«Neuartige Sensibilisierung im Kongressgeschäft»

Neue Modelle werden die LiveCom-Veranstaltungen ergänzen, etablieren und zu einer Transformation beitragen. Soner Avci, Geschäftsführer von KKThun, zur Zukunft in der MICE-Wirtschaft.

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Expodata: Wie sieht ein Corona-Tag im Leben von Soner Avci und dem KKThun im Gegensatz zu einem früheren Tag aus?

Soner Avci: Aufgrund des Veranstaltungsverbotes ist das KKThun seit dem 13. März geschlossen und wir haben Kurzarbeit angemeldet. Glücklicherweise ist unsere IT-Infrastruktur so aufgebaut, dass wir schon immer ortsunabhängig arbeiten konnten. So können wir auch im Homeoffice den Kontakt zu unseren Kunden, Lieferanten und allen weiteren Anspruchsgruppen aufrechterhalten. Nicht nur der Austausch mit externen Stakeholdern funktioniert reibungslos, sondern auch – dank einer wöchentlichen Videokonferenz – der Informationsfluss innerhalb des Teams. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass wir momentan leider sehr wenig in unserem schönen KKThun sind und keine Veranstaltungen operativ durchführen können. Diese «Leere» tut uns in der Seele weh.

 

Was sind zurzeit die grössten Herausforderungen für das KKThun?

Die Ungewissheit über das Veranstaltungsverbot für Veranstaltungen unter 1‘000 Teilnehmenden. Hierzu warten wir gespannt auf die weiteren Informationen des Bundesrates Ende Mai 2020. Auch die Veranstalter, Kultur und Firmen, sind derzeit sehr zurückhaltend, was fixe Planung und somit Zusagen für das KKThun als Austragungsort anbelangt. 

 

Wird Corona sich je wieder einpendeln und ein Geschäften, wie wir das gewohnt waren, ermöglichen? Wird es zu positiven Transformationen, auch in der MICE-Branche, führen?

Das Geschäften in der Event-Branche wird nach Corona weitergehen, allerdings mit einer neuartigen Sensibilisierung bereits in der Festlegung der Eventformate, der anschliessenden Planung sowie der Durchführung. Es könnten verstärkt digitale oder dezentrale Formate umgesetzt werden, wie zum Beispiel digitale «Pre-Events», am Veranstaltungstag «Plenum vs. kleinere rotierende Parallelbühnen» innerhalb der Location oder auch «Recap Zonen» bei einer Veranstaltung zum nachträglichen Ansehen eines vorangegangenen Programmpunkts. Ich bin zuversichtlich, dass sich aus den Erfahrungen mit dem schlagartigen Umdenken, den kreativen Lösungsansätzen und der Digitalisierung von Events positive Entwicklungen ergeben. Diese neuen Modelle werden die LiveCom Veranstaltungen ergänzen, etablieren und zu einer Transformation beitragen.

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Wenn wir eine Hypothese stellen würden, dass innert Jahresfrist keine Events, keine Meetings, Incentives, oder Kongresse mit über 250 Gästen mehr stattfinden könnten – wie würde das KKThun reagieren? Welche Reaktionsmöglichkeiten sehen Sie? 

Entscheidend für den künftigen Weg ist die Bekanntgabe der Rahmenbedingungen und der dahinterstehenden Timings. Nur so können wir nachhaltige Massnahmen ergreifen. Das Kultur- und Kongresszentrum KKThun ist agil, flexibel, kreativ und beratend aufgestellt. Wir haben ein partnerschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis mit unseren Kunden und Veranstaltern. Die Corona-Krise hat dies sogar noch intensiviert. Wir planen aktuell jeweils in verschiedenen Szenarien und evaluieren mit den Veranstaltern die Möglichkeiten, Events durchzuführen statt abzusagen. Diese zusätzliche Dienstleistung erlaubt es uns, dem Kunden gegenüber agil und flexibel zu bleiben und schnell auf die sich ändernden Voraussetzungen zu reagieren.

 

Was wird die Coronakrise in der Live-Kommunikationswirtschaft verändern? Welche Rolle spielt digitale Transformation? Wie beurteilst Du den jetzt wieder modischen Begriff des «hybriden» Events?

Ich bin fest davon überzeugt, dass die LiveCom-Branche bestehen bleiben wird, aber sicher auch eine Evolution in den Veranstaltungsformaten erleben wird und auch muss. Eine Kombination aus on- und offline, persönlich vor Ort und auf Distanz – virtuelle Realitäten und Artificial Intelligence werden noch mehr an Bedeutung gewinnen. Eine Balance aus neuen, innovativen Konzepten und Formaten, Kreativität, Interaktion, Inszenierung und klassischen Elementen wird matchentscheidend sein. Marketingtechnisch ist vieles dem eigentlichen Event vor- und nachgelagert. Somit wird spätestens jetzt jedem bewusst, dass eine digitale Transformation stattfinden muss.

 

Welche Botschaft haben Sie und das KKThun an die MICE-Branche?

Wir sehen uns als Gastgeber des Gastgebers. So teile ich hier gerne unsere Philosophie, welche die MICE-Branche ebenfalls vorlebt: Unterstützen, wo Unterstützung nötig ist, beraten, wo Beratung nötig ist, und offen sein für neue Formate, Ideen und Anregungen. Das Streben nach einer gemeinsamen, partnerschaftlichen und nachhaltigen Zusammenarbeit sollte im Vordergrund stehen. Gerade jetzt ist der beste Zeitpunkt, alte Strukturen und Gewohnheiten aufzubrechen und sich mutig dem Neuen zu stellen.

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