«Weiterhin Gas geben»

Johannes Plass ist im Beirat der IAA International Autombilausstellung, die von Frankfurt nach München gezogen ist. Im Interview mit Expodata Live Kommunikation spricht er über die Zukunft von Events und darüber, wie Mutabor den Übergang ins Home Office schmerzlos vollzogen hat.

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Expodata: Wie sieht ein Corona-Tag im Leben von Johannes Plass und von Mutabor im Gegensatz zu einem früheren Tag aus?

Johannes Plass: Ich bleibe zu Hause, reise nicht mehr, die gesamte Kommunikation läuft über Teams von Microsoft oder das Smartphone. Man könnte sagen, ich bin innerhalb von einer Tirolreise in die Arbeitssituation versetzt worden, der ich vorher sehr kritisch gegenüberstand und deren Vorteile ich jetzt nach und nach erkenne.

 

Was sind die grössten Herausforderungen für Mutabor im Moment?

Klar ist, dass alles, was mit Veranstaltungen zu tun hat, gerade sehr schwierig ist. Erst wurden Projekte verschoben, dann abgesagt. Neues kommt nur sehr mühsam zustande. Das alles schlägt enorm in den Finanzen auf. Zum Glück haben wir neben dem Live Business noch andere wesentliche Geschäftsbereiche, die stabil sind. An dieser Stelle muss man diejenigen Unternehmer loben, die weiterhin Gas geben.

 

Wird Corona sich je wieder einpendeln und Geschäfte, wie wir sie gewohnt waren, ermöglichen? Wird es zu positiven Transformationen, auch in der Live Kommunikationsbranche, führen?

Ich denke, die Sehnsucht nach menschlichem Austausch wird bleiben. Das zeigt uns die Geschichte. Auch nach der Pest sind Menschen wieder auf Marktplätzen zusammengekommen, um mal ein plakatives Beispiel zu nennen.

Wir sehen im Wesentlichen drei Auslöser:

Die Arbeitsweisen werden sich massiv verändern. Wir werden anstelle von Business-Meetings vor Ort deutlich mehr digitale Meetings abhalten. Das, was jetzt alle im Homeoffice erlernen wird in Zukunft bleiben. Reisen für Projekte werden massiv abnehmen, was man ja nur begrüssen kann.

Live-Formate, die überleben, werden nach Corona wesentlich digitaler. Die digitale Experience und die digitale Aufbereitung von Ausstellungsinhalten werden ein neuer Zweig der Live-Com werden.

Menschen werden noch bewusster entscheiden, welchen Event sie in Zukunft besuchen. Die grossen und inhaltsstarken Formate werden prosperieren, B-Klasse Events werden verschwinden.

 

Nehmen wir das Beispiel der Automobilmesse, die sich, wie viele Branchenmessen in der Transformation befinden. In Ihrem Artikel in Horizont wird gesagt, die IAA möchte mehr «Austauschplattform» werden. Sie sagen «hin zu mehr thematischem Austausch und Fahrerlebnis für alle» oder «durch eine Stärkung des Themas Conferencing in den Dialog zu treten». Das tönt für mich immer noch ein bisschen nach «old economy», nach altem Wein in neuen Schläuchen. Von «Vernetzung» der Ausstellerkunden mit den IAA-BesucherInnen finde ich im Interview überraschenderweise nichts. Weshalb?

Das neue IAA Format setzt auf die Teilung der Zielgruppen, die vormals eher durch Besucherbeschränkungen, erst Presse, dann Fachpublikum, dann Publikum, gegeben war. Zukünftig soll der Dialog gepuscht werden, indem die Fachleute sich auf einem B2B Summit inklusive Konferenz austauschen, während das Publikum im Open Space mehr in Kontakt mit den Zukunftskonzepten haben soll. Das Ganze wird verknüpft durch einen digitalen Layer, der das gesamte Ausstellung- und Content-Angebot zusammenführt und perspektivisch noch viel mehr können wird. Und ein Presseartikel ist immer nur ein Ausschnitt. Ich denke gerade, der Dialog wird durch das neue Konzept sehr gefördert. Noch sind ja nicht alle Details des neuen Konzeptes vorgestellt worden, ich kann da nur um Geduld bitte. Das was da gerade zwischen dem VDA, München und anderen Beteiligten entsteht, wird für sich sprechen.

 

Thema könnte auch die «IAA 365/24/7» sein, eine Onlineverlängerung, nicht Ersatz, der Messe an 365 Tagen im Jahr. Sind solche Themen im Blickfeld des VDA?

Die IAA wandelt sich zur Plattform. Das impliziert auch eine digitale Offensive. Man muss sicherlich schauen, wie schnell man diese Transformation schafft.

 

Wie hat Mutabor auf Corona reagiert und wie lassen sich für Mutabor und die Live Kommunikationsbranche Chancen generieren?

Nun, an erster Stelle steht natürlich die Gesundheit unserer Mutaborianer. Wir sind schnellstmöglich alle ins Homeoffice gewechselt und haben an dieser Stelle unserer IT viel zu verdanken. Man kann sagen, wir sind weitestgehend problemlos umgezogen. Die Chancen für die Live-Com stehen gerade nicht zum Besten, da aktuell niemand planen kann. Erst wenn der Virus besiegt ist und wir die Gegenmittel in der Hand haben, werden Live-Formate wieder boomen. Die Frage ist, wieviel Marktteilnehmer die Krise überleben. Von daher sehe ich blendende Zukunftsaussichten für Unternehmen mit einem langen Atem.

 

Welche Botschaft haben Sie an die Live Kommunikationsbranche?

Es geht weiter! In 2021.

 

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