Zur Sache: Mudworking – missfallende Gefälligkeiten

Die Kasachstan-Affäre hat hohe Wellen geschlagen und Christa Markwalder eiskalt abgeduscht.

Viel wurde zur Sache bislang gefragt und geklärt, gestaunt und geschimpft: Was, in aller Welt, hat die Schweiz mit Kasachstan zu tun? Wie können wir «den Kasachen» nützlich sein? Und wem von ihnen?
 

Was bisher wenig beleuchtet wurde, ist die Rolle der Kommunikationsagentur Burson Marsteller (BM) in dieser Affäre. Bekannt ist, dass Unternehmen wie BM, FurrerHugi, die Dynamics Group oder die Konsulenten Public Affairs und Lobbying betreiben. Unklar ist, wie genau sie das machen, mit welchen Mitteln, welche Mandate sie annehmen – und ob sie auch einmal welche ablehnen, die zwielichtig erscheinen oder hinter denen Personen stehen, deren Anliegen allein ihre bleiben sollten.

Allem voran gebührt Christa Markwalder also ein grosser Dank. Denn durch ihr Stolpern hat sie Details der politischen Arbeit aufgedeckt, über die es nachzudenken gilt. Die Debatte darüber, was Politiker müssen – fragen und denken –, was sie dürfen – Mandate ablehnen – und was sie unbedingt lassen sollten – sich mit einer Sache gemein machen, sei es auch eine gute –,ist in vollem Gange.

Spontan fragt man sich: Hätte Lobbyistin Marie- Louise Baumann von BM nicht stutzig werden müssen, weil die Kommunikation mit «den Kasachen» ausschliesslich über Dmitry Belousov lief, den Direktor des Tabakmultis Philip Morris? Doch die Frage ist falsch gestellt. Denn sie geht von der grundsätzlichen Unschuld und der guten Absicht aller Beteiligten aus. Wer aber weiss, dass Baumann auch ein Consulting- Mandat von Philip Morris hält und also genau gewusst hat, wer Belousov ist, muss einsehen, dass wir es nicht mit Unschuldslämmern zu tun haben, sondern mit Personen, die genau wissen, in welche Ränkespiele sie und die anderen verstrickt sind. Die genau wissen, wie sie die Ahnungslosigkeit der Anderen für sich nutzen können. Vorgeblich ging es beim strittigen Vorstoss um die Stärkung der liberalen Opposition in Kasachstan, was Markwalder wahrscheinlich tatsächlich geglaubt hat. De facto ging es um die Jagd des autoritären kasachischen Staatschefs Nursultan Nasarbajew gegen abtrünnige Oligarchen, konkret beispielsweise um die Auslieferung von Viktor Khrapunov, der in Genf lebt. Das ist kein Networking, sondern Mudworking. Und plötzlich stehen wir am Set von «Allein gegen die Mafia».

Delikat ist die Sache ohnehin, peinlich für Markwalder und das Schweizer Politschaffen. Und weil auch professionelle Kommunikatoren wie BM eine (höchstwahrscheinlich) unappetitliche Rolle spielen, wird Markwalder-Gate auch für uns interessant. BM schreibt auf seiner Website: «Wir begleiten Sie von der Vernehmlassung bis zur Gesetzgebung durch parlamentarische Prozesse. Wenn notwendig, sorgen wir begleitend für das nötige Grundrauschen. In den traditionellen Medien und auf allen relevanten Social-Media-Kanälen.»

Ich wollte ein wenig Licht ins Dunkel bringen, wissen, ob dieses Grundrauschen irgendwelchen Leitlinien folgt, ob es berufsethische Grundsätze für die Lobbyarbeit gibt, wie die Lobbyisten genau arbeiten, was sie befähigt, auf politische Prozesse Einfluss zu nehmen. Ich bat Matthias Graf, CEO von BM, um ein Interview. Dieser verwies auf die laufende interne Untersuchung der Affäre Markwalder/Baumann und lehnte eine Beantwortung meiner Fragen ab. Dabei wollte ich nur wissen: Für wen, für welche Länder betreibt Burson Marsteller noch politisches Lobbying? Public Affairs erscheint der Öffentlichkeit als Gemauschel, Beeinflussung am Rande des Legalen – was sagen Sie dazu? Wie genau prüfen Sie die Mandate, die Sie übernehmen? Gibt es auch Public-Affairs-Mandate, die BM ablehnt? Fragen, die die BM-interne Untersuchung der Kasachstan-Affäre nicht berühren.

Weshalb also lehnte Graf die Beantwortung meiner Fragen ab? Das kann mehrerlei bedeuten und wirft in jedem Fall ein schlechtes Licht auf BM: 1. Graf hat selbst keine Ahnung, was im Bereich Public Affairs/Lobbying unter dem Dach von BM passiert. 2. Die etwaigen Antworten würden Mandate von BM aufdecken, die um keinen Preis bekannt werden sollen – schliesslich ist politisches Lobbying sehr lukrativ und wer zahlt, erwartet Stillschweigen. 3. Es gibt weder Kriterien noch Grenzen für die Annahme von Mandaten, Hauptsache der Verdienst stimmt. Ich vermute, alle drei Punkte treffen zu.

Warum sonst wäre es so brisant, Rede und Antwort zu stehen, Mandate offenzulegen, zu Verbindungen und Vernetzungen klar Auskunft zu geben? Offenbar reden wir nicht über einen Ponyhof, sondern über eine einzige riesige Sauerei. Wir bleiben dran.

Anne-Friederike Heinrich, Chefredaktorin f.heinrich@werbewoche.ch
 

Do 21.05.2015 - 10:02
Tags

Kommentare

neuen Kommentar schreiben

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Web page addresses and email addresses turn into links automatically.
CAPTCHA
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.