Schweiz Tourismus: Zeit der Schweizer Gästerekorde vorbei

Trotz eines starken ersten Halbjahres schlagen die hiesigen Tourismusprofis Alarm. Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen. Mehr dazu im exklusiven Werbewoche-Videobeitrag der Medienkonferenz von Schweiz Tourismus vom Donnerstag.

Stiess auf grosses Interesse: Martin Nydegger während der Medienkonferenz von Schweiz Tourismus vom 24. August in Zürich

«Die Zeit der Schweizer Gästerekorde in der Pandemie ist definitiv vorbei» , sagte Schweiz Tourismus-Direktor Martin Nydegger am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Der Anteil von Schweizer Gästen nehme wieder ab, die Konkurrenz im Süden und am Meer sei wieder da und werde nachgefragt. «Und die Erholung aus dem Ausland, aus Europa und Übersee, braucht weiterhin viel Zeit.» 

«Auch wenn die Zahl der Gäste aus den Fernmärkten bei uns stetig zunimmt, schaffen wir mit diesem Gästesegment eine Kompensation noch nicht», äusserte sich Marketing-Leiterin Monika König von der Aletsch Arena stellvertretend für viele Bergferienorte. Aus dem Ausland würden nach wie vor viele und wichtige Gäste fehlen.

Die Energiekrise, die Inflation und der starke Franken drückten auf die Zahlen, hiess es an der Medienkonferenz. Zudem gehe es dem wichtigsten Herkunftsland Deutschland wirtschaftlich nicht gut. Dies lasse die schon preissensiblen Deutschen noch mehr auf die Preise schauen.

Chines:innen und Japaner:innen fehlen noch

Auch wenn die Nachfrage aus Nordamerika, den Golfstaaten und Südostasien robust sei, würden die Gäste aus Übersee gesamthaft noch fehlen, sagte Nydegger. China und Japan litten immer noch stark unter Long-Covid. Zudem gebe es in China eine Veränderung des Reiseverhaltens. Nach der Pandemie wollten die Chinesen nicht mehr so oft in grossen Gruppen unterwegs sein, sondern eher in kleinen Gruppen oder als Individualtouristen die Schweiz erkunden. Das mache sich in den Logiernächten bemerkbar.

Und die Schweizer Gäste, die während der Pandemie dem eigenen Land ungeheuer treu gewesen seien, wollten wieder ins Ausland reisen. Ausserdem seien die Schweizer wettersensibel. «Wenn es mal nicht so warm und schön ist, zeigt sich das sofort in den Zahlen», sagte der Schweiz Tourismus-Direktor.

Zudem sehe man anhand der Juli-Zahlen der Seilbahnen, dass grosse Tourismusgebiete wie Graubünden weniger Eintritte hätten als im Vorjahr. «Das ist für uns ein Indikator, dass wir nicht damit rechnen dürfen, dass es so weitergeht», sagte Nydegger: «Wir müssen uns darauf einstellen, dass es nicht ganz so einfach wird wie in der Vergangenheit. Der Wettbewerb ist wieder voll entbrannt.»

Die Hitzewelle in diesem Sommer mit Rekordtemperaturen am Mittelmeer helfe der Schweiz nur wenig. «Die Leute wollen in den Süden und in die Wärme», sagte Nydegger. Zwar kämen auch Touristen in die Schweizer Berge wegen der Kühle, aber die Verschiebung sei langsam.

Anteil der Schweizer:innen wird sinken

Der Anteil der Schweizer:innen am hiesigen Tourismus dürfte in einigen Jahren wieder sinken und sich bei 45 bis 50 Prozent einpendeln, sagte Nydegger. Vor-Corona hatten die Inländer 45 Prozent aller Gäste ausgemacht.

Im ersten Halbjahr 2023 waren noch über die Hälfte der 19,5 Millionen Übernachtungen in den hiesigen Hotels auf das Konto von Schweizern gegangen. Dank den Inländern (+16,8 Prozent), ist die Schweizer Hotellerie auf Rekordkurs. Von Januar bis Ende Juni wurden 3,6 Prozent mehr Logiernächte gezählt als im bisherigen Rekordjahr 2019.

Weniger erfreulich seien die Zahlen aus dem Ausland, die um 8 Prozent unter dem Niveau von 2019 liegen würden. Bei den Übersee-Gästen belaufe sich das Minus auf 10 Prozent, bei den europäischen Touristen auf 5,7 Prozent.

Bei der Aufholjagd wolle man aber nicht zurück zum Jahr 2019. «Wir wollen einen nachhaltigeren Tourismus, der auch von der Bevölkerung akzeptiert wird», sagte Nydegger. Deshalb setzt die Marketingorganisation auf eine längere Aufenthaltsdauer der Gäste in der Schweiz. Dadurch gäbe es weniger Flüge.

Und Schweiz Tourismus setze auf einen Ganzjahrestourismus. Insbesondere für den Herbst will die Organisation mehr Werbung machen. Der Herbst soll als eigene Saison beworben werden.

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