Neue Supermarktgesellschaft: Migros bleibt vage

Am Montag beginnt die Planung der neuen zentralisierten Migros Supermarkt AG. An einem Mediengespräch hat die Führungsriege der Migros ihre Absichten erklärt – Konkretes kam dabei jedoch kaum heraus.

Im Kern will die Migros mit der Zentralisierung der Supermärkte die Verwaltung verschlanken und effizienter werden. Und das alles natürlich für die Kundinnen und Kunden, wie die Führung am Freitag vor den Medien immer wieder betonte. «Unser Ziel ist es, die beste Preis-Leistung anzubieten, das wurde in letzten Jahren immer schwieriger», sagte der Chef des Migros-Genossenschafts-Bundes MGB, Mario Irminger.

Denn inzwischen ist die Migros – und das liess die Führungsriege durchblicken – von der Konkurrenz abgehängt worden: «Die Migros hat Marktanteile verloren und an Effektivität eingebüsst», sagte Irminger. Und vielleicht sei sie sich dabei «teils selbst im Weg» gestanden, räumte der seit Mai amtierende CEO ein.

Ein Grund dafür ist die komplizierte Organisation. Auch wenn die «föderalistische» Organisation ihre Vorteile habe, «komme es manchmal vor, dass die Migros ein bisschen belächelt wird, weil sie so kompliziert aufgestellt ist», gab Migros-Präsidentin Ursula Nold zu.

Zentralisierung und verkleinerte Verwaltung

Bei der Migros war man sich deshalb einig: In der alten Form kann es nicht weitergehen. Die Führung raufte sich zusammen und prüfte Optionen. Ein Abrücken von den Regionalgenossenschaften lehnten die Verantwortlichen aber ab. «Die Fusion der Regionalgesellschaften wäre zwar ökonomisch eine Möglichkeit, findet aber in der föderalistisch organisierten Migros keine Mehrheit», betonte Irminger.

Die schon im Mai getroffene Entscheidung für eine Neuaufstellung lautet deshalb so: Das Supermarktgeschäft, das vorher von den zehn regionalen Genossenschaften in Eigenregie organisiert wurde, wird unter einem Dach zusammengeführt. Diese neue Migros Supermarkt AG (MSM) wird eine Tochter des MGB mit Sitz am Zürcher Limmatplatz, wo auch der MGB zuhause ist.

Im Verwaltungsrat der neuen Migros-Tochter sind fünf Abgesandte der Regionalgenossenschaften Luzern, Ostschweiz, Aare, Wallis und Tessin sowie mit Migros-Chef Irminger und Hubert Weber zwei Vertreter des MGB dabei. Laut den Verantwortlichen gehört die MSM zu 70 Prozent den Regionalgenossenschaften und zu 30 Prozent dem MGB.

Zudem wird die MGB-Verwaltung, also quasi der Migros-Verwaltungsrat, verkleinert von bislang 23 auf neu 14 Mitglieder. Unter anderem fallen die im MSM vertretenen Genossenschaften aus der MGB-Verwaltung raus. Somit sind dort also künftig statt bislang zehn noch fünf Regionalgenossenschaften vertreten, und zwar Neuchâtel-Fribourg, Basel, Waadt, Genf und vor allem die mächtige und mit Abstand umsatzstärkste Genossenschaft Zürich.

Genossenschaften haben Zuständigkeiten ausgeknobelt

Die Migros-Führung betonte, dass die Genossenschaften untereinander ausgemacht hätten, wer in der MGB-Verwaltung und wer im MSM-VR Einsitz nimmt. «Es ist auch wichtig, dass eine grosse Genossenschaft weiterhin im MGB vertreten ist», sagte die MGB-Präsidentin Ursula Nold auf die von verschiedenen Seiten geäusserte Kritik, dass die wichtige Genossenschaft Zürich gar nicht im neuen Supermarktgesellschaft vertreten ist.

Die Leitung der neuen Supermarkt-Tochter übernimmt, wie am Donnerstag bekannt wurde, Peter Diethelm, früherer Chef der Migros Genossenschaft Ostschweiz. Er beginnt schon kommenden Montag mit der Planung der neuen Supermarkt AG. Ab dem neuen Jahr wechseln dann die ersten Mitarbeitenden vom MBG zur MSM, zuerst die 700 Angestellten der Abteilung Marketing. Zentrale Aufgaben wie das Marketing sollen ab dann von der neuen Organisation aus gesteuert werden, ebenso wie zum Beispiel die Logistik.

Zu den konkreten Effekten auf die Kosten wurde eisern geschwiegen. Er selbst verfüge aber über eine genaue Aufstellung des Kostensparpotenzials, falls die Neuorganisation gelinge, sagte Diethelm. Genaue Zahlen nannte er nicht.

Diethelm sagte nur so viel: «Mittelfristig peilt der MGB eine vernünftige, branchenübliche EBIT-Marge von 2,5 Prozent an». Zum Vergleich: Die EBIT-Marge der Migros lag 2022 bei 2,1 Prozent. «Aber es geht ohnehin nicht nur darum, Kosten zu sparen, sondern auch darum, Marktanteile und Umsatz zu gewinnen», so Diethelm.

Stellenabbau nicht ausgeschlossen

Auch was einen möglichen Stellenabbau betrifft, liess sich die Migros-Führungsriege keine konkreten Aussagen entlocken. «Das können wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausführen», sagte Migros-Chef Irminger, räumte jedoch ein, dass es «punktuell zu Veränderungen kommen» könne. Die Migros werde bei allfälligen Entlassungen aber «sehr sozial» vorgehen.

Doch er betonte auch, dass aktuell nicht nur einfach ein Fachkräfte-, sondern auch ein allgemeiner Arbeitskräftemangel herrsche. «Wir haben aktuell über 2000 offene Stellen, die wir nicht besetzen können», sagte er. (SDA)

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