Diese Schweizer Medien sind bereits auf Tiktok

Am 20. November startete die deutsche Tagesschau ihren Tiktok-Auftritt. Elf Tage später knackte sie bereits die 100’000-Follower-Grenze. Chance gesehen, Chance gepackt. Ein Social-Media-Märchen. Doch schnell wurde Kritik laut. Muss die Tagesschau jetzt auch noch auf Tiktok? Leo Wehrli findet: Ja! In der Schweiz haben wir in diesem Bereich noch eine klaffende Lücke.

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News-Deprivierte erreicht man nur noch über Social Media

Es ist nicht nur akzeptabel, dass Medien auf Social Media präsent sind. Es ist zentral. Sonst läuft man Gefahr, die sogenannten News-Deprivierten zu verlieren.

News-Deprivierte sind Menschen, die bewusst oder unbewusst nur wenig (national relevante) News konsumieren. In der Schweiz machen sie laut dem Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) 36 Prozent der Bevölkerung aus. Diese Menschen erreicht man nicht mehr mit den klassischen Produkten eines Medienhauses (Zeitung, App, Website). Sie treffen nur noch beiläufig auf News – via Google, Aggregatoren oder eben Social Media. 

Die Gruppe der News-Deprivierten ist in den letzten 10 Jahren um 15 Prozent gewachsen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Bei den unter 29-Jährigen konsumieren bereits 56 Prozent so ihre News.

Eine klassische Medienmarke läuft somit Gefahr, für einen wachsenden Teil der Bevölkerung praktisch unsichtbar zu werden. Darum muss sie auf Social Media. Und der neue Rising Star heisst Tiktok.

 

Die Schweiz überrascht auf Tiktok

Das SRF hat auf den ersten Blick zwar noch keine Tiktok-Präsenz, die Privatmedien wagten aber bereits erste Gehversuche. Manche mit erstaunlichem Erfolg. 

Radio Energy, das seit Monaten das Storyclash-Ranking anführt, weiss auch auf Tiktok, wie man Viralhits produziert. Seit Ende Oktober veröffentlicht das Team Videos auf Tiktok. Das erfoglreichste ging um die Welt – fünf Millionen Menschen haben es gesehen, und das bei 44’000 Followern.

Venty, die Jugendmarke von 20 Minuten, ist Energy auf den Fersen. Mehrere Videos knackten bereits die Marke von einer Million Views. 24’000 Menschen folgen Venty auf Tiktok. Damit hat Venty auf Tiktok mehr Follower als auf Facebook und Instagram kombiniert. Auch unter der Marke 20 Minuten werden Videos publiziert. Zu Beginn wurde (leichte) Newskost aufgetischt, inzwischen ist Tiktok-typische Unterhaltung zu finden. 

Energy und Venty demonstrieren perfekt das Phänomen, dass jeder auf Tiktok mit dem richtigen Inhalt Millionen von Views erreichen kann – ohne zu bezahlen. 

Andere klassische Newsmarken wie den Blick, Tages-Anzeiger oder die NZZ findet man noch nicht auf Tiktok. 

Überraschenderweise fehlen auch zwei Medienmarken, die eine junge Zielgruppe ansprechen und somit eigentlich prädestiniert wären für einen erfolgreichen Tiktok-Auftritt: Watson und Izzy. Supercedis Schalk ist wie gemacht für die Kurzvideo-Plattform. Ebenfalls überraschend: Teleclub Sport und die Südostschweiz sind mutiger und seit Kurzem aktiv. Ob ihnen der nächste Viralhit gelingt?

 

Nichts Neues im Newsbereich

Eins fällt auf beim Durchstöbern der Tiktok-Accounts: Nirgendwo gibt es News. Ein Beispiel wie die deutsche Tagesschau, die neben unterhaltsamen Videos auch über die Hongkong-Proteste oder die Unmengen an Paket-Retouren durch Online-Shopping berichtet, sucht man vergebens. 

Eine Lücke, die nur darauf wartet, gefüllt zu werden. Ob auch bei uns in der Schweiz das öffentliche Medienhaus SRF einspringt? Die News-Deprivierten würden es ihm danken.

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