Zur Sache: Besser spät als nie

Die Privatfernsehpläne von Ringier (siehe auch Top 1 der Woche) überraschen eigentlich nicht wirklich. Schon seit vielen Jahren geisterten unzählige Projekte durch viele Köpfe.

Von der irgendwann mal angedachten Blick-Nachrichtensendung auf einem eigenen Sender bis hin zu People-Sendungen oder Fussballmagazinen oder Kooperationen und Akquisitionen mit und von bestehenden Sendern wurde wahrscheinlich alles schon mal angedacht. Alles wurde verworfen, und man ging seinen eigenen unspektakulären Weg.

Seit Jahren hat Ringier im Bereich Fernsehen vornehme Zurückhaltung geübt. Während links und rechts Fernsehprojekte, angedacht und nicht realisiert, mit viel Geld realisiert und bald wieder eingestellt oder mit noch viel mehr Geld gekauft und dann redimensioniert wurden, ist Ringier still und heimlich zu einem der wichtigsten Schweizer Privatfernsehproduzenten geworden.

Viele erfolgreiche Sendungen in den letzten Jahren gehen auf das Konto der Fernsehmacher von der Dufourstrasse. Man war äusserst erfolgreich, hat das aber nie an die grosse Glocke gehängt und hatte vor allem nie das Bedürfnis, sein Ego aufzupolieren, indem man einen eigenen Fernsehsender gründete.

Diese nüchterne Zurückhaltung war wahrscheinlich mit ein Grund für den bisherigen Erfolg. Man musste sich weder mit hohen Infrastrukturkosten herumschlagen noch irgendwelche mühsamen Verhandlungen mit Regulierungsbehörden führen, und den harten täglichen Kampf um die Werbesekunden konnte man beruhigt den anderen überlassen. Man war in der glücklichen Lage, sich auf das Machen von erfolgreichen Sendungen zu konzentrieren. Und man verdiente sogar schönes Geld damit.

Jetzt scheint eine neue Zeit angebrochen zu sein. Mit dem Ausbau des Verlages in Richtung Entertainment ist die geplante Gründung eines eigenen Senders nur folgerichtig. Nur ein eigener Kanal erlaubt die lückenlose Verwertung der Erlöskette vom Konzert-Ticket bis zur Fernseh-Übertragung, von der Kochsendung bis hin zur Röstiraffel. Indem man die eigenen Medien für den Transport der Botschaften einsetzen kann, kontrolliert man die Kommunikation und erhöht damit die Erfolgsfaktoren.

Zwei Dinge sind zu hoffen: Erstens, dass der neue Sender wirklich realisiert werden kann, nachdem er die unergründlichen Entscheidungsmühlen der Dufourstrasse passiert hat, und zweitens, dass bei der ganzen Sache die Freude und der Enthusiasmus am Fernsehmachen nicht auf der Strecke bleiben.

Pierre C. Meier, Chefredaktor

pc.meier@werbewoche.ch

Mi 25.08.2010 - 09:55

Kommentare

neuen Kommentar schreiben

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Web page addresses and email addresses turn into links automatically.
CAPTCHA
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.