Onlinehändler warten mit dem Direktverkauf über Social Media noch ab

Social-Media-Shopping liegt im Trend, dennoch will fast die Hälfte der Schweizer Onlinehändler die angekündigte Möglichkeit zum Direktverkauf über Facebook und Instagram noch nicht nutzen. Viele erwarten durch Social Commerce künftig aber eine Erhöhung des Absatzes, wie eine neue Studie der ZHAW zeigt.

Auf Facebook und Instagram können künftig auch Schweizer Nutzende beworbene Produkte direkt in der Plattform bestellen, ohne dafür zum Webshop des Anbieters zu wechseln. Dieser Prozess wird «Direct Checkout» genannt.

Die Schweizer Onlinehändler geben sich gegenüber dieser neuen Funktion noch zurückhaltend: 42 Prozent der befragten Unternehmen stehen der Nutzung kritisch gegenüber und möchten vorerst abwarten. 28 Prozent werden Direct Checkout wahrscheinlich verwenden. Allerdings haben sich erst zwei Fünftel überhaupt aktiv mit dem Thema befasst.

Zu diesen Resultaten kommt eine Studie der ZHAW School of Management and Law. Die Forschenden befragten dafür vom 13. April bis 19. Mai 2021 über hundert Schweizer Onlinehändler sowie Expertinnen und Experten im Bereich Social Media und E-Commerce. Die Untersuchung wurde zusammen mit den Agenturen Webrepublic und B+H Communication sowie dem Beratungsunternehmen Carpathia durchgeführt.

Kein Ersatz für den Onlineshop

«Die meisten Unternehmen bewerten den Direct Checkout als zusätzlichen Verkaufskanal, der ihren bestehenden Onlineshop ergänzen, aber nicht ersetzen wird», erklärt Studienleiter Darius Zumstein vom Institut für Marketing Management der ZHAW. Dementsprechend befürchtet nur etwas mehr als ein Viertel der Firmen, dass die Besuche und Verkäufe im Onlineshop durch die Nutzung der neuen Funktion abnehmen würden. 72 Prozent der Unternehmen erwarten dagegen eine Erhöhung ihres Gesamtabsatzes.

Mehr Spontankäufe

Als weitere Vorteile bezeichnen rund acht von zehn befragten Firmen das nahtlose Einkaufserlebnis für die Kundinnen und Kunden sowie die Förderung von Impulskäufen. Zudem versprechen sich viele Unternehmen eine gezieltere Ansprache und direktere Interaktionen mit ihren Zielgruppen. «Onlinehändler sind oft bereits auf Facebook und Instagram aktiv. Facebook und Instagram Shops ermöglichen ihnen, ihre Kundinnen und Kunden verstärkt dort zum Kauf anzuregen, wo diese einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit verbringen», sagt Zumstein. «Die Möglichkeit, die Produkte gleich dort zu kaufen, wo man inspiriert wird, vereinfacht und beschleunigt den Online-Einkauf massgeblich.» Einen Nachteil des neuen Verkaufskanals sehen rund 80 Prozent der Unternehmen darin, dass die Kontrolle über die Kundendaten bei Meta liegt, der Betreiberin von Facebook und Instagram. 

Beim Verkauf über Social Media – S-Commerce – identifizierten die Forschenden im Vergleich zu klassischen Onlineshops – E-Commerce – in 30 Bereichen fundamentale Unterschiede. Auch geben sie eine Reihe von Handlungsempfehlungen für die Integration von Direct Checkout in die Marketing- und Verkaufsstrategie: Sie raten den Unternehmen beispielsweise, auf den sozialen Netzwerken vorwiegend Konsum- und Gebrauchsgüter zu verkaufen, die Emotionen ansprechen. Zudem sollten sie vorgängig die nötigen Prozesse und Ressourcen klären.

Direct Checkout steht zurzeit erst einigen Onlineshops in den USA zur Verfügung. Der genaue Zeitpunkt der Einführung für Schweizer Nutzende und Unternehmen ist noch offen.

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