«Kreativität und Speed, das passt für mich»

Dennis Lück feiert einen ganz persönlichen Rekord. Er ist fünfmal in Folge Sieger beim Kreativranking. Viermal mit Jung von Matt und einmal mit FCB. Mit der Werbewoche redet er über Superhelden, Druck und den «König der Tröten» – und liefert ausserdem im «Off The Record»-Podcast ein exklusives Gitarrensolo.

Werbewoche: Dennis Lück, herzlichen Glückwunsch zum Rekord! Stolz?

Dennis Lück: Moment, ich muss erst mal den Jumbo-Schampus zur Seite stellen. (lacht) Na klar, bin ich mega, mega stolz.

 

Worauf genau?

Ich bin stolz auf die Teams dahinter, die Kunden, die den Weg mitgegangen sind, die Partner, die Unmögliches ermöglicht haben. Seit 5 Jahren läuft das nun schon so. Das ist doch irre! Das sind hunderte Projekte, und der Radius der Menschen, die an dem Rekord beteiligt sind, schätze ich auf knapp 1000 Leute. Auch die Stories sind so herrlich unterschiedlich. Mit FCB sind wir aus dem Nichts heraus unbesiegbar geworden. Bei JvM war die Story, die Spitze konstant zu halten. Und dass das nun so ein Rekord geworden ist, ist natürlich grandios. Ich hoffe mal, das hilft mir jetzt bei der Einbürgerung (lacht).

 

Die Kreativität scheint bei Ihnen aus allen Poren zu kommen wie geht Kreativität unter Erwartungsdruck? Ist das nicht ein Killer?

Diamanten entstehen nur unter Druck. Ich brauche den Druck. Je grösser der Druck, desto schneller läuft die Maschine. Da bin ich wie jeder andere Kreative auch. Haben wir keinen Druck, lassen wir es schleifen und kucken den Blümchen beim Wachsen zu. Mittlerweile ist es ja sogar wissenschaftlich erwiesen, dass Kreative unter Druck und mit engen Leitplanken effizienter arbeiten. Ich funktioniere ebenfalls am besten, wenn man mir sagt, du hast eine Stunde Zeit. Superhelden brauchen ja auch nicht 6 Wochen Vorlauf, 15 Schulterblicke und 23 Feedbackschleifen, bevor sie die Welt retten, oder? Kreativität und Speed, das passt für mich.

 

Was bedeuten Siege für einen kreativen Geist wie Sie einer sind?

In jedem wirklich kreativen Geist steckt auch ein kompetitiver Geist. Ambitionierte Musiker wollen auf Platz 1 der Charts, ehrgeizige Künstler wollen ins MoMA, und getriebene Kreative wollen eben mal an die Spitze des Rankings. Kreativität ist ein Mannschaftssport, und wer Sport macht, will gewinnen. Auch die besten Kunden sind die, die an die Spitze wollen. Dann entsteht gemeinsam Grossartiges. Ich mag auch dieses ganze moderne und hippe Geschwätz nicht, wenn man jedem erzählt, dass man auch gut verlieren kann, und dass das auch so eine tolle Eigenschaft ist. Bäh. Mit Platz 2 bist du König der Tröten. Und ganz korrekt natürlich König*in der Tröten*innen. Das will ich nicht. Ich mag Siegeswille um mich herum.

 

Kolumnist, politischer Kampagnenleiter, Bühnendarsteller (der Tod beim SWA Jahresmeeting). Wo ist am meisten Dennis Lück-Seele drin?

Am meisten Seele steckt im kreativen Schaffen, egal wo, egal in welcher Rolle, egal mit welchem Titel. Deshalb habe ich auch den Weg, den ich jetzt gehe, eingeschlagen. Ich muss operativ kreativ sein, da liegt meine Seele, da gehöre ich hin. Das kann ich als Kolumnist, als Keynote-Speaker oder als operativer Texter für Kunden. Sobald die Seele involviert ist, kommt ja auch in der Regel was Vernünftiges dabei raus.

 

Was können Sie in punkto Kreativität von Ihren Kindern lernen?

Die haben keinen Schiss, wenn sie was ausprobieren. Das ist das Beste, was man sich von Kindern abkucken kann. Die gehen nach dem Scheitern mit gleicher Begeisterung ran an den zweiten Versuch. Grandios.

Die Kinder von Dennis Lück berichtigen das Kreativranking-Tattoo, das den Arm des Kreativen ziert.

Sie haben sich von Jung von Matt verabschiedet und sind jetzt mit BrinkertLück Creatives am Start. Wie läufts?

Zuerst einmal muss man sich noch mal vor Augen halten, in welcher Phase wir BrinkertLück Creatives gegründet haben. Sozusagen aus dem Lockdown heraus. Mehr antizyklisches Handeln geht gar nicht. Wenn man das mit in Betracht zieht, dann haben wir einen Sensationsstart hingelegt. Im Schnitt erhalten wir einen neuen Kunden pro Woche. Wir arbeiten hart dafür, dass es so weitergeht und freuen uns, da bald mehr berichten und zeigen zu dürfen.

 

Werden Sie auch mit der neuen Agentur bei Awards einreichen?

Das ist aus zwei Gründen zurzeit kein Thema. Zum einen werden wir jeden gewonnenen Franken in uns selbst investieren wollen und müssen. Zum anderen wird sich der Award-Zirkus jetzt sicher ändern. Es gibt eine regelrechte Inflation an Awards, und eine Inflation führt immer zur Entwertung. Ich darf da mal einen Vergleich anführen: In der Leichtathletik gibt es keinen nationalen Wettkampf nur für Weitspringer. Und noch ein nationales Event nur für Diskuswerfer. Und dann noch ein Event nur für die Sprinter. Und noch eins für die Speerwerfer. Wir in der Kommunikation machen das aber. Wir haben uns selbst zerfleddert. Ich hätte – bitte als Inspiration verstehen – Bock auf eine radikale Vereinfachung. Nationale Meisterschaft und Weltmeisterschaft. Punkt, aus, fertig. Zwei harte Wettkämpfe, jeweils mit allen Disziplinen. Gell, das wäre logisch? Geht aber nicht, weil man dafür alle Verbände zusammenführen müsste. Aber man darf ja mal träumen. Und träumen kann ich gut. So, wo ist mein Schampus hin? (lacht)

 

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