«Wir müssen uns entscheiden, ob wir zu den Leadern oder den Losern gehören wollen»

An der Business Innovation Week Switzerland (BWI) stehen Digitalisierung, Marketing und Branding-Trends sowie neueste Technologien für die moderne Arbeitswelt im Fokus. Initiantin und Unternehmerin Ewa Ming hat sich auf die «Mission Innovation» begeben.

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MK: Ewa Ming, was treibt Sie an?

Ewa Ming: Ich bin eine Erschafferin, denke sehr kreativ und innovativ. Als Unternehmerin muss man immer mit etwas Neuem kommen. Stillstand ist wie der Tod, und da sich die Messelandschaft verändert hat, ist mein innerer Antrieb, vorwärtszugehen.

 

Fühlen Sie eine Art Berufung?

Ja, meine Berufung ist es, eine Plattform zu schaffen, die Menschen zusammenbringt und begeistert. Ich baue auf bestehenden Werten auf, versuche aber, die neuen Bedürfnisse aufzunehmen und etwas Sinnstiftendes zu machen. Mit Innovation geht’s in eine bessere Welt.

 

Haben Sie ein Innovation-Gen?

(lacht) Ja tatsächlich! Das hat Vor- und Nachteile: Einerseits habe ich gerne Verschiedenes gemacht, andererseits konnte ich mich nie für etwas entscheiden.

 

Sind Sie eine Perfektionistin?

Neugierde und Freude treiben mich, perfekt muss es nicht sein. Wenn ich etwas Faszinierendes sehe, möchte ich mehr darüber erfahren. Dadurch bin ich gut vernetzt.

 

Würden Sie sich als Netzwerkerin sehen?

Netzwerken kann jeder. Mag man Menschen, ist man automatisch Netzwerkerin. Ich mache das einfach systematisch und «sammle» Menschen, denn ich brauche bei meinen Projekten ein tolles Netzwerk. Doch nicht das Netzwerken, sondern das Zusammenbringen von Menschen macht mir Freude. Ich bin lieber Gastgeberin einer Plattform, das Netzwerk entsteht dabei automatisch.

 

Was ist das Ziel mit der BIW?

Unser neues Eventformat ist ein Treffpunkt, bei dem Menschen aus verschiedenen Berufen und Branchen, die etwas bewegen möchten, an Diskussionsrunden teilnehmen und über neue Ideen und Geschäftsmodelle reden können. Der Spirit soll dabei offen sein. Es soll nicht gewertet werden, sondern das Mindset soll verbinden. Es wäre schön, wenn eine solch offene Dialogplattform zu einer festen Grösse würde. Wir starten jetzt mit der Innovation Week. Aber von der Grösse her könnten sich um die BIW herum noch weitere, speziellere Events.

 

Wie sehen Sie die Schweiz als Innovations-Hub?

Einerseits gibt es diese innovative, sehr starke Start-up-Szene, die sich gerade entwickelt, und grössere Firmen, die die BIW mittragen, finanzieren und unglaublich viel zu dieser Innovationskraft beitragen. Andererseits gibt es aber auch das «typisch Schweizerische ». Die Unternehmer selbst sind oft nicht die Innovativsten, sondern die Basis, die nachrückt – die Digital Natives, die Generation Z, die jetzt kommt. Ich erlebe zwei Welten. Eine tolle, urbane Struktur, die funktioniert. Das KMULand Schweiz ist nach wie vor geprägt von Unternehmen, die oft von eher älteren Männern geführt werden mit einer eher konservativen Haltung. Und das Thema Frauen und Tech ist noch nirgends richtig angekommen.

 

Was raten Sie den Frauen?

Auch wenn ich Netzwerkerin bin, da draussen gibt es ganz starke Männer, denen frau auf Augenhöhe begegnen will. Ich rate den Frauen etwas, das ich selbst hart lernen musste: «Go for it!» Sich nicht unterkriegen lassen. Das hängt stark mit dem Mindset zusammen – auch bei mir. Ich war zu Beginn meiner Laufbahn auch nicht vorne an den Flipcharts, sondern die Dienende. Ich merkte, dass ich das ändern muss. Durch Übung und Hartnäckigkeit habe ich mir das hart erkämpft. Heutzutage fällt einem immer noch nichts in den Schoss.

 

Sind Frauen so gut vernetzt wie Männer?

Die jungen heutzutage lernen und machen das so. Das finde ich super, weil wir uns so auch gegenseitig helfen. Aber es gibt noch einen starken Filz. Dieses Stammtisch- Bierkollegen-Verhalten. Als Frau in der konventionellen Rolle der Bittstellerin – das kostet Kraft. Solange die Balance nicht da ist und ich mehreren Männern gegenübersitze, dann wirkt einfach die Natur der (männlichen) Energie. Und deshalb ist diese offene Plattform der Business Innovation mein Ziel. Sie bezieht viele tolle Menschen mit ein – auch tolle Frauen. Alle können diskutieren und behandeln nicht nur harte Businessthemen. Auch das Vernetzte, Kreative soll zur Geltung kommen – ein anderer Spirit eben. Es gibt mehr als all die grossen Konzerne. Ich finde es wichtig, möglichst viele Unternehmer/innen, Innovatoren/-innen, Mitarbeitende zu vernetzen. Genau das ist für mich auch eine Essenz von Innovation. Klingt fast schon philosophisch.

 

Ja, das stimmt, wie viel Philosophie steckt in der BIW?

Sehr viel – neu denken und neu handeln! Aber wie kriege ich das in die Köpfe? Wir kommunizieren das jetzt mit der Geschichte der «Fliege Erika».

 

Wie meinen Sie das?

Die Stubenfliege ist die Komplizin der Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin, des New Work Pioneers Florian Wieser und des Pestizidherstellers Dr. Hans-Dietrich Reckhaus. Der Unternehmer produziert eigentlich Schädlingsbekämpfungsmittel, aber irgendwie musste es für Reckhaus noch mehr geben, als Gift zu produzieren. Unterdessen ist er zum grössten Insektenretter geworden, er geht auf Tour mit der Stubenfliege Erika und gewinnt mit der Idee Preise.

 

Ein Pestizidhersteller, der zum Insektenretter wird?

Das war für mich genau das Symbol für dieses Neu-Denken. Eine neue Dimension, einen Wert schaffen und sinnstiftend einbringen. Es liegt an uns, etwas zu bewegen und zu verändern. Das entspricht auch meinem Sinn. Es gibt in der Schweiz ein Heer gleichdenkender Leute, und jetzt schwimmt dieser Typ gegen den Strom und schafft etwas Nachhaltiges. Mit der Hilfe der Artonomisten Riklin, Riklin, Wieser soll die BIW genau das auslösen und unsere Denkweise beeinflussen. Unkonventionelle, andersdenkende Perspektivenwechsel. Schön wäre es, wenn Erika und mit ihr die BIW die Leute bewegt und berührt.

 

Diese philosophische Ebene war mir vor diesem Gespräch noch gar nicht bewusst.

Es ist gar nicht so einfach, das rüberzubringen. Die Business Innovation Week bewegt sich auf einer anderen Ebene. Wir möchten uns nicht mit einem Digital Festival vergleichen, wo es um die Referate geht. Mit der Live Experience Expo, Future Conference und Academy wollen wir die Teilnehmenden wirklich bewegen.

 

Wie werden die einzelnen Tage der BIW thematisiert?

Es gibt Thementracks, die dem Besucher klar zeigen, welcher Tag für ihn persönlich relevant ist. Wenn er Marketeer ist, geht er am Donnerstag. Der Mittwoch ist eher der Tech-Day, am Dienstag New Management und Innovationskultur – da geht es um Mindset- Change und darum, Mitarbeitende mitzunehmen in die Thematik.

 

Das übergeordnete Philosophische hat mir deutlicher gezeigt, wo Sie das Ganze ansiedeln.

Es geht hier nicht nur um Vorträge. Manche Menschen können nur schwer aus ihren Denkboxen rausgeholt werden. Junge und coole Menschen sind offen und daran gewöhnt, ein internationales Umfeld zu haben. Sie denken anders. Ich wünsche mir, dass die BIW-Besucherinnen und Besucher diese «Magie der Innovation» spüren und offen dafür sind. Denn wir bieten ein Paket an Information und Inspiration, das dazu befähigt, neue Wege zu gehen. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns alle entscheiden müssen, ob wir in diesen Zeiten des fundamentalen Wandels zu den Losern oder Leadern gehören wollen. Antworten darauf gibt die Business Innovation Week.

 

Fühlen Sie sich manchmal allein mit dieser Denkweise?

Alleine fühle ich mich nicht, aber alleine ist man am Schluss mit den Aussagen (lachen beide). Irgendwie beginnt alles aufzugehen. Momentan verausgabe ich mich, aber ich glaube an das, was ich mache, und das ist für mich das Allerwichtigste.

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