«Jetzt zeigt sich der wahre Charakter»

Bexpo begleitet schweizerische Unternehmen im In- und Ausland in deren Live Kommunikation. Inhaber Urs Bischoff zieht die Lehren aus der Coronakrise.

Urs-Bischoff

Expodata: Wie sieht ein Corona-Tag im Leben von Urs Bischoff und von Bexpo im Gegensatz zu einem früheren Tag aus

Urs Bischoff: Nach dem 28. Februar ging es nicht darum, Bestellungen und Aufträge entgegen zu nehmen und aufzuarbeiten, sondern Stornierungen, Absagen und Umbuchungen nachzutragen. Auch das Abrechnen des Aufwandes, ohne dass dann Projekte finalisiert werden konnten, stellte sich als grosse Herausforderung heraus. Nicht immer war klar, wie man mit dieser doch aussergewöhnlichen Situation umgeht. Zudem begannen wir, uns neu aufzustellen und dafür die richtigen Schritte einzuleiten. Das, die Transformation unseres Geschäfts, hat uns aber nicht vor Kurzarbeit verschont. 

 

Was sind die grössten Herausforderungen für Bexpo im Moment?

Unser Auftragsbestand ist auf später im Jahr aufgeschoben, aber nicht auf Null reduziert. Nun geht es darum, die dafür notwendgen Vorbereitungsarbeiten aufzunehmen. Die Schwierigkeit im Moment ist dabei die zeitliche Abschätzung, wann wieder Normalität einkehrt. Wir glauben daran, aber wir können im Moment keine Prognose stellen, wann wir unsere Mitarbeitenden zurückrufen werden. 

 

Wie haben Ihre Kunden – ausser mit Auftragsstornierungen – sonst noch reagiert? Gibt es positive Reaktionen?

Bexpo spürte und spürt eine grosse Solidarität seitens der Kunden. Viele haben ihre Events verschoben, aber nicht aufgehoben. Das bedeutet für Bexpo: anstatt Rückzahlungen konnten wir Auftragsbestätigungen mit neuem Datum vornehmen. Jetzt zeigt sich die wahre Charakter unserer Kundenbeziehungen. Die Länge der Pause und die Ungewissheit, wann wieder Normalität einkehrt, macht uns viel mehr zu schaffen als der Lockdown aller Events.

Wenn ich Solidarität sage, impliziert das: Grundlage ist ein grosses gegenseitiges Vertrauen, das in den letzten Jahren zwischen Bexpo und den Kunden geschaffen wurde. Deshalb und aufgrund der Signale unserer Kunden, nach der Coronakrise weiter zu machen, stimmt uns das sehr optimistisch für die Zeit danach. Sie wird kommen. Wir bereiten uns vor und freuen uns darauf. 

 

Was nützen Ihnen die guten Absichten der Kunden, weiter zu machen, wenn die Messewirtschaft nach Corona nach der vorangehenden strukturellen Krise jetzt auch noch in eine wirtschaftliche Krise stürzt. Im Klartext, wenn es keine, nur noch wenige oder dramatisch geschrumpfte Messen gibt?

Wir nutzen die momentane Situation zur weiteren Diversifizierung des Geschäftsbereichs. Als klassisches Messebauunternehmen wollen wir uns weniger abhängig von unserem Messeportfolio machen. Wir machen uns ernsthafte Gedanken: Welche Tätigkeiten wird Bexpo in Zukunft unternehmen, die marktfähig sind? Gibt es eine bessere Zeit als jetzt, solche Aufgaben entschlossen an die Hand zu nehmen? Und sogar in Bezug auf Messen sind wir überzeugt: Das kommt wieder. Menschen treffen gerne Menschen. Nach der heutigen Durststrecke wird dieser Reaktionsmechanismus noch stärker sein. 

 

Wie kann das Messebauunternehmen Bexpo Digitalität in den geschäftlichen Alltag bringen? Wird Corona zu positiven Transformationen, auch in der Live Kommunikationsbranche, führen?

Wir haben uns überlegt, was Digitalisierung für unsere Branche bedeuten kann. Wollen wir vermehrt auf digitale Medientechnologie für den Einsatz an Events setzen? Wir kamen zum Schluss, was es in Zukunft in der Werbung, auf Messen oder am Verkaufspunkt braucht, sind Inhalte und diese in Form von guten Stories. Das sind andere als die klassischen Fähigkeiten eines Messebauunternehmens. Vielleicht positionieren wir Bexpo stärker an der Schnittstelle von Medientechnologie und Inhalten. Das setzt dann neue, kombinierte Fähigkeiten der Mitarbeitenden voraus. 

 

Wie beurteilst Du die Arbeit des Branchenverbandes Expo Event Swiss LiveCom Association in der momentanen Krise?

Unser im Milizsystem geführter Verband hat ein komplexes und vielfältiges Krisenspektrum ausgezeichnet bewältigt. Unser Vorstand hat, parallel zum Tagesgeschäft jedes Einzelnen, einen sehr guten Job gemacht. Der Verband hat schnell reagiert und den Mitgliedern aktive Unterstützung und Beratung angeboten. 

 

Welche Botschaft hast Du an die Live Kommunikationsbranche?

Menschen haben das Bedürfnis nach persönlicher Begegnung, daran wird auch die Digitalität nichts ändern – im Gegenteil. Es wird in der Live Kommunikation weiter gehen. Wir müssen uns aber interdisziplinärer aufstellen, uns weiterbilden in neuen Technologien. Das ist für mich die wichtigste Lehre aus der momentanen Situation.

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