26 Betriebe kooperieren als «Responsible Hotels of Switzerland»

26 Schweizer Leadbetriebe der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit kooperieren und gründen die Responsible Hotels of Switzerland. Die Hotelkooperation ist ein Schaufenster für verantwortungsvoll Reisende, die Rücksicht auf Natur und Mensch nehmen, aber auch bereichernde und naturnahe Erlebnisse erfahren möchten.

Initiator dieser Hotelkooperation ist der Verein Responsible Hotels of Switzerland unter der Federführung des Präsidenten Valentin Bot, der zugleich auch den Vorzeigebetrieb Hotel Kartause Ittingen in Warth leitet. 26 Hotelbetriebe aus neun Schweizer Regionen und Sternekategorien von 3- bis 5-Sterne-Superior konnten für diese Idee gewonnen werden. «Wir möchten bis in einem Jahr eine Gruppe von 40 bis 50 charakterstarken Hotels sein, welche dem Thema Nachhaltigkeit hohe Aufmerksamkeit schenken», so Bot in seiner Einführung. 

Laut dem Sustainable Travel Report 2021 von Booking.com möchten 81 Prozent der Reisenden ökologisch und sozial nachhaltige Unterkünfte buchen. Dass die sogenannten Eco-Travellers jung sind und wenig Geld ausgeben, ist ein überholtes Klischee. Über 45-Jährige wollen ebenso verantwortungsbewusst reisen wie Millenials. Laut der Gästebefragung «Tourismus Monitor Schweiz» von Schweiz Tourismus ist der Anteil der Eco-Travellers, die sich schöne Unterkünfte leisten, sogar leicht überdurchschnittlich. «Nachhaltigkeit ist kein primäres Reisemotiv, aber zunehmend die Differenzierung in der Endauswahl. Und da entscheiden sich immer mehr für das nachhaltigere Hotel,» so Jürg Schmid, Mitinhaber von Schmid Pelli & Partner, der als Moderator durch den Medienanlass führte.

26 Mitgliederhotels mit individuellem Charakter

Die Mitglieder sind Hotelbetriebe mit nachweislich hoher Qualität. Sie alle übernehmen Verantwortung – alle auf ihre Weise. Strikte Aufnahmekriterien sollen dies sichern und werden durch den Vorstand verifiziert. Konsequent regionaler Einkauf, kein Plastik, begleitete Arbeits- und Ausbildungsplätze oder energiesparende Infrastrukturen: Alle Mitglieder weisen in einem spezifischen Anwendungsbereich Exzellenz auf. Die Mitgliederhotels haben oder werden eine Nachhaltigkeitszertifizierung erlangen, streben die höchste Stufe III von Swissstainable (Schweiz Tourismus) an und arbeiten mit Nachhaltigkeitspartnern zusammen.

Die Responsible Hotels of Switzerland verfolgen vier Ziele. Erstens sei die Hotelkooperation ein Schaufenster, um die betrieblichen Investitionen in die Nachhaltigkeit sichtbar zu machen und in Wert zu setzen. Zweitens sollen gezielt Gäste mit nachhaltigen Bedürfnissen und Reisegewohnheiten gewonnen werden. Drittens positioniere sich die Kooperation als Kompetenzstelle und Themenleader. Und viertens fördere die Kooperation den Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedsbetrieben.

Die Website Responsiblehotels.ch wird laufend mit umfassenden Informationen zu den Anstrengungen der Betriebe bezüglich Nachhaltigkeit ergänzt. Aber auch Erlebnisse, welche die einzelnen Betriebe ihren Gästen anbieten, werden auf der Webseite aufgeführt. Ein Gutschein für die Responsible Hotels of Switzerland, der in jedem Mitgliederhotel eingelöst werden kann, soll sich als ein Geschenk mit Sinn und Symbolkraft eignen.


INTERVIEW

«Unsere Gäste sind so anspruchsvoll wie wir selbst»

Tiziano Pelli, Geschäftsführer von Responsible Hotels of Switzerland und Mitinhaber der Agentur Schmid Pelli & Partner, im Interview mit Werbewoche.ch.

Werbewoche.ch: Wie ist die Idee «Responsible Hotels of Switzerland» entstanden?

Tiziano Pelli: Schmid Pelli & Partner steht in engem Kontakt mit vielen Schweizer Hoteliers. Die Gespräche haben ergeben, dass schon zahlreiche Hotelbetriebe sich dem Thema Nachhaltigkeit seit vielen Jahren angenommen, viel Zeit investiert und auch grosse Investitionen getätigt haben. Die Ökonomisierung dieser Anstrengungen war jedoch schwierig. Dass sich das Thema Nachhaltigkeit durch die Pandemie sogar noch verstärkt hat, war der Ausschlag, dass wir die Hotelkooperation Responsible Hotels of Switzerland ins Leben gerufen haben. Auf der anderen Seite haben wir realisiert, dass Menschen, denen das Thema Nachhaltigkeit am Herzen liegt, keine Orientierungsmöglichkeiten für ihre Ferienpläne haben. Mit Responsible Hotels of Switzerland verfügt der potenzielle Gast über eine glaubwürdige Plattform.

 

Was waren die grössten Herausforderungen bei der Lancierung?

Das Bestimmen der Kriterien, welche Hotels mit dabei sein können, brauchte Zeit. Auf der einen Seite möchten wir keine Plattform sein, die Greenwashing für Hotels betreibt. Auf der anderen Seite ist das Thema Nachhaltigkeit ziemlich breit und hat sehr viele Facetten. Das heisst, ein Betrieb kann nicht überall top sein. Jeder Betrieb legt einen anderen Schwerpunkt. Die Leidenschaft der Hotelführung für das Thema ist machentscheidend, aber nicht immer in Zahlen quantifizierbar. Daher hat sich schliesslich ein Mix aus qualitativen und qualitativen Messgrössen ergeben.

 

Wie lange dauerte es, diese 26 Leadbetriebe für diesen Verbund zu gewinnen?

Innerhalb von drei Monaten haben wir die Betriebe gefunden und von unserem Konzept überzeugt.

 

Soll die Kooperation weiter wachsen? Gibt es ein Grössenlimit?

Wir glauben, dass die Hotelkooperation schlussendlich rund 40-50 Betriebe umfassen kann, auf die ganze Schweiz verteilt.

 

Jeder Betrieb hat ja in mindestens einem Bereich Exzellenz aufzuweisen. Gibt es auch Grundkriterien, die erfüllt sein müssen?

Die wichtigsten Grundkriterien sind, dass der Betrieb ein Rating von mindestens 8.7 auf Booking.com oder 4.5 auf Trustyou erreicht. Das sagt schon viel aus über die Qualität des Betriebes. Danach war uns auch die Lage des Hotels wichtig. Der Gast soll dort Ferien geniessen können. Zuletzt legten wir auch Wert darauf, dass es sich um eigenständige Betriebe handelt, die allesamt einen eigenen Charakter haben.

 

Ist Nachhaltigkeit in der Hotelbranche auch ohne grosse Kostensteigerung zu erreichen, oder ist das letztlich eine teure Sache?

Da gibt es ganz viele Ansätze, die auch ohne viel Geld umgesetzt werden können. So kann man in der Küche auf rein biologische Produkte setzen, nur Produkte aus der Region beziehen oder den Noise-to-Tail-Ansatz verfolgen. Es gibt Hotels, die Partnerschaften mit anderen Leistungsträgern eingehen, wie Imker, Bäcker und weitere, die sehr nachhaltig unterwegs sind. Andere Hotels wiederum achten auf einen plastikfreien Betrieb. Oftmals ist es nicht eine Frage des Geldes, sondern vielmehr des Konzeptes und der Überzeugung.

 

Hat ein nachhaltig betriebenes Hotel auch Vorteile in der Akquise von Corporate Events? 

Definitiv. Ein Unternehmen, das nachhaltig sein möchte, macht seine Events, Seminare und Kongresse an Orten, die auch nachhaltig sind. Das ist für sie der einfachste Weg, um ihre nachhaltigen Bestrebungen zu unterstreichen.

 

Wie konkret wird die Nachhaltigkeit kommuniziert?

Zu 100 Prozent. Unsere Positionierung lautet: «Die Hotelgruppe Responsible Hotels of Switzerland vereint die Leadbetriebe der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit. Unsere Mitglieder sind eigenständige, charakterstarke Betriebe an schönen Orten und von hoher Qualität. Unsere Gäste sind so anspruchsvoll wie wir selbst – sie wollen herzerfrischend, entbehrungsfrei und verantwortungsbewusst geniessen. Wir wollen Gästen mit hohem Anspruch an verantwortungsvolles Reisen eine Lösung geben. Die Responsible Hotels of Switzerland sind die nachhaltigen Schweizer Hotels.»

 

Sind konkrete Events und Kampagnen geplant?

Die Plattform lebt weitestgehend von den Beiträgen durch die Mitgliederhotels. Das heisst, grosse Kampagnen sind nicht möglich. Wir kommunizieren primär über die zahlreichen Geschichten. Diese Geschichten können infrastruktureller Art sein. Das heisst, ein spezieller Weg in der Energiegewinnung oder im Bau des Gebäudes. Es gibt aber auch viele Geschichten zu Konzepten, die in den Betrieben gelebt werden. zum Beispiel die Integration von Menschen mit Einschränkungen im Betrieb, ein Food-Waste-Konzept oder die Zusammenarbeit mit dem Bio-Bauer von Nebenan. Immer mehr entwickeln die Hotels auch spannende Angebote wie Fliegenfischen, Waldbaden oder der Silent Walk im Schnee. Das sind ebenfalls ganz tolle Stories.

 

Wie funktioniert der Austausch der Hotels untereinander?

Das «Networking» und der Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedsbetrieben wird aktiv gefördert. Jährlich wird mindestens eine Fachtagung durchgeführt. Expert*innen berichten über neuste Erkenntnisse, Technologien, Lösungsansätze und Produktionsmethoden der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit in Hotellerie, Gastronomie und Nahrungsmittelbranche. Zudem werden Einblicke und der Erfahrungsaustausch zu Best Practices der nationalen und internationalen Hotellerie und Gastronomie ermöglicht.

Als eines von 26 Hotels mit dabei: Belvedere Grindelwald.

Der Tessiner Tiziano Pelli lebte lange Jahre in Mailand und vermarktete von dort aus die Heimat für Schweiz Tourismus. Beim Wechsel nach Zürich wurde er Leiter Stab Direktion und zeichnete für Strategieprojekte, Marktforschung und die Unternehmenskommunikation verantwortlich. Zudem führte Pelli Projekte wie die Konzeption und Umsetzung sämtlicher Aktivitäten rund um «100 Jahre Schweiz Tourismus» oder den Aufbau des Call Centers «Contact Switzerland». Zuvor war Pelli Mitglied in der Geschäftsleitung einer Agentur in Zürich. Der Ökonom hat an der Universität St. Gallen studiert und ist jetzt selbstständiger Unternehmer und Mitinhaber der Agentur Schmid Pelli & Partner.

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