«Spagat zwischen hier und jetzt und schon wieder Zukunft gestalten»

Habegger macht Homeoffice. Aber die Kundenprojekte sind davon nicht tangiert. So geht es beim Unternehmen weiter. Expodata Live Kommunikation im Interview mit Jürg Schwarz, CEO von Habegger.

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Expodata: Wie sieht ein Corona-Tag im Leben von Jürg Schwarz und von Habegger im Gegensatz zu einem früheren Tag aus?

Jürg Schwarz: Er sieht aus wie nach einer Vollbremsung von 200 auf 0 – aber ich gebe trotzdem noch Vollgas. So in etwa fühlt sich das an. Mein Tag ist wie schon früher äusserst vielseitig und lebendig. Nur die Themen haben sich geändert. Dazu gehören das tägliche oder sogar stündliche Orientieren und Entscheiden anhand der neuen Gegebenheiten, das Bearbeiten von Eventabsagen oder -verschiebungen sowie das Führen von daraus resultierenden Verhandlungen und Gesprächen mit Kunden und Zuliefern.

Zudem gibt es sehr viele Fragen zu beantworten und neue kreative Lösungen zu entwickeln. Das ist alles nur möglich, dank meinem extrem guten Team und einer super Task Force. Wir haben die verschiedenen Teilprojekte aufgeteilt und jeder kniet sich in sein Thema rein. Der Spagat zwischen hier und jetzt, komplett auf Null fahren und schon wieder die Zukunft gestalten, ist für alle sehr gross. Hinzu kommt natürlich die Gesundheit von Mitarbeitern, deren Familien und meinem Umfeld. Auch da habe ich stets ein offenes Ohr für Sorgen und Ängste.

 

Was sind die grössten Herausforderungen für Habegger im Moment?

Das ist, wie für alle Betriebe in unserer Branche, die Liquiditätssicherung. Hier gilt es, permanent mit allen Parteien in Kontakt zu sein und die Balance zu halten. Sei es mit Kunden, Lieferanten, Partnern oder auch mit den kantonalen und staatlichen Organen. Weiter kommt die Ungewissheit hinzu. Niemand von uns weiss, wie lange die Krise dauern wird. Soll man versuchen, alternative Wertschöpfung zu erschliessen oder besser die ganze Firma 100% in die Kurzarbeit schicken? Auch hier ein grosser Spagat.

 

Wird Corona sich je wieder einpendeln und ein Geschäft, wie wir das gewohnt waren, ermöglichen? Wird es zu positiven Transformationen, auch in der Live Kommunikationsbranche, führen?

Wir sind ja nicht aus wirtschaftlichen Hintergründen in die Krise geraten. Ich bin daher überzeugt, dass die Nachfrage wieder steigen wird, sobald sich die Lage zu erholen beginnt. Leider wird aber auch eine erhöhte Nachfrage nicht ausreichen, die Corona-Krise zu kompensieren. Ich denke, dass sich gewisse Eventformate nachhaltig verändern werden durch diese Krise. Die einen eher im Negativen, die anderen eher im Positiven – aus unserer Sicht gesehen. Lösungen wie hybride oder virtuelle Events werden eher Aufwind bekommen und andere Formate, die aufgrund der Situation heute verkleinert wurden, werden womöglich auch in Zukunft in reduzierter Form stattfinden.

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Wie hat Habegger auf Corona reagiert und wie lassen sich für Habegger und die Live Kommunikationsbranche Chancen generieren?

Wir haben sehr rasch reagiert und bereits anfangs März Kurzarbeit angemeldet. Weiter haben wir sofort eine proaktive und transparente Kommunikation gestartet, um stets allen Stakeholdern die nötige Sicherheit und Klarheit zu vermitteln. 
Neue Chancen sind bereits entstanden. Seit ein paar Jahren haben wir neben dem klassischen Veranstaltungsbusiness (Bild: Live Streaming von Habegger) erfolgreich weitere Dienstleistungsbereiche etabliert. Dazu gehören die Entwicklung und der Bau von Visitor Center, Erlebniswelten, Ausstellungen und Museen. Dies ist auch der Bereich, in welchem die Anfragen aktuell in der Krise weiter zugenommen haben. Wir beobachten generell bei vielen Kunden, dass diese mehr und mehr Budget in fixe Erlebniswelten und nicht nur mehr nur in temporäre Events investieren. Budgets haben sich hier zum Teil verlagert.

 

Welche Botschaft haben Sie an die Live-Kommunikations-Branche?

Wir müssen zusammenhalten. Wir sind eine kleine Branche mit einer grossen Ausstrahlung. Wir konnten uns durch die Krise bereits gutes Gehör verschaffen. Dies sollten wir nun nutzen, um uns besser zu organisieren. Auch sollten wir uns dafür einsetzten, dass wir in der Politik und Wirtschaft besser vertreten sind. 

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