die Agentur und all ihre Facetten während der ersten drei Monate kennen. In der zweiten Hälfte des Traineeships können sie sich dann für einen ersten Schwerpunkt entscheiden. Unsere erste «Klasse» der Future Creative Leaders startet gerade in die zweite Hälfte und fokussiert von Kreation über Strategie bis hin zu Client Relations alle möglichen Schwerpunkte.

 

Stichwort Weiterbildung der Jungen. Auch das gehört zur Philosophie. Was können erfolgreiche Agenturen vom Nachwuchs lernen?

Annette Häcki: Sehr viel, glauben wir. Darum verfolgen wir auch die Strategie «Juniors First». Was zugegeben auch etwas Mut braucht. Wir tendieren alle dazu, eher jemanden einzustellen, der schon viele Jahre Erfahrung hat und daher vermeintlich die bessere Arbeit abliefert. Von dieser Vorstellung versuchen wir uns zu lösen. Nur weil etwas «schon immer so gemacht wurde», heisst das ja nicht, dass ein anderer Weg nicht vielleicht schneller, interessanter oder besser ist.

Carsten Jamrow: Es ist vor allem die Unvoreingenommenheit junger Talente, die uns als Agentur inspiriert. Im Rahmen des Traineeprogramms suchen wir auch explizit Leute mit sehr unterschiedlichen Backgrounds. Das bereichert die Agentur, das gemeinsame Arbeiten und im Endeffekt auch den kreativen Output.

 

Wird 2021 wieder ein von Awards geprägtes Jahr oder fahren Sie das etwas herunter für die Konzentration auf die Neuausrichtung?

Carsten Jamrow: Wir werden auch in diesem Jahr keinen Fokus auf Awards legen, sondern darauf, mit unseren Kundinnen und Kunden exzellente Arbeiten zu realisieren. Ich zweifle nicht, dass uns das mit Kundinnen und Kunden wie Coop, Mobiliar oder Zalando gelingen wird.

Annette Häcki: Und 2021 soll natürlich auch für unsere Mitarbeitenden ein inspirierendes Jahr werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir beide Ziele erreichen. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr – sei es mit Kundinnen und Kunden oder als Agentur – haben uns in unserem eingeschlagenen Weg bestärkt.

 

Jung von Matt Limmat der Zukunft: Geben Sie einen Ausblick?

Luitgard Hagl: Ich kenne zwar das Jung von Matt Limmat der Vergangenheit nicht so gut wie Annette und Carsten, aber vielleicht hilft genau das, eine Zukunftsvision zu formulieren. Die Agentur hat in den letzten Jahren auf für mich beeindruckende Weise neue Prozesse, Strukturen und Arbeitsweisen implementiert. Alles, wovon in vielen anderen Agenturen nur Buzzword-reich geredet oder noch geträumt werden kann. Meine Vision ist also: die Nummer-eins-Agentur für erstklassige Kundinnen und Kunden und die besten Mitarbeitenden.

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