HWZ-Studie: Digitale Ethik gewinnt an strategischer Relevanz

Digitale Ethik ist heute ein zentrales und reputationsrelevantes Thema, dem sich die Unternehmen annehmen müssen. Dies zeigt das Stimmungsbarometer 2022 Digitale Ethik der HWZ und des Centre for Digital Responsibility, der die digitale Verantwortung von Unternehmen in der Schweiz jährlich misst.

Cornelia Diethelm, Studiengangsleiterin CAS Digital Ethics an der HWZ und Autorin des Stimmungsbarometer Digitale Ethik.

Die Umfrage zeigt, dass eine grosse Mehrheit der Unternehmen über Erfahrungen mit ethisch umstrittenen Projekten verfügt. Dies betrifft vor allem den Umgang mit gesammelten Daten, die Datenanalysen und -auswertungen unter Einbezug von Kundendaten ermöglichen (77%). Weitere Erfahrungen mit umstrittenen Projekten beinhalten die Datafizierung am Arbeitsplatz (33%) und den Umgang mit neuen Technologien (32%).

Zunehmende Sensibilisierung

Unternehmen sind nicht nur sensibilisiert für den verantwortungsvollen Umgang mit Daten. Die Umfrage zeigt weiter, dass ethische Themen in mehreren Unternehmen bereits in interne Richtlinien und Prozesse integriert wurden: Jede zweite Person gibt an, dass das Datenmanagement (51%) sowie die Datenstrategie (46%) entsprechende Vorgaben enthält. Oft existiert eine Ethik-Richtlinie (38%) oder sie ist zumindest geplant.

Generell zeigt sich gemäss Studienleiterin Cornelia Diethelm eine Standardisierung: «Grosse Unternehmen verfügen über Vorgaben im Rahmen des Datenmanagements, der Datenstrategie und sie haben eine Ethik-Richtlinie. Unabhängig von der Grösse wird aber in vielen Unternehmen an ethischen Vorgaben gearbeitet, was unsere neue Umfrage erneut bestätigt hat. »

Ethik ist Chefsache

Die Umfrage zeigt ausserdem, dass Digitale Ethik auf der Chefetage präsent ist: Die Geschäftsleitung gehört zu den wichtigsten internen Befürwortern. «Digitale Ethik ist gelebte digitale Verantwortung. Für Unternehmen ist es eine weitsichtige Investition in gute Kundenbeziehungen», sagt Ralph Hutter, Head of Product Development and Research am HWZ IDB.

Die zentralen Treiber der digitalen Ethik in Unternehmen sind aber Personen aus dem Datenschutz. Unterschiede verdeutlichen, dass innerhalb eines Unternehmens auch Ziele verfolgt werden, die sich widersprechen. «Die bewusste Auseinandersetzung mit Digitaler Ethik kann helfen, interne Zielkonflikte systemisch anzugehen. Geschäftspraktiken müssen mit ethischen Richtlinien in Einklang gebracht werden, welche die Werte des Unternehmens widerspiegeln und auch von aussen entsprechend wahrgenommen werden», betont Diethelm.

Kund*innen wünschen Datensicherheit

Die Umfrage macht ersichtlich, dass Unternehmen die Erwartungen ihrer Kundinnen und Kunden ernst nehmen. Unternehmen können sich als attraktive Arbeitgeber positionieren, wenn sie das Thema Digitale Ethik ernst nehmen. Wer verantwortungsvoll mit Daten umgeht, investiert nicht nur in gute Kundenbeziehungen. Das Unternehmen kann sich auch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, indem es sich als vertrauenswürdiges Unternehmen positioniert, gerade angesichts ausländischer Konkurrenten.

Der Studie zufolge fehlt es generell flächendeckend an notwendigem Wissen, wie Digitale Ethik in das eigene Unternehmen integriert werden kann. Die Nachfrage nach Aus- und Weiterbildungen zur Integration ethischer Aspekte in die Unternehmen steigt.


Das Stimmungsbarometer Digitale Ethik misst die digitale Verantwortung von Unternehmen in der Schweiz und wurde von der HWZ zusammen mit dem Centre for Digital Responsibility (CDR) durchgeführt. Autorin ist Cornelia Diethelm, Studiengangsleiterin CAS Digital Ethics an der HWZ. An der Umfrage, die von Mitte November bis Ende Dezember 2021 durchgeführt wurde, haben 225 Personen teilgenommen. Die Erhebung findet jährlich statt.

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