Last Christmas – (k)ein Reim auf 2017

Das Editorial von Chefredaktorin Anne-Friederike Heinrich aus der Werbewoche 21/2017 vom 15. Dezember 2017.

Von drauss’ vom Markte komm ich her
Und muss Euch sagen, es fällt mir recht schwer
Zu sagen ob dieses ein gutes Jahr
Oder ein schwierig’s gewesen war.
Drum ziehn wir, wie mans seit altersher tut,
Am Ende nicht nur einfach den Hut
Sondern – gemischte – Jahresbilanz
Für die Werbewoche mein letzter Tanz:

Der Januar kam mit der Nachricht daher
Schweizer sei’n versiert im Onlineverkehr.
Stets eingeloggt und digital fit
Halten sie mit der Entwicklung mit.
Die schlechte machte die gute Nachricht
Gleich in der Folge rasch zunicht’:
Traditionsmarken verlören in diesem Umfeld
Den Anschluss an die digitale Welt.

Der Februar war ein Trauerspiel
L’Hebdo kam zum letzten Mal.
Zuvor wurde gestritten viel
Was Satire darf – und was keinmal.
Erst Anschlag und dann angeschlagen –
Ein Ende sollt’ heroisch sein.
Doch in diesen Digi-Tagen
Kräht nach einem Blatt kein Schwein.

Fake News gibt es nicht erst seit März
Doch seitdem ist der Enten-Schmerz
Vier Monate nach Trumpens Wahl
Eines jeden Journis Qual.
«Fake hier, Fake da, ihr Lügnerpack!»
Die Achtung sinkt, Vertrau’n wird knapp.

Der April hat uns dann gebracht
Glück mit Lück, der gern viel lacht.
Was ihn wohl kreativer macht
Als in der Werbung manchen andern
Drum durfte Egon zu ihm wandern.

Im Mai begann Hoffnung auf einmal mit R:
Republik macht Bluffern das Leben schwer.
«Verlage werden Handelshaus,
Demokratie zu Wortgebraus,
Journalisten zu Verkäufern,
Kampf den ollen Wiedertäufern!»
Zeigen müssen nun Text und Sender
Dass Journalismus Zukunft hat.
Denn die Menge aller Spender
Wartet auf ein Knaller-Blatt.

Die Schweiz steht häufig aussen vor
Der Juni gibt dafür ein Beispiel
Wer reist mit Telefon am Ohr
Nun roamingfrei erreicht sein Ziel.
Doch gilt das nur in der EU,
Die Schweiz schaut weiterhin nur zu.
Dafür sind wir dann mit dabei
Als wütet der Trojaner.
Zu leiden unter WannaCry
Hatten die Admeir-ianer.

Der Juli war fürs Radio
Ein Monat voller Höhen:
Reichweite macht die Macher froh,
Dauer lässt sich sehen.
Die neue Währung nächstes Jahr
Wird’s noch genauer zeigen,
Ob die Hörer immerdar,
Oder nur selten bleiben.

Im August haben wir Weitsicht vermisst:
Zur Datensicherheit wollten wir
ein Ausbildungstool lancieren.
Und unsere Leser zum Dank
damit kostenlos ausstaffieren.
Da besser fährt, wer vorher fragt
War ein Rundmail angesagt
Agenturen und Firmen fanden allesamt:
«Datensicherheit? Für uns nicht relevant.»
Wenn das mal kein übler Irrtum ist.

Im September in Bern-City
Gingen Journis auf die Strassen
Tamedias neuste Strategie
Nicht gescheh’n zu lassen.
Konzentration geht Hand in Hand
Mit etlichen Gefahren,
Was vom Konzern «Reform» genannt
Dreht sich doch nur ums Sparen.
Doch Cheffe blickt aufs Geld gebannt
Und will den Anschein wahren.

Im Oktober machten viele mobil
Gegen No Billag. Es sei doch zu viel
Die SRG gänzlich abzuschaffen,
Man müsse den Laden einfach straffen.
Öffentlich-Rechtliche ohne Support
Machen die Schweiz zum unsich’ren Ort.
Medienqualität komme von Quälen
Hielt das Jahrbuch zudem fest,
Um uns danach dann zu erzählen
Dass selbige online gestiegen ist.
Die Medienvielfalt dafür nimmt ab
Zeit und Geld werden ebenfalls knapp.

Überall spricht man von digital
Wo der Mensch dabei bleibt, scheint aber egal, Kritisiert im November die Syndicom
Gewerkschaft für Medien und Komm’nikation und fordert – und das ist nicht schlecht –
Bildung und Abschalten seien ein Recht.

Jetzt bringen die Dezembertage
Meinen Abschied, der schmerzt,
Gar keine Frage!
Ein Viertel meiner Lebenszeit
War die Werbewoche an meiner Seit’
Ich sage «Adieu» und wünsch’ meinem Baby
Eine prächtige Zukunft –
und das nicht nur maybe.

Und schliesslich werden Sie noch fragen
Was sich auf 2017 reimt.
Da muss ich Ihnen leider sagen:
Nicht viel.
Mut, Kraft und Eigensinnigkeit.

Von Herzen alles Gute für Sie und danke
für Ihre Treue!

 

Anne-Friederike Heinrich, Chefredaktorin

f.heinrich@werbewoche.ch

Do 14.12.2017 - 13:24

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