1 Jahr TikTok Ranking Schweiz: Welche Unternehmen erfolgreich sind

Im April 2020 hat Mike Schwede das erste TikTok Ranking Schweizer Firmen lanciert. Nach einem Jahr Ranking hat der Experte die Daten tiefer betrachtet und per Crawler Metadaten der 30 letzten Videos der erfolgreichsten sowie auch schlechtesten Schweizer TikTok-Brands analysiert und zieht daraus die Learnings. Welche Unternehmen sind aktiv? Und welche auch erfolgreich dabei?

Innerhalb eines Jahres ist TikTok in der Schweiz um mehr als 30 Prozent in Bezug auf User gewachsen. Auch die Aktivität bei den Videoviews stieg um rasante 55 Prozent. Schweizer User verbringen im Schnitt weitaus mehr als eine Stunde pro Tag auf TikTok. Erfolgreiche Firmen sollten also mindestens auch 30 Prozent wachsen, um «bei den Leuten zu bleiben».

Schweizer Firmen sind auf den Zug aufgesprungen und erfolgreich

Hatten wir noch im April 2020 18 Schweizer Firmen auf TikTok entdeckt, waren es im Mai 2021 schon mehr als 100. All diese Marken haben mehr als 4000 TikToks in diesem Jahr veröffentlicht und sich von ursprünglich 743’000 Likes auf mehr als 24 Millionen hochgearbeitet. Vieles ist inzwischen bereits professionalisiert: 57 Prozent der Accounts sind Business Accounts – 38 Prozent sind auch verifiziert. 41 Prozent nutzen noch Privat- oder Creator-Accounts.

Zu den grossen Like-Sammlern gehören Red Bull, die Uhrenmarke Rado und YB. Auch in Bezug auf das Follower-Wachstum konnten die drei Brands punkten.

Der Erste muss nicht der erfolgreichste sein

Im Ranking wird insbesondere auf die Likes pro Video geschaut, um einzelne Querschläger zu relativieren und Unternehmen höher zu ranken, die langfristig spannenden Content generieren. Dabei auffällig, aber nicht verwunderlich: die anfänglichen Erfolge sind schwer zu halten.

Coop, der Sieger im ersten Ranking mit rund 30’000 Followern und 512’800 Likes, ist auch im Mai 2021 noch unter den Top 3 und konnte die Follower und Likes um rund 60 Prozent steigern. Neben Migros und SBB ist dies aber die einzige Marke, die ihren Platz in den Top 20 verteidigen konnte. Alle anderen Brands sind um viele Dutzend Plätze abgestiegen. Early Bird sein kann also ein Vorteil sein, ist aber kein Garant für einen Spitzenplatz. Die höchsten relativen Zuwachsraten hatten SBB, das BAG und EF Schweiz bei den Followern sowie bei den Likes – im 4-stelligen Prozentbereich. Bei den Likes verloren haben hingegen nur zwei Marken: Lenzerheide und Swatch. Die Annahme ist, dass ein paar Videos gelöscht wurden.

Besonders Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich (21,6%), Medien (19,6%) und Tourismus (11,8%) sind auf TikTok aktiv. Medien und Formate wie Tataki, Zwei am Morge, Energy und eigentlich auch Red Bull sammeln am meisten Likes und Follower. Bei den Top-Likes pro Video sind aber die Konsumgüter führend.

Es lohnt sich früh auf den TikTok Zug aufzuspringen. Jetzt sind die User noch offen für spannende Brands. In einem Jahr werden sie wählerischer sein.

Was beeinflusst die Reichweite?

Das Grundprinzip ist bekannt: TikTok ist eine Viralmaschine und es ist nicht wichtig, wie viele Follower man hat, um grosse Reichweiten zu erzielen und um bei den Usern auf der Foryou-Page zu landen.

Bei den Grafiken sieht man: Rado hat die Nase vorn bei den Views pro Video – durch boosted/paid TikToks. Bei den Shares und Comments pro Video sieht dies anders aus. Blue Sports und Radio Energy schaffen es immer wieder, virale Knaller zu produzieren, die häufig geteilt werden.

Bei der Analyse der eigentlichen Videos konnten fünf Muster feststellt werden.

  • Follower sind nicht relevant: Ob Top 10, Top 20 oder Mittelfeld: Bei den Analysen konnte keinen Zusammenhang zwischen Anzahl Followers, Views und Likes feststellt werden.
  • Aktivität: Die erfolgreichsten 20 Schweizer Firmen auf TikTok haben das vier- bis fünffache gepostet, als die letzten 20 und dafür ein vielfaches an Followers (60x) und Likes (1100x). Auch die Likes je Beitrag sind um 366x höher. Vergleicht man hingegen die Anzahl Beiträge der Top 10 und der restlichen Top 20, scheint die Anzahl der Beiträge dort keinen Einfluss zu haben.
  • Trendige Sounds, die man von den Privat-Accounts kennt, müssen von Firmen nicht unbedingt aufgegriffen werden. Guter Inhalt reicht, um viele Views, Likes und Shares zu generieren. Top Videos kommen häufig ohne Sound (Sprache, Lipsyncs etc.) oder mit generischer, lizenzfreier Musik aus und haben schlicht gute Stories.
  • Videos mit überdurchschnittlichen Views haben fast immer auch überdurchschnittlich viele Kommentare. Des Öfteren auch überdurchschnittlich viele 1. Likes und 2. Shares. Es ist bekannt, dass für die Viralität auch die Average View Time wichtig ist, nur kann diese von aussen nicht überprüft werden.
  • Einen grossen Einfluss hat auch die Bewerbung, insbesondere das Boosting von organischen TikToks. Wie bereits erwähnt, fällt Rado bei den Top 10 immer wieder auf. Hier sind alle der letzten 30 analysierten Videos beworben worden. Auch bei Accounts ausserhalb der Top 10 wie beispielsweise Nikin wirkt sich Ad Boosting positiv auf Views, Like, Comments und Shares aus.
Bei Rado sind alle Posts fürs Boosting freigeschaltet.
Auch Nikin nutzt die Vorteile von Boosted Ads.

Wie geht’s weiter?

TikTok legt zum einen ein rasantes Wachstum bei den Usern, aber nun auch bei den Firmen hin. Die Qualität des Contents ist hoch und sehr kreativ. Keine uns bekannte Plattform ermöglicht gerade kleinen Brands organisch und viral so viele Personen zu erreichen und rasch zu wachsen, wenn man den Sweet Spot in der Content Strategie gefunden hat.

TikTok ist inzwischen bei unseren Kunden und bei Neukunden-Briefings ein fixer Bestandteil im Digital-Media-Mix. Dies sicher auch, weil der Grossteil der TikTok User über 18 ist und auch andere Segmente erreicht werden können, die nicht auf Instagram, Snapchat oder Facebook aktiv sind. Wir persönlich schätzen zudem das sichere Brand-Umfeld – keine Fake News etc. – und den unkomplizierten und direkten Kundenservice, den TikTok im Gegensatz zu den Mitbewerbern bietet.

Der Tausenderkontaktpreis auf TikTok ist im Vergleich zu anderen Social-Media-Plattformen um das Fünf- bis Zehnfache tiefer. Auch Klickpreise und Engagement Rates inklusive Paid-Follower-Zuwachs sind beeindruckend. Die Preise sind bis anhin sehr stabil geblieben und haben sich nicht merklich erhöht. Auch die Performance der Kampagnen ist über das Jahr beeindruckend hoch geblieben, solange der Content stimmt. Nichtsdestotrotz predigt TikTok ja selbst: Create TikToks not Ads! Are you in?


* Mike Schwede ist Digital Digital Strategist, Entrepreneur, Speaker und Dozent an verschiedenen Schweizer Hochschulen wie BFH, MAZ, ZHAW ML & ZHAW AL und der Uni Basel. Er ist Mitgründer von Goldbach Interactive (exit), der Content Marketing Software Cooala und von Powdience – Data Driven Personas.

Im April 2020 hat Schwede das erste Schweizer TikTok Ranking lanciert. Das aktuelle TikTok Ranking Schweizer Unternehmen befindet sich jeweils auf Mike.schwede.ch/tiktokranking und wird regelmässig auf Werbewoche.ch veröffentlicht. 

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