Corona bringt grundlegende Veränderungen in der Schweizer Gesellschaft

Der Corona-Tracker von OMG geht in die neunte Runde: Die Schweiz steht im zweiten Corona-Sommer und befindet sich nun im Spannungsfeld zwischen Normalität und Vorsicht.

Einerseits sehnen sich die Schweizer*innen ein normales Leben zurück, mit Ferien und Restaurantbesuchen, mit unbeschwerten Treffen mit Freunden und einem Leben ohne Einschränkungen. Andererseits ist da immer noch das Damoklesschwert der Pandemie – wieder steigende Fallzahlen, Angst vor Ansteckung und dem Gefühl, dass uns die Krise noch lange begleiten wird. Dies zeigen die aktuellen Ergebnisse des OMG Corona-Trackers, der nun bereits in der neunten Welle seit März 2020 erschienen ist.

Die meisten Teile des gesellschaftlichen Lebens haben sich weitgehend normalisiert – 63 Prozent freuen sich über wieder mögliche Restaurantbesuche, die Hälfte der in der Krise verschobenen Autokäufe wurden mittlerweile nachgeholt, das Einkaufsverhalten und auch die Mediennutzung sind wieder auf Vor-Corona-Niveau. Die Zahl derer, die sich Sorgen um die Gesundheit der Familie machen, hat sich von 37 Prozent im Winter auf nunmehr 18 Prozent halbiert. Auch die persönliche Belastung wird immer geringer.

Mit dieser Freude einher geht aber auch eine beginnende Nachlässigkeit gegenüber den Hygienemassnahmen des BAG: Vor allem Männer sind immer weniger bereit, diese einzuhalten. Schliesslich hat man hierzulande das Gefühl, verglichen mit anderen Ländern, einen guten Weg durch die Pandemie eingeschlagen zu haben. Vergleichsweise ist die Situation gut unter Kontrolle – das ist die grundsätzliche Meinung von mittlerweile mehr als einem Drittel der Bevölkerung – Tendenz steigend.

Aber es ist noch nicht alles normal: Zwei Drittel der Schweizer sehen die Krise als noch lange nicht überwunden. Der ÖV bleibt für viele ein Angstfaktor und die Maskenpflicht im ÖV (29 Prozent) und beim Einkaufen (40 Prozent) wird als lästiges Übel angesehen. Je weniger Einschränkungen bleiben, desto präsenter sind diese in den Köpfen der Bevölkerung.

Angesichts der Sommerferien stören 47 Prozent vor allem die noch bestehenden Einschränkungen im Reiseverkehr: Verkehrsmittel, Reiseziele, Quarantäneregeln und die Ungewissheit, dass sich ständig alles ändern kann, machen knapp der Hälfte der Schweizer und ihrer Reiseplanung zu schaffen.

Dennoch wurden die Ferien mit Freude erwartet. Mehr als ein Drittel verreist in den Sommerferien, weitere 17 Prozent planen für die Herbstferien. Allerdings bleibt auch etwa die Hälfte eher pessimistisch, was das Reisen in der nächsten Zeit angeht – das sind vor allem die Älteren Befragten über 50.

Die Pandemie hat insgesamt auch zu einigen grundlegenden Veränderungen in der Gesellschaft geführt – Bei 7 Prozent ist die private Beziehung in die Brüche gegangen, ebenso viele haben ihre Arbeit verloren. 12 Prozent haben Ihre Wohnsituation verändert, 11 Prozent haben sich eine neue Arbeitsstelle gesucht, einige sind aufs Land gezogen.

«Die Studie zeigt auf, dass sich Einiges in der Einstellung und Lebensweise der Schweizer im vergangenen Jahr verändert hat, und dies möglicherweise auch nachhaltig» sagt Michael Selz, Managing Partner Insights & Strategy bei der Omnicom Media Group, der die Studie verantwortet. «Viele Menschen haben die Pandemie zum Anlass genommen, Ihre Lebenssituation unter die Lupe zu nehmen, Prioritäten zu verändern und ihr Leben bewusster zu leben. Wir Menschen sind halt doch sehr anpassungsfähig und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.»

Das zeigen auch die Zahlen: 36 Prozent versuchen, mehr aus dem Haus zu kommen, 32 Prozent nehmen sich mehr Zeit für sich selbst, 27 Prozent achten mehr auf die Work-Life-Balance. Spannend ist hier die Betrachtung der Geschlechter: Während Frauen es zu geniessen scheinen, mehr Zeit für sich zu haben und diese produktiv zu nutzen, suchen sich die Männer verstärkt Abwechslung durch neue Hobbies, mehr Süssigkeiten oder Alkohol.

Auch im Arbeitsleben zeigen sich (leichte) Veränderungen: Immer noch verbringen die Arbeitnehmer – auch im Juli – durchschnittlich knapp zwei Drittel ihrer Arbeitszeit im Homeoffice – minus 3 Prozent gegenüber dem Mai. Das bringt für die meisten eine bessere Work-Life-Balance, allerdings auch geringere Produktivität – 45 Prozent sind der Meinung, dass sie im Homeoffice weniger produktiv sind.


Der OMG Corona-Tracker untersucht in mehreren Befragungswellen, wie die Schweiz die Corona-Krise, den Lockdown und die Wiederöffnung erlebt. Seit März 2020 wurden neun Wellen durchgeführt, weitere sind geplant. Pro Welle werden 450 Personen aus der deutschen und französischen Schweiz im Alter von 16 bis 75 Jahren befragt.

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